Handeln mit dem Wissen der Insider - ganz legal und im Rahmen der strengen Börsengesetze. Welcher Anleger hat davon nicht schon einmal geträumt. Inzwischen gibt es Fonds und Zertifikate die diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.
Es ist der Wendepunkt im Achtzigerjahre-Klassiker "Wall Street": "Kaufen Sie Blue Star Airlines", raunt der von Charlie Sheen gespielte Börsenmakler Bud Fox seinem späteren Mentor Michael Douglas alias Gordon Gekko zu. Mit dem Insidertipp liegt Fox goldrichtig, denn sein Vater arbeitet bei der Fluggesellschaft. Er weiß: Ein anstehender Gerichtsprozess wird zugunsten der Fluggesellschaft entschieden werden. Und die Aktie wird abheben.
Handeln mit dem Wissen der Insider - ganz legal und im Rahmen der strengen Börsengesetze - welcher Anleger hat davon nicht schon einmal geträumt. Doch wer verfügt schon über dieses Wissen?
Seit dem Jahr 2002 eigentlich jeder. Denn per Gesetz sind Top-Manager und deren Angehörige seither auch in Deutschland dazu verpflichtet, ihre privaten Kauf- und Verkaufsorders mit Aktien ihres Unternehmens innerhalb von fünf Tagen offenzulegen -eine in den USA seit langem gängige Praxis. Die Transaktionen können frei und kostenlos verfügbar im Internet abgerufen werden. Die Insideridee überzeugt auch die Entwickler von Finanzprodukten bei den Fondsgesellschaften und Zertifikate-Emittenten. Denn: Niemand kennt ein Unternehmen besser als der Spitzenmanager, der ihm vorsteht. Sie erhöhen ihre Beteiligung, ehe die Kurse steigen, und stoßen sie ab, ehe sie fallen.
Insgesamt drei Fonds und drei Zertifikate, die nach dem Insiderprinzip anlegen, gibt es inzwischen auf dem deutschen Markt - Tendenz steigend, denn: Die verantwortlichen Manager haben großen Erfolg, wie die aktuelle Kursentwicklung der Produkte belegt. Dies ist nicht selbstverständlich, denn nicht jede Insidertransaktion empfiehlt sich zur Nachahmung.
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Erstens ist die Auswahl bei deutschen Transaktionen weitaus geringer als bei den Produkten, die einen europaweiten oder US-Ansatz verfolgen. Rund 400 000 Insidertransaktionen werden jedes Jahr in den USA gemeldet, etwa 4 000 sind es in Deutschland. Zweitens wird die Grundgesamtheit noch einmal eingeschränkt, denn Nebenwerte sind ebenfalls ausgeschlossen. Deren Kurse würden beispielsweise durch den Einstieg eines Großinvestors zu sehr beeinträchtigt. Mindestens genauso problematisch wäre der Ausstieg, der bei den oft marktengen Nebenwerten nicht immer möglich ist. Quintessenz deshalb: In ein 2005 aufgelegtes Insiderzertifikat der Commerzbank
können bis zu neun Dax-Titel gleich gewichtet eingehen. Einmal im Monat erfolgt die Anpassung. Dann werden die drei Werte mit dem zuletzt höchsten Insiderkaufvolumen aufgenommen und die drei ältesten ausgetauscht. "Dass wir nur auf Dax-Werte setzen, hat eindeutig Liquiditätsgründe", sagt Gerrit Weber, Leiter Wertpapiermanagement der Commerzbank
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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bei der Auswahl sollte drei wichtigen Fallstricke aus dem Weg gegangen werden.
Bisher zeigt die Strategie Erfolg: Der Kurs des Zertifikats hat inzwischen deutlich zugelegt. Das gilt auch für das S-Box Insider Index Zertifikat der Deutschen Bank, das kurze Zeit später auf den Markt kam. Das Auswahlsystem des Zertifikats konzentriert sich nicht nur auf Dax-Werte, sondern bildet alle am amtlichen Handel gelisteten deutschen Unternehmen ab, die im abgelaufenen Quartal das höchste Verhältnis von Insiderkäufen zur Marktkapitalisierung hatten. Türöffner waren die beiden Produkte im Zertifikatemarkt allerdings nicht. Dieser Status gebührt der Schweizer Credit Suisse (CS), deren Insider-Strategiezertifikat es bereits seit 2001 gibt und das erst im vergangenen Jahr neu aufgelegt wurde. Wesentlicher Unterschied: Das CS-Produkt bezieht sich auf den US-Insiderhandel, basiert demnach auf Dollar und beinhaltet für europäische Anleger damit das entsprechende Währungsrisiko. Allerdings kann der Kunde eine Variante mit und ohne Währungsabsicherung wählen. Für das Zertifikat spricht, dass es sich in den letzten Jahren sehr gut gegenüber den breiten Indizes S&P 500 und Russell 1000 entwickelt hat. Rein auf den Insiderhandel in den USA beziehen sich auch die drei Fonds, in die Anleger derzeit investieren können.
Mehr zum Thema im akutellen Handelsblatt-Insider-Barometer
Eindeutiger Marktführer ist dabei der VCH Insight, der mittlerweile über fünf Jahre alt ist. Im Ranking der Rating-agentur Standard & Poor's der erfolgreichsten US-Fonds für kleine und mittelgroße Werte, belegte er zuletzt erst Platz eins. Wer in den USA nach Insidertransaktionen sucht, die Indiz für steigende Kurse sein könnten, steht jedoch vor einem Grundproblem: Die Auswahl ist so riesig und unübersichtlich, und die Namen der Gesellschaften sind oftmals nicht einmal Kennern geläufig. Deswegen braucht es mathematische Modelle, um hier den Überblick zu behalten. VCH hat hier das sogenannte Insider Rating System eingeführt.
Drei wichtigen Fallstricken soll dabei aus dem Weg gegangen werden: Zum einen sollen Orders von Personen herausgefiltert werden, die zwar auf dem Papier Insider sind, aber in der Praxis über keine relevanten Informationen verfügen. Des weiteren gibt es Insider, die zwar über relevante Informationen verfügen, diese aber nicht gewinnbringend umsetzen können. Und zuletzt gibt es noch die Gruppe, die zwar die richtigen Informationen besitzt und diese auch richtig einordnen kann, die allerdings durch ihre entgegengesetzte Kauf- oder Verkaufsorder die Öffentlichkeit bewusst täuschen will.
Erst zweieinhalb Jahre alt ist der Quant IQ US LBB-Invest, den die LBB Invest zusammen mit 2IQ Research aufgelegt hat. Aufnahmekriterien sind unter anderem das Volumen der Insidertransaktion, der Börsenwert der Gesellschaft, Forschungs-und Entwicklungsaufwendungen, die hierarchische Position des Insiders selbst, die Branche sowie das grundsätzliche Anlageverhalten der Insider in dieser Gesellschaft. In der Vergangenheit bewegte sich die Rendite etwa auf dem Niveau des breiten Index Russell 2000. Jüngstes Produkt am Markt ist der BN & Partner US Insight UI. Er wurde im April vergangenen Jahres aufgelegt und seither von Volker Dietrich gemanagt. Der war bis dato für den VCH-Fonds verantwortlich. Bei der Suche nach geeigneten Werten aus dem riesigen Universum der US-Nebenwerte stützt er sich auf eine ebenfalls riesige hauseigene Datenbank. Dort sind rund 170 000 Namen von amerikanischen Unternehmensinsidern gespeichert. In vielen Fällen reicht ein Blick dort, um bereits einen ersten Eindruck zu bekommen, ob es sich lohnt, der Orders eines Insiders eine eigene Order folgen zu lassen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie Privatanleger Insidern auf die Finger schauen können.
Legal spionieren
BaFin: Nach Paragraf 15a des Wertpapierhandelsgesetzes sind in Deutschland die Transaktionen von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern sowie ihrer Angehörigen mit Aktien der eigenen Gesellschaft veröffentlichungspflichtig. Sie werden direkt der Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet, die sie auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Die Anleger können auf der Seite der BaFin » www.bafin.de/database/p15a_info/ unter Angabe von Unternehmensnamen, ISINs oder dem Namen von Vorständen alle meldepflichtigen Transaktionen abrufen.
Private Seiten: Auf der privat betriebenen Internetseite » www.insiderdaten.de sammelt ein Datenanbieter alle meldepflichtigen Transaktionen - allerdings ohne Gewähr. Einfache Abfragen sind kostenlos. Praktisch: Die Seite listet auch die volumenstärksten Käufe und Verkäufe der letzten Wochen.
US-Insider: Über Insidertransaktionen in den Vereinigten Staaten informiert die Börsenaufsicht SEC (» www.sec.gov/answers/form345.htm) und auch Seiten wie Yahoo unter http: //finance.yahoo.com/ nach Eingabe des Tickersymbols.
Quelle: New Investor
