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01.04.2008 
Staatsfonds

Neue Macht aus dem Osten

von Michael Maisch

Der Einfluss von Staatsfonds wächst rasant. Bis 2015 soll sich ihr Vermögen verdreifachen, prognostiziert eine neue Studie. Während westliche Politiker sich vor Einflussnahme fürchten, setzen manche Ökonomen echte Hoffnungen in die ungewöhnlichen Investoren.

Länder wie die Arabischen Emirate, hier eine Moschee in Abu Dhabi, gewinnen aufgrund ihrer Rohstoffe massiv ein Einfluss. Foto: ReutersLupe

Länder wie die Arabischen Emirate, hier eine Moschee in Abu Dhabi, gewinnen aufgrund ihrer Rohstoffe massiv ein Einfluss. Foto: Reuters

LONDON. Die derzeit heftig umstrittenen staatlichen Investmentfonds werden ihren Einfluss auf die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren weiter massiv ausbauen, wenn man einer neuen Studie britischer Forscher glauben darf. Im vergangenen Jahr wuchs das Vermögen sogenannter Sovereign Wealth Funds (SWFs) den Daten des Londoner International Financial Services Instituts zufolge um 18 Prozent auf den neuen Höchststand von 3,3 Bill. Dollar. Bis 2010 soll diese Summe auf fünf Bill. Dollar steigen und bis 2015 auf zehn Bill. Dollar.

Die neue Studie dürfte die Diskussion um die wachsende Macht der Staatsfonds vor allem aus den Emerging Markets, weiter anheizen. Angeheizt durch die Explosion der Rohstoffpreise in den vergangenen Jahren ist die finanzielle Macht der staatlichen Investmentfonds, die öffentliche Gelder von Ländern wie Russland oder aus der Golfregion und Südostasien verwalten, rasant gewachsen (siehe Tabelle). In vielen westlichen Industriestaaten hat diese Entwicklung Sorgen geschürt, dass die Fonds ihren wachsenden wirtschaftlichen Einfluss politisch missbrauchen könnten, und dass strategisch wichtige Konzerne in ausländische Hand fallen werden. Auch Deutschland will deshalb eine Reihe von Schlüsselindustrien unter einen besonderen Schutz stellen.


Tabelle  Infografik: Top 10 der Staatsfonds


Gestern fand in London ein Treffen wichtiger Staatsfonds mit Vertretern der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) des Internationalen Währungsfonds und privater Banken statt. Ziel der von der City of London organisierten Konferenz war es, mehr Vertrauen zwischen den Beteiligten zu schaffen und potenzielle Konflikte zu entschärfen. „Sovereign Wealth Funds“ haben in einigen Teilen der Welt eine unnötige Kontroverse ausgelöst, hinter der unbegründete Ängsten und teilweise blanke Ignoranz steckt“, meint Michael Snyder, führender Manager der City of London. Snyder und seine Kollegen haben die staatlich gelenkten Fonds als wichtigen Standortfaktor für den Finanzplatz London identifiziert und hoffen, dass die größten Fonds ihr Europa-Hauptquartier an der Themse aufschlagen werden. Aber nicht alle teilen Snyders uneingeschränkten Optimismus.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wirtschaftliche oder politische Interessen?

„Ich glaube, dass es ein großer Fehler ist, alle Staatsfonds über einen Kamm zu scheren“, betont ein Londoner Investmentbanker. Das Misstrauen westlicher Politiker richte sich vor allem gegen einige wenige mächtige Länder wie China oder Russland mit umstrittenen politischen Regimen, und dieses Unbehagen werde sich nicht leicht zerstreuen lassen. Dagegen glaubt Snyder, „dass sich unter den richtigen Bedingungen das Engagement der Staatsfonds nicht nur für alle beteiligten Länder sondern für die Weltwirtschaft insgesamt auszahlen wird“.

Um den drohenden Konflikt zu entschärfen, haben die führenden Industrienationen den Internationalen Währungsfonds (IWF) beauftragt, in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Staatsfondsländern Verhaltensregeln für die Sovereign Wealth Funds zu erarbeiten. Die geplanten Statuten sollen sicherstellen, dass die Fonds ihre Investitionen unabhängig von der jeweiligen Regierung tätigen. In einem vor kurzem veröffentlichen Arbeitspapier, schreibt der IWF, „die Vereinbarungen zur Führung sollten die Unabhängigkeit der SWFs bei ihren Investitionsentscheidungen vorsehen, sowohl im operativen und fachlichen wie auch im politischen Sinne“.

Gleichzeitig kommt der IWF aber zu dem Schluss, dass die staatlichen oder staatlich kontrollierten Fonds sich bislang von geschäftlichen und nicht von politischen Interessen hätten leiten lassen. Nach der Mitte April anstehenden Frühjahrstagung des Währungsfonds soll eine Arbeitsgruppe Verhandlungen mit den Staatsfondsländern aufnehmen und Vorschläge für einen Verhaltenskodex entwickeln, der dann auf der Herbsttagung des Fonds im Oktober verabschiedet werden könnte.

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