26. Mai 2012 

Handelsblatt

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Nachgerechnet: Wald-Anlagen rechnen sich erst spät – wenn überhaupt

Mit hohen Renditen locken Teakholzplantagen die Anleger. Doch wer hier investieren will braucht sehr viel Geduld und noch mehr Vertrauen. Welche Risiken bei der Holzanlage zu beachten sind.

DüsseldorfDie Werbung ist im Internet kaum zu übersehen. Zwölf Prozent Rendite pro Jahr verspricht die Schweizer Gesellschaft Life Forestry für ein Investment in Teakholzplantagen. „Das natürliche Kraftpaket für Ihr Portfolio“ soll es sein. Doch der Anleger muss hier viel glauben und kann nur wenig prüfen. Sicher ist nur: der Sparer gibt sein Geld erst mal für volle zwanzig Jahre weg.

So soll es funktionieren: Kunden kaufen ab 100 Teakholzsetzlinge aufwärts in Plantagen in Costa Rica oder Ecuador, warten, bis die Bäume ausgewachsen sind, und dann winkt eine schöne Holzernte.
1.100 Setzlinge passen beispielsweise auf einen Hektar Land. Sie sollen bei Life Forestry inklusive Nebenkosten 37.400 Euro kosten. Pflege über 20 Jahre eingeschlossen. Am Schluss lässt sich das Holz nach einer Modellrechnung im Idealfall für das Achtfache des Einsatzes verkaufen– daher die zwölf Prozent Rendite pro Jahr.

Doch 37.400 Euro für einen Hektar frisch gepflanzter Bäume – das ist schon mal ein stolzer Preis. Zumal dem Käufer nur die Bäume gehören, nicht das Grundstück. Zum Vergleich: Die Sharewood AG, die ein ähnliches Konzept hat, verkauft 1.100 Setzlinge plus Aufzucht für 23.000 Euro. Konkurrent Forest Finance nimmt 25.000 Euro.

Der Grund kostet in Costa Rica nach Einschätzung des Betreibers der Handelsplattform investingalternatively.com, Cyrill Haenni, rund 4.000 bis 7.000 Euro pro Hektar. Aber den bezahlt der Kunde ja gar nicht, das Land bleibt in Besitz von Life Forestry. Für Aufforstung und Pflege rechnen Experten rund 15.000 Euro.

Und der Rest? Wie viel geht ins Marketing? Wie hoch ist die Spanne von Life Forestry? Und wie viel geht in eine Stiftung? Eine Stiftung soll einspringen, wenn Forestry Life oder eine Tochter pleitegeht. Doch Details zum Geschäftsplan behält Life Forestry weitgehend für sich. Bei Investments in Tropenbäume besteht keine Prospektpflicht.

Ein Investment in Tropenhölzer zahlt sich spät aus - oder gar nicht. Quelle: dpa
Ein Investment in Tropenhölzer zahlt sich spät aus - oder gar nicht. Quelle: dpa

Nur für die Entwicklung der 11.00 Baumsetzlinge liegt eine Prognoserechnung vor. Auch sie bleibt ein wenig vage. Der Preis für einen Kubikmeter Plantagenholz, Stand 2007, beträgt danach 480 Euro. Ist das Holz da schon geschnitten? Ist das ab Plantage oder schon zum Transportschiff gebracht? Regelmäßig veröffentlicht die ITTO, ein Zusammenschluss aus Ländern, die Tropenholz vertreiben, Preise für Stämme, ab Plantage. Doch Life Forestry rechnet Schnitt und Transport mit ein. Das erschwert die Vergleichbarkeit. Laut Life Forestry muss der Preis jährlich um sechs Prozent steigen, um zwölf Prozent Rendite zu erreichen. John Gilliland von Tectona G. Capital, der seit Jahren Plantagen für Profi-Anleger betreut, schätzt, dass heute eher ein Preis von 350 Euro je Kubikmeter Plantagenholz realistisch ist.

Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich seien nur für natürlich gewachsenes Holz zu erwarten. Bei Plantagenholz rechnet Gilliland mit Preissteigerungen von einem Prozent jährlich. Den hohen Anfangeinsatz von 37.400 Euro mitberücksichtigt, seien zwölf Prozent Rendite wenig realistisch. Auch Fachmann Haenni verweist Preissteigerungen von sechs Prozent jährlich „in den Bereich der Spekulation.“

Zwanzig Jahre muss der Anleger warten, da kann viel passieren – auch wenn Life Forestry die Wälder - wie versprochen – optimal pflegt. So hatten die börsennotierten Firmen Teak Holz International und Precious Woods, die ein ähnliches Geschäft betreiben, in den letzten Jahren zu kämpfen. Und 2006, genau als Life Forestry gegründet wurde, ist die Firma Prime Forestry, die ein ähnliches Konzept hatte wie Life Forestry, in Konkurs gegangen. Das Geld war plötzlich aufgebraucht.

Life-Forestry-Geschäftsführer Carl-Lambert Liesenberg betont, dass seine Firma mit größter Sorgfalt arbeite und alle Daten von Gutachtern überprüft seien. Dennoch: diese Anlage ist hochspekulativ und wenig transparent. Mir persönlich wären schon die 20 Jahre Wartezeit viel zu lang.