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Märkte: Billiges Geld gibt Aktien Auftrieb

Die Kursgewinne der vergangenen Monate setzen Anleger unter Zugzwang. Jetzt noch in Aktienfonds investieren oder besser abwarten? Der Anstieg sei zu kräftig, die Märkte nähmen eine deutliche Konjunkturerholung vorweg, sagen Kritiker. Dividendenstarke Werte sind die einzige echte Anlageoption.

Euro-Logo vor der Europäischen Zentralbank: Niedrige Leitzinsen haben die Aktienmärkte beflügelt. Quelle: ap
Euro-Logo vor der Europäischen Zentralbank: Niedrige Leitzinsen haben die Aktienmärkte beflügelt. Quelle: ap

FRANKFURT. Anleger stehen vor einer wichtigen Entscheidung: Jetzt noch in Aktienfonds investieren oder besser abwarten. In den vergangenen Monaten sind die Kurse an den Börsen bereits stark gestiegen. Der MSCI World legte seit Jahresbeginn zum Beispiel um 15 Prozent zu.

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Der Anstieg sei zu kräftig, sagen die Kritiker. Die Märkte nähmen eine deutliche Konjunkturerholung vorweg, die so deutlich gar nicht ausfallen dürfte, meinen sie. Tatsächlich waren die Konjunkturdaten zuletzt eher enttäuschend. So fiel etwa das US-Verbrauchervertrauen überraschend schlecht aus. Auch bei den Quartalszahlen der Unternehmen gab es manchen Dämpfer. Auffällig ist, dass viele Konzerne zwar passable Gewinne einfahren, die Umsätze aber weiter einbrechen. Die sind im Moment jedoch entscheidend - denn: Viele Unternehmen erzielen nur deshalb Gewinne, weil sie ihre Kosten in den vergangenen Monaten radikal gesenkt haben. Steigende Umsätze dagegen würden darauf hindeuten, dass die Geschäfte tatsächlich wieder besser laufen.

Gewinnmitnahmen wahrscheinlich

Zudem sind die Erwartungen der Anleger gestiegen. Gute Unternehmenszahlen allein reichen nicht mehr aus; sie müssen schon sehr gut sein, damit sie die Investoren beeindrucken. Enttäuschungen dagegen werden zum Anlass genommen, Kursgewinne aus den vergangenen Wochen mitzunehmen.

Die Kurse sanken deshalb zuletzt. An der New Yorker Wall Street konnte der Dow Jones die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten nicht verteidigen; in Frankfurt fiel der Dax zeitweise unter 5 500 Punkte. Der MDax, der die Kursentwicklung der mittelgroßen deutschen Unternehmen abbildet, rutschte an nur einem Handelstag um mehr als vier Prozent ab.

Kommt jetzt die große Korrektur, von der viele Experten seit Wochen sprechen? Nicht unbedingt. Noch gibt es genug Argumente, die dafür sprechen, dass es weiter nach oben geht mit den Kursen. Das wohl stärkste: die große Liquidität im Markt. "Die Auflösung von Barpositionen bei Geldmarkt- beziehungsweise Publikumsfonds, die zunächst von vorsichtigen Portfolioverwaltern gebildet worden waren, wird für zusätzlichen Kapitalzufluss in alle Asset-Klassen sorgen", schätzt Valentijn van Nieuwenhuijzen von ING Investment Management.

Noch immer sitzen viele institutionelle Investoren auf prall gefüllten Kassen. Carsten Klude, Chefvolkswirt von MM Warburg, schätzt, dass die Fondsmanager ihre Aktienquoten noch erhöhen werden. "Wir kommen zu dem Ergebnis, dass sowohl aus Bewertungssicht als auch aus der Perspektive der bestehenden Unterinvestition institutioneller Anleger immer noch Raum für weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten besteht", so Klude.

Der Druck auf die Investoren jedenfalls wächst mit jedem Punkt, wenn Dax und Dow Jones wieder steigen; viele von ihnen hat der weltweit rasante Kursanstieg seit dem Frühjahr auf dem falschen Fuß erwischt. Der Anteilswert der meisten globalen Aktienfonds ist zwar gestiegen, doch nur rund ein Drittel der internationalen Fonds konnte den Vergleichsindex schlagen.

Auf Platz eins der Fonds lag zuletzt der Carmignac Investissement A (FR0010148981), der zwischen September 2008 und September 2009 rund 23 Prozent zulegte (siehe Tabelle), gefolgt vom Johannes Fuehr-UI-Aktien-Global (DE0009781906) mit einem Plus von knapp 19 Prozent.

Ewig fernbleiben können die Investoren dem Aktienmarkt nicht, wenn sie ihre Rendite aufpolieren wollen. Denn es fehlen die Alternativen. "Wir haben unterschätzt, welchen Einfluss die hohe Liquidität hat", sagt Léon Cornelissen, Stratege des niederländischen Vermögensverwalters Robeco. Der rasante Aufschwung an den Börsen zeige nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Staatsanleihen, welche riesigen Geldmengen im Markt stecken. "Dazu kommen noch die Geldmengen, die die Zentralbanken in das internationale Finanzsystem gepumpt haben. Diese Gelder suchen nach Anlagemöglichkeiten, die höhere Erträge versprechen als Bargeld zurzeit bietet." Cornelissen rechnet nicht damit, dass dieser Prozess nachlässt. Bei Robeco erwartet man, dass die Kurse trotz der kräftigen Erholung auch in den kommenden Monaten leicht zulegen werden.

Die Nagelprobe in den USA steht erst im kommenden Jahr an

Vorsichtig optimistisch ist auch Andreas Utermann, Chefaktienstratege von Allianz Global Investors: "In den nächsten zwölf Monaten dürfte der Markt seitwärts laufen, mit leichter Tendenz nach oben. Die Volatilität wird gleichzeitig hoch bleiben. Insbesondere bei einzelnen Branchen oder Aktien wird es große Ausschläge von plus/minus 20 Prozent geben. Das ist auch gut so. Dadurch ergeben sich Chancen für aktives Management, also die gezielte Auswahl von Einzeltiteln. Aktien sind weiterhin interessant, weil sichere Anlagen in Staatsanleihen oder Geldmarktfonds kaum Rendite bringen."

Der entscheidende Punkt komme dann Mitte des nächsten Jahres, sagt Utermann. "Erst dann wissen wir, ob sich der US-Immobilienmarkt erholt, ob der Konsum stabil bleibt und die Zinspolitik der Notenbanken aufgeht. Wenn die Leitzinsen wieder steigen, könnte der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten schnell vorbei sein."

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