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10.10.2008 
Investmentfonds

Fonds müssen Aktien abstoßen

Hohe Mittelabflüsse der verunsicherten Anleger zwingen einige Fondsgesellschaften zum Verkauf. Die Garantieerklärung des Bundes erweist sich für die Branche sogar als kontraproduktiv, da Aussagen zu Sondervermögen darin fehlen.

Lupe

HB FRANKFURT. Mit ihrer vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Kreditkrise gegebenen Garantie für Einlagen bei Banken hat die Bundesregierung der heimischen Fondsbranche offenbar einen Bärendienst erwiesen. "Dass Finanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar eine Garantieerklärung für Einlagen abgegeben haben, sich aber nicht zu den Sondervermögen geäußert haben, war für unsere Branche kontraproduktiv. Das merken die Mitarbeiter in den Call Centern und das lässt sich auch am Absatz feststellen", heißt es von Union Investment, der Fondsgesellschaft des genossenschaftlichen Bankenverbunds.

Der Vermögensverwalter der Deutschen Bank, die DWS, hatte auch aufgrund der Verunsicherung der Anleger zuletzt "überdurchschnittlich hohe" Nettomittelabflüsse zu verzeichnen und ist daher nunmehr gezwungen, Bestände seiner Aktienfonds zu liquidieren. "Wo die Bargeldposition eines Portfolios nicht ausreicht, um die Rückgaben von Anteilscheinen zu bedienen, wird verkauft", heißt es von der Deutsche-Bank-Tochter. Das Flaggschiffprodukt DWS Vermögensbildungsfonds I verfüge derzeit allerdings über eine Kasseposition von rund 15 Prozent.

In Deutschland zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds sind rechtlich gesehen so genannte Sondervermögen und gehören im Fall einer Insolvenz des Anbieters daher nicht zur Konkursmasse. "Während damit die institutionelle Sicherheit gewährleistet ist, bleibt das Marktrisiko allerdings natürlich erhalten", sagt Frank Bock vom BVI Bundesverband Investment und Asset Management, der Branchenorganisation der heimischen Fondsindustrie.

Bei der DekaBank, dem Vermögensverwalter des Sparkassenverbunds, sieht Pressesprecher Markus Rosenberg derzeit keine Notwendigkeit, "großartig Liquidität aufzubauen, um Nettomittelabflüsse auffangen zu können". Allerdings sei die Fondsgesellschaft trotz der nach den Kurseinbrüchen der vergangenen Wochen nunmehr deutlich gesunkenen Bewertungskennziffern auch nicht auf der Käuferseite unterwegs.

"Anders als wirkliche Vermögensverwalter, die je nach Marktlage Bargeld- und Aktienpositionen stark unterschiedlich gewichten, sind die Portfolios der großen Fondsgesellschaften immer so gut wie voll investiert", erklärt der Vorstand eines kleineren deutschen Asset Managers. Daher führten psychologisch schwierige und von drastisch fallenden Kursen gekennzeichnete Situation häufig zu erzwungenen Verkäufen, um die zunehmende Zahl der zurückgegebenen Anteilscheine bedienen zu können. "Dabei werden die Positionen dann nicht mehr unbedingt nach ihrem Potenzial, sondern schlicht nach den Kriterien Portfoliogewichtung und Liquidität verkauft."

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