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15.05.2008 
Aktienkäufe

Fonds haken die Krise ab

von Ingo Narat und Anke Rezmer

Große Anlagehäuser sind nach den Abschreibungen bei Finanzkonzernen optimistischer als noch vor Wochen: Sie sehen ein nahes Ende der Turbulenzen und kaufen wieder Aktien. Am offensivsten gibt sich Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS.

Fondsgesellschaften wie die Deka kaufen wieder Aktien. Foto: APLupe

Fondsgesellschaften wie die Deka kaufen wieder Aktien. Foto: AP

FRANKFURT. Die großen Fondsanbieter in Deutschland denken um. Die verantwortlichen Portfoliomanager zeigen sich nach den Abschreibungen bei Finanzkonzernen und den unterschiedlichen Signalen aus den USA über die weitere Entwicklung der Konjunktur optimistischer als noch vor Wochen. Ihnen zufolge ist ein Großteil der Finanzkrise überstanden. Die Fondslenker haben bereits Aktien für ihre Portfolios hinzugekauft, wie eine Umfrage des Handelsblatts unter den großen Adressen in Deutschland ergibt.

"Die Krise ist nicht ausgestanden, aber beherrschbar", bringt Victor Moftakhar, Aktienchef beim zweitgrößten deutschen Fondshaus für Publikumsfonds Deka, die Branchensicht auf den Punkt. Vor der Übernahme der in Schieflage geratenen US-Investmentbank Bear Stearns wurde heftig über die Lebensfähigkeit des Finanzsystems debattiert. Seit der Liquiditätsspritze der US-Notenbank Fed für Bear Stearns haben viele Marktbeobachter aufgeatmet. Trotz dieser positiven Signale rechnen die Fondsexperten mit weiteren Abschreibungen auf Vermögensgegenstände. "Die Aufräumarbeiten bei den Banken werden vielleicht noch ein Jahr dauern und zusätzliche Regulierungen uns noch länger beschäftigen", meint etwa Peter Schwicht, Deutschlandchef von JPMorgan Asset Management.

In der volkswirtschaftlichen Betrachtung erwarten die Fachleute keinen Absturz der Konjunkturen. "Gemischte Konjunktursignale aus den USA und sich einengende Zinsspreads lassen den Schluss zu, dass sich die Lage stabilisiert", sagt Klaus Riester, Geschäftsführer bei der genossenschaftlichen Union Investment. Auch in den für die Weltwirtschaft immer wichtiger werdenen Schwellenländern mit China als Vorreiter erwartet die Union Investment kein abruptes Abbrechen des Wachstumstrends.

Über die Folgen dieser wirtschaftlichen Gesamtschau für die Kapitalmärkte gehen die Ansichten zwar auseinander. Aber der Optimismus überwiegt. Der wurde zuletzt von wieder steigenden Kursen gestützt, wie beispielsweise an der Wall Street. Am offensivsten gibt sich Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS. "Die Aktienkurse haben die Krise voll eingepreist", sagt Thomas Gerhardt, der während der Abwesenheit von DWS-Chef Klaus Kaldemorgen das Investmentteam Aktien führt und hier für 60 Mrd. Euro verantwortlich ist. Gerhardt ist wieder voll investiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Gegenposition vertritt Andreas Utermann, Chef-Investmentstratege für Aktienfonds bei der Allianz Global Investors

Die Gegenposition vertritt Andreas Utermann, Chef-Investmentstratege für Aktienfonds bei der Allianz Global Investors. "Der Kapitalmarkt ist noch nicht aus dem Gröbsten heraus", sagt er. Seiner Ansicht nach werden die zuletzt gesehenen starken Kursschwankungen bei Aktien bis in das vierte Quartal hinein anhalten. Allerdings hofft er, dass das Aktienjahr 2008 noch positiv abschließen kann, zumal 2009 eine Besserung der globalen Wachstumsraten zu erwarten sein dürfte. Utermann sieht aktuell noch keine Notwendigkeit, "Aktien taktisch überzugewichten". Sein Team nutze allerdings Kursrückschläge, um gezielt Positionen in interessanten Werten aufzustocken. Insgesamt sind Aktien in den AGI-Portfolios neutral gewichtet.

Moftakhar hat die Aktienquote seit den Tiefständen im März wieder auf eine neutrale Gewichtung erhöht. Er will vorerst nicht mehr "massiv zukaufen". Insgesamt stuft er Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis bei europäischen Werten von zwölf als sehr günstig bewertet ein. Allerdings werde über die Stabilität der zu Grunde liegenden Gewinnprognosen für das laufende Jahr diskutiert. Abschläge aus den ersten Quartalen steckten bereits in den Kursen, meint er. Auch Jürgen Rauhaus, Leiter Investments Deutschland bei der Unicredit-Tochter Pioneer Investments, sieht seit dem Frühjahr gute "Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien" und bevorzugt US-amerikanische und japanische Werte.

Ähnlich urteilen die internationalen Vermögensverwalter in der Mai-Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter knapp 200 Fondsmanagern. Weltweit gewichten sie Aktien neutral und zeigten sich etwas optimistischer zu den Folgen der Finanzkrise für das globale Wachstum als im April. Zugenommen hat bei den Fondsprofis zuletzt die Sorge über steigende Inflationsraten. Anleihen halten sie deshalb nach wie vor für zu teuer.

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