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Experte im Interview: „Die Fondsbranche hat viel Vertrauen verloren“

Unrealistische Versprechungen, wenige Innovationen - die Fondsbranche hat viele hausgemachte Probleme. Ralf Lochmüller vom Vermögensverwalter Lupus Alpha findet deutliche Worte und fordert eine „Teststrecke für Fonds“.

Ralf Lochmüller ist Partner des Vermögensverwalters Lupus Alpha Quelle: Firmenfoto
Ralf Lochmüller ist Partner des Vermögensverwalters Lupus Alpha Quelle: Firmenfoto

Der Fondsbranche geht es nicht gut. In den vergangenen Monaten haben Anleger für Milliarden Fondsanteile verkauft. Allein im August zogen sie aus den vor allem für Private aufgelegten Publikumsfonds per saldo 5,4 Milliarden Euro ab - so viel wie seit der Lehman-Pleite nicht. Allein Aktienfonds verloren laut Daten des Fondsverbands BVI im August gut vier Milliarden Euro, aus Aktien und Anleihen gemischte Fonds büßten 1,6 Milliarden Euro Kapital ein. Zuflüsse institutioneller Investoren konnten die Bilanz nicht retten. Die Branche schrumpft. Und der Grund sind nicht nur die Turbulenzen, meint Ralf Lochmüller von Lupus Alpha.

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Handelsblatt: Das Vertrauen der Anleger in die Finanzmärkte ist erschüttert. Was nun?

Ralf Lochmüller: Es ist nicht nur das Vertrauen in die Märkte, auch die Vermögensverwalter und die Fondsgesellschaften haben viel Vertrauen verloren. Und das liegt nicht nur an den Turbulenzen an den Märkten, sondern auch an hausgemachten Problemen.

Hausgemachte Probleme? Was haben Sie falsch gemacht? 

Viele Fondsprodukte enttäuschen. Sie erfüllen die eigenen Ansprüche oft nicht. Bei indexorientierten Fonds bleiben 80 Prozent hinter ihren Vergleichsindizes zurück, auch bei Absolut-Return-Produkte liefern 60 Prozent die versprochene Zielrendite oft nicht. Das verärgert Anleger, zu Recht.

 

Und der Ausweg?

Unsere Produkte müssen besser werden. Wir brauchen eine Qualitätsoffensive ähnlich wie im Mittelstand. Qualität „made in Germany“ muss auch im Asset Management gelten. Und wir brauchen Teststrecken für Fonds.

 

Das erinnert an die Industrieproduktion.

Genau. Nehmen wir beispielsweise den 5er GT von BMW. Von der Produktidee bis zur Einführung hat es fünf Jahre gedauert. Fünf Jahre, in denen das Auto immer wieder getestet und verbessert wurde. In der Industrie nimmt man sich sehr viel Zeit, um ein Produkt zur Marktreife zu führen.

 

Die Finanzbranche ist da deutlich schneller….

Fondsgesellschaften brauchen oft nur wenige Wochen von der Idee bis zum Vertrieb, bei anderen Anlageprodukten wie börsengehandelte Indexfonds oder Zertifikaten geht es noch viel schneller. Aber Produktentwicklung aufs Geratewohl ist Glückspiel. Gute Produkte brauchen Zeit. Auch wenn es eine Garantie auf Outperformance nie geben kann, weil Kapitalmärkte keinen Naturgesetzen folgen.  Aber eine Teststrecke für Fonds würde schon helfen, mehr Sicherheit zu geben, welche Strategien funktionieren können und welche nicht.

  • 14.11.2011, 18:27 UhrAnonymer Benutzer: tohahu

    Die haben immer alle so schöne Namen: Lochmüller, Krähenbuhler, Todmüller, Herzhauserl – das dann den Bach herunterschwimmt, genannt Fonds..
    Offenbar kommen die Namen nur bei Keilerjobs rein.
    Viel Spaß weiterhin von Oahu aus ins herbstliche Deutschland!
    Tojahu

  • 14.11.2011, 15:26 Uhrrs-depot.de

    Herr Lochmüller hat richtig dargelegt, dass 80% der Fonds sich schlechter entwickeln als der zugrunde liegende Index. Das war immer so und wird sich auch nicht ändern. Nur heisst das dann auch zwingend, dass Indexfonds (ETF's) die bessere Wahl sind, weil ich in ca. 80% der Fälle eben besser liege als mit gemanagten Fonds.
    Sorry, Herr Lochmüller.

  • 14.11.2011, 13:32 UhrAnonymer Benutzer: danke_dir...

    Och, bitte mal am Boden bleiben. Fonds können auf Dauer nicht erfolgreicher als der Index sein, das verbietet schon allein die Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Kräfte am Markt.

    Zum Anderen: Die ehemalige DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann hat ein Buch raus gebracht ("Der entspannte Weg zum Reichtum"). Da erzählt sie unverhohlen, dass sie direkt nach dem Studium, keine Ahnung von Wertpapieren und Kapitalmärkten, erst mal sofort einen Fonds der DWS managen durfte. Und ihn natürlich schön an die Wand gefahren hat. Herrlich! Sind ja nur Kundengelder, aber das interessiert die Frau anscheinend nicht mal. Sie erzählt das so, als sei es das natürlichste der Welt. Ha, man braucht halt Testläufe. Keine Anzeichen von Reue oder gar Verantwortung. Im Gegenteil. Sie findet, dass das eine wichtige Erfahrung ist... So lange BWL-Schnösel Fonds verwalten dürfen, so lange wirds auch solche Geschichten geben. Und daher werde ich von Fonds, außer ETFs oder physisch besicherten ETCs weiterhin einen großen Weg drum rum machen.

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