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03.12.2005 
Strukturierte Finanzprodukte erweitern den Handlungsspielraum der Hedge-Fonds

Manager ersetzen Leerverkäufe durch Derivate

von Kevin Ferro

Derivate sind mittlerweile weit verbreitet in Bereichen, in denen traditionelle Investment-Instrumente die Marktnachfrage nicht erfüllen können.

HB NEW YORK. Insbesondere der Leerverkauf, das so genannte Short Selling, ist ein solcher Bereich. Dabei leiht sich ein Investor Aktien, die er für überbewertet hält, und verkauft sie an der Börse zum aktuellen Marktpreis. Fällt der Kurs der Aktie, kauft der Investor das Papier zum niedrigeren Preis am Markt und gibt es dem Verleiher zurück. Dem Short Selling sind klare Grenzen gesetzt. Über Derivate lassen sich diese Grenzen aber überwinden.

So kann die Nachfrage nach zum Leerverkauf angebotenen Papieren das Angebot übersteigen, insbesondere wenn Kapitalisierung, Liquidität und Float niedrig sind. Und gerade in Schwellenländern gestaltet sich das Short Selling aus regulatorischen Gründen bisweilen schwierig. Andererseits gibt es eine Reihe von Wegen, um Short-Positionen über Derivate zu replizieren. Beispielsweise können über viele Anlagenklassen hinweg Derivate wie Optionen und Futures genutzt werden, um ähnliche Auszahlungsprofile zu schaffen wie beim Leerverkauf. 
Die Nutzung von Derivaten in der Long/Short-Anlagestrategie ist meistens verbunden mit dem Bestreben, das allgemeine Markt- oder Sektorrisiko zu verringern. Beispielsweise kann ein Hedge-Fonds eine Short-Position in Marktindex-Futures eingehen, um sein Marktrisiko (long exposure) zu verringern. Auch kann ein Hedge-Fonds-Manager eine Put-Option (Option mit dem Recht, eine Aktie in der Zukunft zu einem bestimmten Preis verkaufen zu können) erwerben, anstatt die betreffende Aktie leer verkaufen zu müssen. In diesem Fall würde der Hedge-Fonds seinen möglichen Verlust auf die Prämie begrenzen, die er für die Verkaufsoption bezahlt hat. Die Gefahr eines viel größeren Verlustes für den Fall, dass die leer verkaufte Aktie unerwartet im Preis steigt, wird dadurch vermieden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Derivate können auch im Rahmen anderer Strategien genutzt werden.

Und Derivate können auch im Rahmen anderer Strategien genutzt werden. Will etwa ein Hedge-Fonds-Manager, der die Fixed-Income-Arbitrage-Strategie verfolgt, eine aus seiner Sicht überbewertete Unternehmensanleihe leer verkaufen, so könnte er in ein Kreditderivat investieren, dessen Wert steigen wird, sobald sich die Zinsspanne zwischen der hochverzinslichen Anleihe und der US-Staatsanleihe vergrößert.

Ein anderer Fall: Ein Manager hält ein bestimmtes Wertpapier für überbewertet, kann es aber nicht leer verkaufen. Dann hätte er die Möglichkeit, in so genannte Credit-Default-Swaps (CDS), die einen Großteil des Gesamtmarktes an Kreditderivaten ausmachen, oder auch in „deep-out-of-the-money equity-puts“ zu investieren, um sein „Short bond exposure“ künstlich zu kreieren. 
Richtig angewendet, sind Derivaten ein starkes Instrument, um innerhalb von Investmentprogrammen unkorrelierte Renditen zu erzielen und Risiken im Portfolio zu senken. Zudem eröffnet sich durch den Einsatz von Derivaten ein erweitertes Handlungsspektrum. Es gibt allerdings eine Reihe von Long/Short-Hedge-Fonds, die sich in die „Long-only-Arena“ begeben. Als Hauptgrund für den Einstieg in dieses Geschäftsfeld nennen sie, dass sie wegen eines Mangels an Investitionsmöglichkeiten auf der Short-Seite nur begrenzte Möglichkeiten haben, ihre Long-Short- Fonds zu vergrößern. Vermutlich gibt es aber entscheidendere Beweggründe dafür, dass die Akteure neben dem Long/Short- auch das Long-only-Segment erschließen wollen. Wesentlicher Treiber für diesen Wunsch dürfte sein, dass sich im Feld des institutionellen Long-only-Geld-Managements größere Vermögensvolumina verwalten lassen.

Kevin Ferro ist CEO und CIO von Ferro Capital LLC in New York.

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