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Indexfonds: Privatanleger zocken mit ETFs

Werden Indexfonds zum Instrument für wilde Spekulationen? Die Wette auf fallende Kurse, am liebsten mit Faktor zwei, ist längst nicht mehr nur Sache der Profis. Auch Privatanleger mischen kräftig mit.

Die Bronzeskulptur des Bären, Symbol für die Abwärtsbewegung an den Börsen, vor der Frankfurter Börse Quelle: dpa
Die Bronzeskulptur des Bären, Symbol für die Abwärtsbewegung an den Börsen, vor der Frankfurter Börse Quelle: dpa

DüsseldorfGeld verdienen, auch wenn die Märkte abstürzen? Auf fallende Kurse zu setzen, das reizt scheinbar immer mehr Anleger. Zumindest lassen das die Handelsstatistiken der Deutschen Börse vermuten. Im August wurde ein ETF auf den Short-Dax besonders rege gehandelt. Dieser Index vollzieht die Entwicklung des Dax mit umgekehrten Vorzeichen auf Tagesbasis nach. Fällt der Dax also um zwei Prozent, dann legt der Short Dax um zwei Prozent zu. Es sind aber nicht nur die Institutionellen, die „short“ gegangen sind. Auch die Privatanleger mischen kräftig mit, wie eine Umfrage unter Privatbanken zeigt.

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ETF

Beispiel Cortal Consors: Zuletzt tauchte ein Short-ETF auf den Dax verstärkt in den Depots auf. Beim Handelsvolumen belegt ein solches Papier derzeit den ersten Platz. „Das ist natürlich der aktuellen Situation geschuldet“, sagt Dirk Althoff von Cortal Consors. „ETFs sind ganz klar auch ein Tradinginstrument, mit dem besonders aktive Anleger Marktbewegungen ausnutzten.“

Ähnliches ist bei anderen Onlinebrokern zu beobachten. „Die Mehrheit  unserer Kunden setzt ETFs mittel- bis langfristig ein“, sagt Henning Seeler, Fondsexperte bei der Comdirect. „Es gibt aber auch einige, die sehr viel handeln und damit den Vorteil nutzen, dass sie mit ETFs günstig über die Börse jederzeit in sehr viele Märkte investieren können.“ Gerade in volatilen Marktphasen würden diese Anleger mit ETFs auf steigende wie fallende Kurse setzen.

Ein Ersatz für Optionsscheine

„ETFs auf gehebelte beziehungsweise auch Short-Indizes werden verstärkt als Tradingprodukte eingesetzt – in den Handelsstatistiken tauchen sie zwar auf, ihr Anteil bei den Depotbeständen ist aber gering“, sagt Christian Bimüller, Senior Produktmanager bei der DAB Bank. „Das liegt daran, dass sie nur sehr kurzfristig, manchmal nur für wenige Tage, gehalten werden.“ Sie würden auch als Ersatz für Optionsscheine genutzt.

Auch die Emittenten spüren die erhöhte Nachfrage nach den hochspekulativen Produkten. „Seit Anfang August haben wir gesehen, dass viele Anleger ETFs nutzen, um kurzfristig Positionen aufzubauen und Markttrends mitzunehmen“, sagt Comstage-Chef Thomas Meyer zu Drewer. Die Commerzbank-Tochter hat im Mai einen Short-ETF auf den Dax emittiert. Vergleichbare Papiere gibt es von Amundi und db X-Trackers. Letzteres gehört im August sogar zu den meistgehandelten Papieren an der Frankfurter Börse.

Der Nachteil bei den Short-ETFs: Sie vollziehen die inverse Entwicklung des zugrunde liegenden Index auf Tagesbasis nach. Das verzerrt das Ergebnis. Ein Beispiel: Steigt der Dax an einem Tag also um drei Prozent und fällt er am nächsten Tag um fünf Prozent, sind das in Summe minus 2,15 Prozent. Das Short-ETF würde am ersten Tag drei Prozent verlieren und am nächsten Tag fünf Prozent zulegen. Macht am Ende plus 1,85 Prozent, 0,3 Prozentpunkte zu wenig.

Strategie-ETFs

  • Dividenden

    Mit dieser Strategie setzen Anleger auf Papiere mit hoher Ausschüttungsrendite. Dem liegt die Meinung zugrunde, dass sich Titel mit einer hohen Dividendenrendite langfristig besser entwickeln.

  • Hebel oder Leverage

    Risikobereite Anleger können mit Hebelpapieren etwa auf den LevDax Gewinne – aber auch Verluste – verdoppeln. Denn der Investor partizipiert mit einem Hebel von zwei an der Entwicklung des Dax.

  • Short

    Wer „short“ geht, setzt auf fallende Kurse. Diese ETFs bilden die Entwicklung eines Index spiegelverkehrt ab. Fällt der Dax um drei Prozent, steigt der ShortDax entsprechend um drei Prozent.

  • Value

    Der klassische Value-Investor sucht nach Unternehmen, die an der Börse günstig bewertet sind. Die entscheidenden Zahlen sind für ihn das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die Dividendenrendite.

  • Growth

    Bei der Suche nach Wachstumswerten sind im Gegensatz zur Value-Strategie Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der erwartete Gewinn je Aktie wichtig.

  • Fundamental

    ETFs, die auf die sogenannte Fundamentalstrategie setzen, erkennen Anleger am Zusatz „Rafi“. Die Gewichtung der im Rafi-Index enthaltenen Unternehmen erfolgt  nicht, wie sonst üblich, aufgrund deren Marktkapitalisierung, sondern nach quantativen Regeln. Dazu zählen der Fünfjahres-Durchschnitt der fundamentalen Kriterien Buchwert, Erlöse, Cash-Flow und Dividendenzahlungen.

Wer den Extra-Kick an der Börse sucht, der hebelt. Mit Faktor zwei und mehr lassen sich längst nicht mehr nur Futures oder Optionen handeln, sondern auch Indexfonds. Gehebelte ETFs machen an der Frankfurter Börse mittlerweile rund zwei Prozent aller handelbaren Indexfonds aus. „Aktive Anleger nutzen die starken Schwankungen, um kurzfristig über entsprechende Hebel-ETFs diese Marktbewegungen überproportional zu handeln“, sagt Heike Fürpaß-Peter von Lyxor.

Diese Hebel-Produkte gibt es nicht nur in einer Long- sondern auch als Short-Variante  – beide wurden bei Lyxor zuletzt stark nachgefragt. Vergleichbare ETFs bieten  db X-Trackers, ETF Securities und RBS an. Solche Strategieprodukte tauchen beispielsweise in der Statistik der Comdirect derzeit verstärkt auf.  

Emittenten betonen immer wieder, dass gehebelte und auch Short-ETFs nicht für Privatanleger, sondern nur für Institutionelle geeignet sind. Die Kunden der Onlinebroker schert das scheinbar wenig.

 

  • 11.10.2011, 21:45 UhrAnonymer Benutzer: mono

    Jeder Politiker, der ernsthaft über Chancengleichheit und einen freien, nicht manipulierten Markt sinniert, müsste den Handel mit Derivaten abschaffen und Spekulationen auf Rohstoffe verbieten.

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