Mit der Einführung des Investmentmodernisierungsgesetzes im Jahre 2004 war zunächst der Anstoß zur Errichtung einer Hedge-Fonds-Industrie in Deutschland gegeben. Nunmehr ging es darum, diese Industrie Investoren und Manager gleichermaßen zugänglich zu machen.
HB LONDON. Gesucht wurde die Kombination von deutscher Regulation und deutschem Steuerwesen mit den in der Praxis erprobten Verfahrensweisen einer angelsächsisch geprägten Finanzindustrie. Dabei wurden Fortschritte erzielt. Neue Anlagerichtlinien erlauben institutionellen Investoren signifikante Investments in Hedge-Fonds. Kapitalanlagegesellschaften in Deutschland haben damit begonnen, sogar einzelne Hedge-Fonds aufzulegen und die eigenen Dienste mit denen der Prime Broker und deutschen Depotbanken effizient zu kombinieren. Die geforderte Transparenz der Anlagepolitik wird von einer größer werdenden Anzahl an Hedge-Fonds verstanden und akzeptiert. Auch etablierte Manager erkennen die Aufnahme deutscher Investoren als eine wertvolle Möglichkeit zur Diversifikation ihrer Kundenbasis.
Zudem richten sich immer mehr Kapitalanlagegesellschaften auf die Entwicklung von Dachfonds-Mandaten ein, die nach steuerlich transparenten Zielfonds suchen. Das notwendige steuerliche Berichtswesen kann von fast allen Administratoren vorbereitet und von Steuerberatungsgesellschaften durchgeführt werden – die Entstehung eines breit diversifizierten Anlageuniversum aus steuerlich transparenten Hedge-Fonds hat begonnen.
Diese so wichtigen Fortschritte finden während einer schwierigen Phase in der Hedge-Fonds-Industrie statt. Die Performance von Hedge-Fonds-Indizes ist während der vergangenen zwei Jahre hinter den Erwartungen zurückgeblieben oder war zu stark mit der Wertentwicklung herkömmlicher Wertpapierklassen korreliert.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Streuung der Performance bringt zum Teil zweistellige Wertentwicklungen.
Die für die Industrie typische breite Streuung der Performance einzelner Fonds, sogar innerhalb derselben Anlagestrategie, ließ Investoren auch im bisherigen Jahresverlauf zweistellige Wertentwicklungen auf niedrigem Risikoniveau erzielen. Dies ist eine besondere Qualität der Hedge-Fonds-Industrie, die Investments für die Anleger auch in Zukunft interessant machen wird.
Zur Identifizierung von Investitionsmöglichkeiten werden Investoren, Hedge-Fonds-Manager und Dachfonds-Manager näher zusammenrücken. Großer Wert wird auf die klare Definition von Anlagezielen einerseits und auf ein besseres Verständnis der Aktivitäten des Managers andererseits gelegt werden. Aufsichtsbehörde und Industrie haben während der vergangenen beiden Jahre gemeinsam Modelle entwickelt, die Investoren und Hedge-Fonds-Managern den Zugang zu einer deutschen Hedge-Fonds-Industrie ermöglichen.
Die Überführung der Hedge-Fonds-Industrie in das einem institutionellen Investor in Deutschland vertraute Rahmenwerk einer Kapitalanlagegesellschaft spielt dabei eine kaum zu überschätzende Rolle und hat bereits die Grundlage für den Start einer Reihe interessanter Produkte in diesem Jahr geschaffen.
Investoren, Verbände und die Aufsichtsbehörde bemühen sich, auch für die letzten offenen Fragen zur Durchführung von Investments praktikable Lösungen zu finden. Am Ende dieses Prozesses steht nicht nur eine signifikante Erweiterung des Anlagespektrums institutioneller Investoren, sondern auch eine nachhaltige Förderung des Finanzplatzes Deutschland.
Christian Benigni ist für die GLG Partners Principal Asset Allocation Group in London tätig.
