89 Bewertungen ****
07.11.2008 
Hohe Verluste und Mittelabflüsse

Krise der Hedge-Fonds wird immer bedrohlicher

von Michael Maisch

Die spekulativen Hedge-Fonds stecken in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Drei von vier Fonds haben ihren Anlegern 2008 Verluste beschert. Und die Probleme werden schnell größer. Selbst das Aushängeschild der Branche, die britische Man Group kommt unter die Räder.

Die Krise an den Finanzmärkten kostet Nerven und viel Geld. Besonders hart erwischt es die Hedge-Fonds. Branchenexperten erwarten ein Massensterben der spekulativen Fonds. Foto: apLupe

Die Krise an den Finanzmärkten kostet Nerven und viel Geld. Besonders hart erwischt es die Hedge-Fonds. Branchenexperten erwarten ein Massensterben der spekulativen Fonds. Foto: ap

LONDON.Die Krise der Hedge-Fonds nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Längst treffen die Verwerfungen an den Kapitalmärkten nicht mehr nur junge oder kleine Fonds, auch die Flaggschiffe der einst boomenden Branche sind in stürmisches Fahrwasser geraten. Gestern brach die Aktie des weltgrößten börsennotierten Hedge-Fonds Man Group nach einem schwächer als erwarteten Halbjahresergebnis um 30 Prozent ein. Das Londoner Brokerhaus Exodus, sprach von einem "schockierenden Ereignis".

Man-Vorstandschef Peter Clarke musste den Investoren einen deutlichen Gewinnrückgang eingestehen. Außerdem sank das verwaltete Vermögen stärker als noch vor wenigen Wochen angekündigt. Der Kurssturz, der auf die Nachricht folgte, war der größte in der Geschichte des Unternehmens. Clarke machte die "schlimmste Finanzkrise seit Generationen" und die "halsbrecherischen Kursschwankungen" an den weltweiten Wertpapiermärkten für das stärker als erwartet eingebrochene Ergebnis verantwortlich.

"Größe oder bekannte Marken schützen längst nicht mehr vor Verlusten", warnt ein Londoner Hedge-Fonds-Manager. Experten befürchten, dass insgesamt jeder dritte Fonds die Krise nicht überstehen wird. Folge der Verwerfungen könnte eine weitere Welle von Notverkäufen an den Wertpapiermärkten sein. Bereits im Oktober trugen Hedge-Fonds, die ihre Positionen liquidieren mussten, zum Kursrutsch an den Weltbörsen bei.

Nach Informationen der Fachzeitschrift "Financial News" haben drei Viertel der hundert größten Hedge-Fonds ihren Anlegern 2008 Verluste beschert. So verlor der prominente Fonds Highbridge Capital rund 14 Prozent an Wert. Highbridge gehört zur US-Großbank JP Morgan, dem weltgrößten Betreiber von Hedge-Fonds. Ein neuer Fonds des Konkurrenten Goldman Sachs geriet ebenfalls unter die Räder. Der im Januar 2008 aufgelegte Hedge-Fonds Goldman Sachs Investment Partners hat seither Finanzkreisen zufolge rund 16 Prozent an Wert verloren.

Die Liste der Fondsmanager, die ihren Investoren Verluste melden müssen, ließe sich fast endlos fortsetzen. Auch Chris Hohn, der Chef des britischen Hedge-Fonds TCI, der für viel Wirbel im Management der Deutsche Börse sorgt, hat mit seinem Fonds seit Jahresbeginn ein Minus von mehr als 25 Prozent eingefahren. Der größte Fonds der Hedge-Fonds-Gruppe Citadel, eine der bekanntesten Adressen in der Branche, hat in diesem Jahr 30 Prozent an Wert verloren, und Gründer Kenneth Griffin musste sich gegen Gerüchte über eine Schieflage wehren.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

weiter Thema: Indexfonds

Der unheimliche Aufschwung der Bric-Staaten  Artikel in Merkliste

31.05.2009

Die Börsen vieler Schwellenländer haben sich zuletzt deutlich erholt. Nach dem Absturz im vergangenen Jahr legte der MSCI Emerging Market-Index in den letzten drei Monaten rund 25 Prozent zu. Experten warnen aber vor einem zu frühen Einstieg in die Bric-Staaten, zu unheimlich ist der Aufschwung. Artikel


Anzeige