_

Klaus Kaldemorgen: „Griechenland ist die Spitze des Eisbergs“

An den Bondmärkten wird es zu größeren Verwerfungen kommen. Das glaubt der Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft DWS Klaus Kaldemorgen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über Schuldenpolitik und Anlagestrategien – und welches Potenzial er noch für den Dax bis zum Jahresende sieht.

Klaus Kaldemorgen fordert einen Kapitalschnitt von Griechenland. Quelle: dpa
Klaus Kaldemorgen fordert einen Kapitalschnitt von Griechenland. Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Kaldemorgen, Griechenland oder Goldman, worüber sprechen wir zuerst?

Anzeige

Klaus Kaldemorgen: Zu Goldman Sachs kann ich wenig sagen. Die unterschiedlichen Auffassungen zum Sachverhalt und zur Rechtslage klaffen zwischen den Parteien weit auseinander. Kann das noch auf die Märkte durchschlagen? Schwer zu sagen. Anzunehmen ist, dass Verhaltensregeln und Standards für die Akteure zukünftig verschärft werden. Aber auf diesem Feld wird möglicherweise auch Politik gemacht. Man fragt sich beispielsweise, warum die ganze Diskussion nach eineinhalb Jahren direkt vor Bekanntgabe der Goldman Sachs Gewinnzahlen hoch kocht.

Und der Euro-Kollaps auf unter 1,33 Dollar?

Natürlich wegen Griechenland: Aber Griechenland ist nicht das entscheidende Problem. Es ist tragisch, dass die Staaten die Wirtschaft gerettet haben, aber genau dadurch in die Krise geschlittert sind. Warum? Durch direkte Staatshilfen und Ausgabenprogramme. Sie haben ihre Finanzlage maßlos überstrapaziert. Griechenland ist die Spitze des Eisbergs. Andere Staaten werden je nach Finanzsituation die Skepsis der Kapitalmärkte noch zu spüren bekommen. Man muss bei den Anleihen ja nur auf die explodierenden Renditen schauen. Die Investoren nehmen eben erst die schwächsten Länder aufs Korn, dann die schwächeren.

Bewegen wir uns jetzt in einer Spirale abwärts?

Die aufgeblähten Staatsschulden belasten das künftige Wirtschaftswachstum. Die Staaten werden durch den wachsenden Schuldendienst in ihrer Flexibilität eingeschränkt und entziehen der Wirtschaft Nachfrage über den Druck zur Haushaltskonsolidierung Kaufkraft. An diesem Punkt wird es tragisch, denn in der prekären Lage brauchen die Länder dringend Wachstum. Nur Wachstum könnte sie aus dem Schlamassel heraus holen. Aber mit der Schuldenpolitik tun sie genau das Gegenteil und schwächen die Wirtschaft.. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch uns in Deutschland trifft. Ein politischer Königsweg wäre natürlich ein bisschen mehr Inflation. Darüber mag aber niemand laut nachdenken.

Bis wann läuft unsere Gnadenfrist?

Erst spielen die Investoren die Zinsunterschiede wie jetzt im Fall Griechenland und anderer Eurozonen-Länder. Aber in möglicherweise einem Jahr sind auch wir an der Reihe. Dann steigen auch die deutschen Renditen. Nicht ohne Grund hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in einem Interview mit unserem Hause gerade gesagt, er würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen. Man mache sich das einmal klar: Das sagt jemand, der vor kurzer Zeit noch für die Finanzen unseres Landes verantwortlich war.

Was ist die beste, was die schlechteste Währung?

Im Moment wird auf den Devisenmärkten Not gegen Elend gespielt. Unter Euro, Dollar, Yen ist keiner besser, die sind alle schlechter. Ich könnte mir vorstellen, dass vor allem der Yen demnächst ins Fadenkreuz kommt.. In Japan sieht es viel schlimmer aus als in Griechenland. Mit etwas Abstand kann man sagen: Alle die genannten Währungen der Industrieländer kommen unter Druck, weil sich das Wachstum in die Schwellenländer verlagert hat.

Der Euro kippt, aber vor einigen Monaten haben Sie noch einen starken Euro bei 1,60 Dollar gesehen …

An den Devisenmärkten werden augenblicklich die aktuellen Probleme in der Eurozone besonders stark beachtet. Treten diese in den Hintergrund werden die weiterhin schwelenden Ungleichgewichte der USA wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Seien es die Probleme am US-Immobilienmarkt, die prekäre Finanzlage Kaliforniens oder das Budget- und Handelsbilanzdefizit.. Der Trend kann schnell wieder drehen. Dazu passt übrigens die relative Gold-Stärke. In der Krise suchen die Anleger sichere Häfen außerhalb der Weltleitwährungen. In Euro erreicht das Gold augenblicklich fast täglich neue Höchstpreise.

  • 02.05.2010, 19:15 UhrAnonymer Benutzer: Hartmut

    ich bin zum Glück bereits vor 3 Jahren -über die Empfehlung eines bekannten- auf die Seite von Walter K. Eichelburg gestoßen. Erst dachte ich, dass wäre alles wirre Panikmache eines Untergangpropheten, habe mich aber anschließend doch mit dem Thema befasst und 2 Monate später war mein Erspartes zu 90% in physisches Silber umgeschichtet. ich habe es wirklich nicht bereut und die Freunde und bekannte die mich damals für "durchgedreht" gehalten haben stehen jetzt auf der Matte und fragen mich (als "Experten") was man jetzt machen sollte. ;-)ich bin zum Glück bereits vor 3 Jahren -über die Empfehlung eines bekannten- auf die Seite von Walter K. Eichelburg gestoßen. Erst dachte ich, dass wäre alles wirre Panikmache eines Untergangpropheten, habe mich aber anschließend doch mit dem Thema befasst und 2 Monate später war mein Erspartes zu 90% in physisches Silber umgeschichtet. ich habe es wirklich nicht bereut und die Freunde und bekannte die mich damals für "durchgedreht" gehalten haben stehen jetzt auf der Matte und fragen mich (als "Experten") was man jetzt machen sollte. ;-)

  • 27.04.2010, 12:04 UhrAnonymer Benutzer: Bernhard Pallmann

    "...weil sich des Wachstum in die Schwellenländer verlagert hat", das ist die rale Quintessenz der Analyse. Und die drei Kommentare zeigen, wie hilflos manche da noch immer herumwürgen und -stochern: während der erste von "X-Ray" von einem Aktienhändler stammen könnte, einem Fondsmanager z.b., der sich um den fallenden Absatz seiner Aktienprodukte sorgt, ist der zweite von "Felix Schwarz" schon deutlicher: "potentielle"...nennt er jene, die "es sind", die kriminellen, namentlich doch bekannten Finanzhaie, welche die Staaten der Welt zu insolvenzabwendern mit garantierten Pleiteaussichten trieben, damit ein überholtes System schließlich und endlich kollabiert, das da heißt: "Kaufen, kaufen, kaufen - nicht lang nachdenken" ()3. Kommentator). Die "Profite" dieser Grundhaltungen, wie immer sie aussehen mögen, machen Geld zu einer willfährigen Hure der Gosse und uns alle zu Klienten mit suizidalen Verhaltensstörungen incl. "Fremdgefährdung". Die Krise ist folglich ethisch-moralisch - und nicht "ökonomisch" bedingt! Skandal-Aufarbeitungs-Resistenz von Psychopathen mit demokratischen Totalladehemmungen. Es wird Zeit, sie auf den Mond zu jagen. So viele sind es übrigens gar nicht!

  • 26.04.2010, 15:02 UhrAnonymer Benutzer: Xray

    Na, Herr Kaldemorgen, wo Sie irren, ist die Aktienentwicklung meiner Meinung nach. Wie Sie richtig feststellen, war im letzten Jahrzehnt nix damit zu holen (abgesehen vom trading). ich erwarte allerdings real eine ähnliche Seitwärtsentwicklung im laufenden Jahrzehnt. Richtig ist, alle Staatsanleihen werden real Verluste vergleichbar mit Argentinien-Anleihen 2001 machen. Die Gewinner dieses Jahrzehnts werden Gold und Silber sein, die Anstiege der letzten zehn Jahre waren erst der müde Anfang. Erst, wenn eine Verdopplung innerhalb eines halben Jahres gelaufen ist, werde ich anfangen zu überlegen, obs es das in Gold gewesen sein könnte. Hängt dann davon ab, ob eine Hyperinflation oder Währungsreform wahrscheinlich ist oder nicht.....

    Trotzdem bemerkenswert, dass ein Fondsmanager eine, wenn auch kleine, Goldquote empfiehlt. Wenn das jeder Wohlhabende auf der Welt ernsthaft physisch umsetzt, würde der Goldpreis schon jetzt explodieren.

  • Die aktuellen Top-Themen
Austritt Griechenlands: Heilsamer Schnitt?

Heilsamer Schnitt?

Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist kein Tabu-Thema mehr. Doch was wären die Folgen? Zunächst einmal großes Chaos, vermuten Experten. Auf lange Sicht aber könnte der Euro gewinnen.

So reich wie nie: Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen

Von wegen Krise: Die Menschen in Deutschland haben so viel Vermögen wie nie zuvor. Doch bei der Geldanlage ist heute nicht Ertrag, sondern Sicherheit das oberste Gebot. Wie und wo die Deutschen ihr Geld anhäufen.

Aktie im Focus: Facebook-Papier auch nach einer Woche im Keller

Facebook-Papier auch nach einer Woche im Keller

Es sollte ein triumphaler Börsengang werden, es wurde ein Desaster: Die Facebook-Aktie steht eine Woche nach ihrem Debüt tief im Minus. Es gibt aber auch Gewinner.

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen