Die Finanzierung der Übernahme des amerikanischen IT-Dienstleisters First Data ist immer noch nicht unter Dach und Fach. Laut Wall Street könnte ein Bankenkonsortium unter Führung von Credit Suisse
Kreditpakete im Volumen von bis zu 19 Mrd. Dollar zurückhalten, da sie im Moment nicht an den nervösen Kreditmärkten unterzubringen sind.
NEW YORK. Insgesamt müssen die Banken eine Fremdfinanzierung in Höhe von 24 Mrd. Dollar auf die Beine stellen. Die Private-Equity-Firma Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) hatte First Data für insgesamt 26 Mrd. Dollar gekauft und sich dafür Finanzierungszusagen von sieben Banken gesichert. Darunter befindet sich auch die Deutsche Bank
.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg haben sich Banken und KKR noch immer nicht auf die Konditionen des Finanzierungspakets geeinigt. Anfang der Woche hatte der Finanzinvestor zugestimmt, die Höhe der Fremdmittel an bestimmte Ergebnisvorgaben für First Data zu binden. Umstritten ist aber offenbar immer noch der Preis der risikoreichen Anleihen. Angeblich werden die Schuldtitel mit einem Abschlag von acht Prozent gehandelt. Sollten die Papiere zu einem derart niedrigen Preis auf den Markt kommen, müssten sich die Banken nach Schätzungen des "Wall Street Journals" auf Buchverluste von bis zu 1,5 Mrd. Dollar einstellen
.Noch größere Probleme gibt es bei der Finanzierung der Übernahme von Sallie Mae
. Banker glauben, dass die erste Zeitbombe, die auf dem Kreditmarkt womöglich explodiert, der Verkauf des Finanzdienstleisters an ein von J.C. Flowers geführtes Konsortium sein könnte. "Der Deal ist am stärksten gefährdet und könnte entweder vor Gericht enden oder ganz platzen", sagte ein Investmentbanker in New York.
Die Finanzierungen von First Data und Sallie Mae
haben Signalwirkung für zahlreiche Deals. Geht hier etwas schief, dürfte das die nervösen Investoren auf den Finanzmärkten weiter verunsichern. Schließlich müssen in den kommenden Monaten weltweit Finanzierungen im Volumen von mehr als 300 Mrd. Dollar vermarktet werden.
Bei Sallie Mae
geht es um zwei Kreditpakete von insgesamt 16,5 Mrd. Dollar, die von JP Morgan
Chase und Bank of America
am Kreditmarkt untergebracht werden müssen. Die Großbanken wickeln nicht nur die Finanzierung ab, sondern haben sich mit jeweils 2,2 Mrd. Dollar auch direkt an der Übernahme beteiligt. Das Flowers-Konsortium hatte Sallie Mae
im April für insgesamt 25 Mrd. Dollar übernommen. Seitdem haben sich jedoch die wirtschaftlichen Aussichten für das Kreditinstitut deutlich eingetrübt. Als der führende Anbieter von Studentenkrediten in den USA ist Sallie Mae
Opfer der Sparbemühungen in Washington geworden. Der Kongress hat sich jetzt darauf geeinigt, die Subventionen für derartige Darlehen um rund 20 Mrd. Dollar zu kürzen.
Für J.C. Flowers hat sich dadurch offenbar die Geschäftsgrundlage für den Deal geändert. Hinter den Kulissen sollen die Buy-out-Manager sogar gedroht haben, das Geschäft platzen zu lassen. Den beiden Banken käme das vermutlich nicht ungelegen. Lassen sich doch die Kreditpakete für Sallie Mae
wenn überhaupt nur mit erheblichen Preisabschlägen am Markt unterbringen. Auch an der Börse lässt sich die wachsende Skepsis ablesen: Der Kurs von Sallie Mae
ist auf gut 48 Dollar abgesackt. Abgeschlossen hatten die Firmenjäger das Geschäft zu einem Preis von 60 Dollar je Aktie. J.C. Flowers, Sallie Mae
und JP Morgan
ließen Anfragen zum Stand der Verhandlungen unbeantwortet.
Bei dem Ringen zwischen Käufern und dem Unternehmen ist die Frage entscheidend, ob sich die Geschäftsaussichten "erheblich" verschlechtert haben ("material adverse change"). Immerhin geht es um eine Vertragsstrafe von 900 Millionen Euro - am Ende womöglich ein Fall für den Richter.
Offene Rechnungen
Verstopfte Pipeline
Im Herbst müssen die Banken Kreditpakete für Übernahmefinanzierungen von etwa 300 Mrd. Dollar bei Investoren unterbringen. Mehr als 50 Übernahmen mussten vor dem Sommer verschoben werden, weil die Anleihen praktisch unverkäuflich waren. Beobachter gehen davon aus, dass die meisten Kredite nur mit erheblichen Preisabschlägen und höheren Sicherheiten vermarktet werden können.
Hauen und Stechen
Die Liquiditätskrise hat zwischen Banken, Private-Equity-Firmen und Unternehmen hektische Verhandlungen ausgelöst. Gestritten wird darüber, wer die Lasten der neuen Realitäten an den Finanzmärkten tragen muss. Erste Aufschlüsse darüber erwartet die Wall Street vom Ausgang des Ringens um die Finanzierungen für First Data und Sallie Mae
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