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Vorreiter Oekosar feiert zehnjähriges Jubiläum – Neue Produkte erweitern das Anlagespektrum: Öko-Investmentfonds haben sich am Kapitalanlagemarkt etabliert

Mit überdurchschnittlichen Ergebnissen feiert in diesen Tagen einer der Pioniere auf dem Markt nachhaltiger Geldanlagen sein zehnjähriges Jubiläum. Der von der Schweizer Bank Sarasin & Cie AG 1994 aufgelegte Investmentfonds OekoSar, der in Aktien und Staatsan-leihen investiert, hat seinen Wert seit Auflage um knapp 44% gesteigert.

von Susanne Bergius (Handelsblatt)

BRÜSSEL. Konventionelle Mischfonds mit gleicher Vermögensstruktur kamen auf rund 41 %. Sarasin zieht zum Vergleich alle in Luxemburg aufgelegten Mischfonds heran, die ihr Ver-mögen ebenfalls zu maximal 60 %in Aktien anlegen.

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Die Entwicklung dieses zu den wenigen langjährigen Praxisbeispielen gehörenden Fonds bestätigt wissenschaftliche Studien, laut denen nachhaltige Kapitalanlagen gegenüber traditionellen keinen Rendite-Nachteil haben und in Einzelfällen besser abschneiden können.

Überdies lag das Risiko des Fonds bei einer durchschnittlichen Kursschwankungsbreite von jährlich 8 % mit einem Prozentpunkt deutlich unter der Volatilität der von Sarasin zum Vergleich herangezogenen konventionellen Fonds. Nicht ohne Grund ist er auch in schwierigen Börsenzeiten gegen den Markttrend stetig gewachsen und inzwischen mit einem Volumen von 207 Mill. Euro einer der größten Nachhaltigkeitsfonds in Kontinentaleuropa. Derartige Fonds verwenden neben ökono-mischen auch ökologische, soziale und ethische Kriterien.

Für Sarasin ist der Bereich kein Modetrend, sondern fester Bestand-teil der Unternehmensphilosophie. Das Institut verwaltet insgesamt 1,24 Mrd. Euro nach nachhaltigen Kriterien und bietet verschiedenste Investmentfonds an. Oekosar war der weltweit erste Öko-Effizenz-Fonds, das heißt ein Fonds, der ökonomische und ökologischen Kriterien vereinte und dies für nahezu alle Branchen. Investiert wird in die jeweiligen Umweltvorreiter. Damit unterschied er sich grundsätzlich von den wenigen schon früher aufgelegten Produkten, die reine oder überwiegende Umwelttechnologie-Aktienfonds waren, wie der Credit Suisse EF (Lux) Global Sustainability, der KD Fonds Öko Invest und der SEB Invest ÖkoLux.

Seit 1998 berücksichtigen die Schweizer auch soziale Kriterien. Dadurch wurden sie ein vollwertiger Nachhaltigkeitsfonds und setzten laut Experten auch einen internatio-nalen Maßstab. „OekoSar hat zunächst als Pionier der Öko-Effizienzfonds und später als Vorreiter von Nachhaltigkeitsfonds Markttrends gesetzt“, urteilt Prof. Stefan Schaltegger, Leiter des Zentrums für Nachhaltigkeitsmanagement an der Universität Lüneburg. In der Folge-zeit schwenkte zum Beispiel Credit Suisse auf die neue Richtung ein und viele der seit 1999 aufgelegten Fonds von Wettbewerbern orientieren sich ebenfalls an dem Nachhaltigkeits-Konzept, wenn auch nach verschiedenen Ansätzen.

Inzwischen gibt im deutschsprachigen Raum laut der Research-Agentur Imug rund 80 sehr verschieden konzipierte Fonds mit einem Gesamtvolumen von etwa 3 Mrd. Euro. „Dieses Jahr werden Anleger im Zuge des besseren Börsenklimas stärke in nachhaltige Anlagen investieren und bei Aktien eine überdurchschnittliche Rendite erzielen können,“ erwartet Sarasin-Direktor und Fondsmanager Andreas Knörzer. „2004 ist aber auch das Jahr der Wahrheit, in dem es zu einer Marktbereinigung kommen wird,“ meint Knörzer. Viele junge Anbieter, darunter auch Großinstitute wie Allianz, Dresdner und Deutsche Bank, hätten Fonds mit nur geringen, nicht lebensfähigen Volumina. Sie müssten entscheiden, ob sie sie als Marketing- und Imageinstrument behalten und ihre Kundschaft dafür gewinnen können oder ob sie sie mangels Wirtschaftlichkeit aufgeben und den Markt den Spezialisten überlassen.

Andererseits kommen weitere Produkte auf den Markt, die an dem vom Deutsche Aktieninstitut bis 2007 erwarteten Zuwachs auf mehr als 40 Mrd. Euro Anlagevolumen teil haben wollen. Innovative Modelle sollen Anlegern mehr Möglichkeiten geben, individuelle Anlagestile zu verfolgen, beziehungsweise nachhaltige Kapitalanlagen auch für bisher ausschließlich konventionell orien-tierte Investoren attraktiv machen.

Die auf nachhaltige Kapitalanlagen spezialisierte Ökoworld Lux. S.A., die Kapitalanlagegesellschaft der Düsseldorfer Versiko AG, bietet seit kurzem in Luxemburg die ersten „ÖkoTrend-Fonds“ in Europa an. Die Vertriebszulassung für Deutschland wird für April erwartet. Die Fonds verbinden ein bei konventionellen indexorientierten Produkten erprobtes, auf komplizierten mathematischen Verfahren beruhendes trendorientiertes Absicherungssystem mit ökologischen und sozialen Kriterien und der Investition in Standardwerte. Das soll Anlegern beim Einstieg in den dynamisch wachsenden Markt Sicherheit und Glaubwürdigkeit sowie eine überdurchschnittliche Rendite bei einem niedrigeren Risiko bringen. Darin hat der Anbieter Erfahrung: der 1996 aufgelegte Ökovision mit einem Volumen von 100 Mill. Euro schlug den MSCI-World in den letzten fünf Jahren um 20 Prozentpunkte und ist von Standard & Poor’s mit fünf Sternen ausgezeichnet.

Mit dem neuen Modell schließt Ökolux nach Ansicht von Experten eine Marktlücke in Deutschland. Der ÖkoTrends Stocks Europe investiert in nach nachhaltigen Kriterien ausgewählte Aktien des Euro Stoxx 50-Index. Nur ein Dutzend Unternehmen steht zur Zeit auf der Liste, entsprechend dem Index verteilt auf die Sektoren Industrie, Dienstleistungen und Finanzen. ÖkoTrend Bonds investiert in Staatsanleihen von O-ECD-Ländern. Hier schafft nur ein halbes Dutzend die Hürde.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der zu Jahresbeginn aufgelegte Robeco Sustainable Private Equity. Der auf institutionelle Investoren zugeschnittene geschlossene Dachfonds mit zehnjähriger Laufzeit legt sein Geld überwiegend in reine nachhaltige Unternehmensfonds an, die in Privatfirmen investieren. Es soll eine breite geographische, Branchen-, Technologie- und zeitliche Streuung geben. „Zudem fordern wir herkömmliche Mainstream-Fonds auf, zusätzlich nachhaltige Kriterien zu berücksichtigen“, erläutert Ad van den Ouweland von Robeco. Im Dialog sollen konventionelle Anbieter von den Vorteilen nachhaltiger Anlagen überzeugt werden. Da dieses Konzept international Neuland ist, ist die Prognose vorsichtig: es wird mindestens eine Marktrendite erwartet, eventuell auch eine Outperformance. In jedem Fall sei die Rendite aber deutlich höher als die für Staatsanleihen.

Ein kleinerer Teil des angepeilten Volumens von 160 Mill. Euro soll in nachhaltigen Direktinvestitionen und Projektfinanzierungen fließen. Robeco sowie ihre im Bereich Nachhaltigkeit viel aktivere niederländische Muttergesellschaft Rabobank legen selbst je 35 Mill. Euro ein.

Robeco ist mit einem verwalteten Vermögen von 110 Mrd. Euro einer der führenden europäischen Vermö-gensverwalter, gehört aber zu den Neulingen auf dem Markt nachhaltiger Kapitalanlagen. Er hat bisher nur einen vor fünf Jahren aufgelegten Aktienfonds mit einem Volumen von 100 Mill. Euro. Da das Institut inzwischen erkannt hat, dass derartige Geldanlagen keine Mode, sondern ein langfristiger Trend sind, will es sein Engagement künftig stark aus-bauen, wie es heißt.

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