Die Gegenposition vertritt Andreas Utermann, Chef-Investmentstratege für Aktienfonds bei der Allianz Global Investors. "Der Kapitalmarkt ist noch nicht aus dem Gröbsten heraus", sagt er. Seiner Ansicht nach werden die zuletzt gesehenen starken Kursschwankungen bei Aktien bis in das vierte Quartal hinein anhalten. Allerdings hofft er, dass das Aktienjahr 2008 noch positiv abschließen kann, zumal 2009 eine Besserung der globalen Wachstumsraten zu erwarten sein dürfte. Utermann sieht aktuell noch keine Notwendigkeit, "Aktien taktisch überzugewichten". Sein Team nutze allerdings Kursrückschläge, um gezielt Positionen in interessanten Werten aufzustocken. Insgesamt sind Aktien in den AGI-Portfolios neutral gewichtet.
Moftakhar hat die Aktienquote seit den Tiefständen im März wieder auf eine neutrale Gewichtung erhöht. Er will vorerst nicht mehr "massiv zukaufen". Insgesamt stuft er Aktien mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis bei europäischen Werten von zwölf als sehr günstig bewertet ein. Allerdings werde über die Stabilität der zu Grunde liegenden Gewinnprognosen für das laufende Jahr diskutiert. Abschläge aus den ersten Quartalen steckten bereits in den Kursen, meint er. Auch Jürgen Rauhaus, Leiter Investments Deutschland bei der Unicredit-Tochter Pioneer Investments, sieht seit dem Frühjahr gute "Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien" und bevorzugt US-amerikanische und japanische Werte.
Ähnlich urteilen die internationalen Vermögensverwalter in der Mai-Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter knapp 200 Fondsmanagern. Weltweit gewichten sie Aktien neutral und zeigten sich etwas optimistischer zu den Folgen der Finanzkrise für das globale Wachstum als im April. Zugenommen hat bei den Fondsprofis zuletzt die Sorge über steigende Inflationsraten. Anleihen halten sie deshalb nach wie vor für zu teuer.
