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13.03.2008 
Morningstar Fund Awards

Gruppensieger im Portrait: Die Besten der Besten

von Ingo Narat

Die US-Fondsgesellschaft Fidelity gewinnt die Königsklasse der Morningstar Fund Awards 2008 als beste Gesellschaft Deutschlands. Als bestes Aktienhaus zeichnet Morningstar in diesem Jahr erstmals eine Indexfondsgesellschaft aus.

DÜSSELDORF. And the winner is: Fidelity International. Die Schwestergesellschaft des großen US-Fondshauses räumt den begehrtesten Preis ab. Sie schnappt sich den Morningstar Fund Award 2008 für das beste Investmenthaus in allen Vermögensformen, insbesondere Aktien- und Anleiheprodukte. Herausragend sind beispielsweise der deutsche Aktienfonds und der europäische Hochzinsfonds, die in ihren Vergleichsgruppen auf den vorderen Plätzen stehen. Das ist kein Zufallserfolg. Schon im vergangenen Jahr zählte die Gesellschaft zu den Siegern.

Auf den zweiten Blick erscheint der Preis für die beste durchschnittliche Anlageleistung besonders bemerkenswert. Das Premiumprodukt in Europa und Deutschland geriet zeitweise sogar in Schieflage: der milliardenschwere europäische Aktienfonds European Growth Fund. Als Folge davon wurde die Gesellschaft auch von Personalwechseln erschüttert.

Der Chef des europäischen Fondsgeschäftes, Robert Higginbotham, ist erst seit knapp einem Jahr im Amt, der neue Deutschland-Leiter Christian Wrede tritt erst in Kürze seine Stelle an. Die Wogen haben sich längst geglättet, auch wenn der European Growth bis in den vergangenen Herbst hinein viele Milliarden verloren hat.

Anleger gaben ihre Anteile zurück, und die Berater rieten zum Verkauf, weil der Managerwechsel von Graham Clapp zu Alexander Scurlock vor etwas über einem Jahr Unsicherheit erzeugte. Zu dieser Zeit rutschte auch die bis dahin glänzende Wertentwicklung ab.


» Tabelle: Die Ergebnisse der Morningstar Fund Awards 2008



PDFFund Awards: Wie Morningstar rechnet

Doch das ist wohl Schnee von gestern. Der Fonds spielt in den Performance-Hitlisten wieder an der Spitze mit. „Die Probleme sind gelöst, in den letzten Monaten haben die Anleger keine Gelder mehr abgezogen, und bei der Performance sind wir wie früher weit vorne“, freut sich Higginbotham. Der Europachef kann durchatmen – von den derzeitigen Börsenturbulenzen einmal abgesehen. Aber auch hier macht er Mut (» siehe Interview).

Privat ist er ebenfalls offensiv ausgerichtet. „Fast zwei Drittel meines Kapitals stecken in Aktien“, verrät Higginbotham. Ansonsten lässt er keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert das hiesige Geschäft aus seiner Warte hat: „Großbritannien und Deutschland sind für uns die wichtigsten europäischen Märkte.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das beste große Haus für Aktienfonds

Das Kontrastprogramm zum Gesamtgewinner Fidelity präsentiert Barclays Global Investors (iShares) als bestes großes Haus für Aktienfonds. Während die Truppe um Higginbotham das berühmte Alpha jagt, also mehr erwirtschaften will als die Messlatte vor gibt, strebt Barclays genau das Gegenteil an.

„Wir werben nicht mit Performance“, sagt Jennifer Grancio, die erst seit einigen Monaten das Deutschland-Geschäft unter ihren Fittichen hat. Barclays ist weltweit der größte Anbieter von Indexfonds und börsengehandelten Indexfonds, den sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds). Diese Indexfonds gibt es inzwischen nicht nur auf Aktien-Messlatten wie den Dax oder Euro Stoxx 50, sondern auch auf spezielle Sektoren, Anleihen und andere Vermögensformen.

Der Preis für Barclays hat einen gewissen Charme. Er spiegelt die unterdurchschnittliche Leistung vieler aktiver Manager wider, die mit Wetten auf Länder, Branchen oder Einzeltitel den Vergleichsindex schlagen wollen, daran aber oft scheitern. Das ist einer der Gründe für den Run auf ETFs.

Sogar die Kreditkrise beflügelt das Geschäft. Komplexe und kaum durchschaubare Anleiheprodukte sind aus der Mode. Das verleiht Indexprodukten zusätzliche Popularität. „Die sind liquide, transparent, man kann sie jederzeit kaufen und verkaufen“, sagt Grancio. Seit dem Start der Subprime Krise (Subprime = Kredite minderer Bonität) im vergangenen Sommer registriert Grancio „eine Explosion der Handelsvolumina“.

Neue Produkte hat sie ebenfalls in der Pipeline: „Für den Anleihebereich und auch für spezielle Aktienstrategien.“ Barclays ist mit seinem mehr als 40-köpfigen Team gerade erst innerhalb Münchens umgezogen. Die neuen Räumlichkeiten bieten jedoch Platz für 80 Personen. „Für weitere Mitarbeiter, wir haben sehr ambitionierte Wachstumspläne“, offenbart Grancio.

Sie hat keinen Zweifel daran, dass das Indexfondsgeschäft weiter rasant wachsen wird. Davon sind auch unabhängige Beobachter überzeugt. Zu groß ist der Nachholbedarf bei den wichtigen institutionellen Investoren auf diesem Produktfeld gegenüber den Pionierländern wie den USA.

Auch die Privaten dürften mehr Interesse zeigen, da die seit Jahresbeginn geltende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid (zu deutsch: Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente) Banker und Berater zur Offenlegung der Gebühren anhält. Und ETFs sind im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds nun einmal konkurrenzlos billig.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Das beste Aktienhaus mit kleinem Produktangebot

Den Preis für das beste Aktienhaus mit kleinem Produktangebot in Deutschland geht an eine hierzulande gut bekannte US-Adresse: Fred Alger Management, ebenso wie Fidelity bekannt für ihr aktives Management. Als Spezialist für amerikanische Wachstumswerte litt das Aktienhaus während der Börsenbaisse Anfang des Jahrtausends.

Im vergangenen Jahr jedoch probte Alger erfolgreich das Comeback, weil Wachstumstitel plötzlich wieder gefragt waren. Zachary Karabell will sich als Chefökonom des Hauses von den aktuellen Börsenturbulenzen nicht beirren lassen. „Es gibt genug attraktive Anlagechancen in Branchen wie Technologie, Rohstoffe oder Halbleiter“, sagt der Mann aus New York. Karabell sucht beim Wirtschaftsausblick einen gangbaren Mittelweg zwischen übertriebener Hoffnung und düsterer Prognose.

Er verbreitet keinen Optimismus, weil sich die Konjunktur seiner Meinung nach abschwächen wird und die Schätzungen die Unternehmensgewinne belasten werden. Dennoch lehnt er Schwarzmalerei ab. Karabell freut sich eher über die Skepsis vieler Marktteilnehmer: „Das gibt uns Chancen, und man darf nicht vergessen, dass wichtige Weltregionen in China oder im Mittleren Osten boomen, davon profitieren viele Unternehmen.“

Erste Investoren scheinen Hoffnung zu schöpfen. Zumindest spürte Alger im vergangenen Jahr wachsendes Interesse an seinen Produkten aus Europa. Laut Karabell ignorieren allerdings die meisten Anleger weiterhin die Chancen an der Wall Street, obwohl US-Aktien nach dem Dollar-Rutsch optisch sehr günstig sind. „Das Wachstumspotenzial der amerikanischen Firmen wird unterschätzt.“ Und die deutschen Anleger hätten immer noch zu geringe Bestände an US-Titeln.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die besten Anleihenfonds

Auf der Spielwiese für Anleihenfonds unterstreicht Deutschlands größte Investmentgesellschaft ihre Managementqualitäten: die DWS. Erfahrung bringt Erfolg, dafür steht Heinz W. Fesser. Seit über zwei Jahrzehnten arbeitet er für die Fondstochter der Deutschen Bank und steuert bei ihr als zuständiger Geschäftsführer die Anleihe- und Geldmarktprodukte.

Auf die Erfolgsliste kann er gleich eine ganze Reihe von Klassikern setzen: etwa den Inrenta, den Eurorenta oder den Vermögensbildungsfonds R. Auf die Unruhen an den Bondmärkten reagiert der alte Hase recht gelassen. Das gilt sowohl für die abgestürzten Kurse bei Anleihen, die auf schlechten US-Hypothekendarlehen beruhen, als auch für die rasant gesunkenen Marktzinsen, die Käufe von erstklassigen Staatspapieren weniger attraktiv machen.

„Es gibt viele Möglichkeiten für Zusatzerträge“, glaubt Fesser. „Es geht beispielsweise um den gesamten Komplex der Verbriefung von Forderungen, um inflationsgebundene Anleihen oder um das zusätzliche Verkaufen von Optionskontrakten.“ Verbriefungen und damit die sogenannten Asset Backed Securities, bekannt unter dem Kürzel ABS, sind durch die US-Hypothekenkrise als Ganzes in Verruf geraten.

In einigen Segmenten wird praktisch nicht mehr gehandelt. Für Fesser „sind ABS nur wegen des vergleichsweise kleinen Marktes von schlechten US-Hypothekenpapieren in Misskredit geraten – völlig zu Unrecht“. Qualitativ gute Verbriefungen bieten seiner Meinung nach jetzt „lukrative Anlagemöglichkeiten, gerade europäische Papiere“. Fesser hält viele ABS-Titel schlicht für unterbewertet.

Der Mr. Bond der DWS blickt außerdem interessiert auf andere Anleihesegmente, in denen die Risikoaufschläge gegenüber Staatspapieren kräftig gestiegen sind. Europäische Hochzinsanleihen von Unternehmen locken seiner Beobachtung nach mit zweistelligen jährlichen Renditen: „In entsprechenden Indizes findet man viele Titel, die auf Sicht von mehreren Jahren ein vielversprechendes Geschäft sein sollten.“

Wer diese Indizes durchforstet, findet so bekannte Namen wie Fiat, Grohe, Hornbach, TUI und Südzucker. Hier findet Fesser Entlastung für Depots mit Schwerpunkt auf Staatsanleihen: „Durch Beimischungen von Verbriefungen, Unternehmensanleihen oder Schwellenländertiteln kann man das aufpeppen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Investment-Oscar für das beste kleine Anleihehaus

Den Investment-Oscar für das beste kleine Anleihehaus gewinnt ACM Bernstein. Klein ist es allerdings nur gemessen am Fondsangebot in Deutschland. Denn international zählt der Vermögensverwalter ähnlich wie Barclays zu den größten der Anlagebranche. Entstanden ist die Gesellschaft Anfang des Jahrtausends aus der Fusion eines Hauses für Wachstumswerte und eines für den so genannten Value-Ansatz – eine gute Ergänzung.

Der Chef Lewis Sanders brachte das Haus auf internationalen Wachstumskurs über die Heimatgrenzen der USA hinaus. Außerhalb Deutschlands ist die Gesellschaft allerdings als Alliance Bernstein bekannt. „Drei Dinge unterscheiden uns von den Konkurrenten: Research, Research und Research.

Das ist unsere Kernkompetenz“, sagt Georg Kyd-Rebenburg, Leiter des Deutschland-Büros in München. Die Einzeltitelauswahl sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen sieht er als großes Plus des eigenen Hauses. Der gebürtige Österreicher lässt keine Zweifel daran, dass Deutschland für ihn einer der wichtigsten Absatzmärkte in Europa ist und er hier weiterwachsen will. Kyd-Rebenburg kommt bei der Bewertung der aktuellen Finanzmarktlage zu ähnlichen Ergebnissen wie Karabell oder Fesser.

Der ACM-Mann weist Skepsis weit von sich: „So düster ist der Wirtschaftsausblick nicht, dass die Renditeaufschläge gegenüber Staatstiteln bei vielen Anleihen so hoch sein sollten, wie sie derzeit sind.“ Anders gesagt: Risikobonds bieten nach ihren Kursstürzen seiner Meinung zufolge jetzt eher Chancen.

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