Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim will mit dem Erwerb eines weiteren Investmenthauses ihre Expansion fortsetzen und die Rentabilität erhöhen.
FRANKFURT. Detlef Bierbaum ist auf der Suche. Der Mitinhaber der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim plant den Kauf eines weiteren Fondshauses. „Alles unterhalb von zwei Milliarden Euro bei Publikumsfonds kommt theoretisch in Frage“, sagt er in einem Handelsblatt-Gespräch. In dieser Größenordnung könnten Vermögen nicht betriebswirtschaftlich sinnvoll verwaltet werden. Aus Sicht von Oppenheim sind derartige Deals „wegen des Zuwachses an Vermögen und des Zugangs zu neuen Vertriebswegen sinnvoll“.
Oppenheim Asset Management führt mit 38 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen die Liste der mittelgroßen deutschen Anlagehäuser an. Im Publikumsfondssegment betreut das Haus zwölf Mrd. Euro, plant für 2006 Nettozuflüsse von 1,7 Mrd. Euro. „Wir wollen hier auf 14,5 Mrd. Euro Vermögen kommen, bei den gesamten Geldern auf 45 Milliarden“, sagt Bierbaum mit Blick auf das laufende Jahr.
Oppenheim hatte vor etwas mehr als einem Jahr die Frankfurt-Trust der BHF-Bank übernommen und damit auch deren Fondsgesellschaft Frankfurt Trust. Die Marke wird als eigenständige Einheit weitergeführt. Der Konsolidierungstrend in der Branche ist nicht auf Deutschland beschränkt, sondern Teil einer umfassenden globalen Entwicklung.
Auf der Liste theoretischer Kaufkandidaten unterhalb einer Größe von zwei Mrd. Euro (siehe „Übersicht über kleine Häuser“ nach Angaben des Fondsverbandes BVI) finden sich Namen wie beispielsweise Maintrust und Veritas. Manche der Häuser verwalten Einzelfonds, die ebenfalls unterhalb der rentablen Schwelle liegen. „Ein Portfolio mit weniger als zehn Mill. Euro ist weder für die Gesellschaft noch für den Anleger sinnvoll“, sagt Bierbaum.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Rentabilitätsfragen sind wichtig. Ein Plus an Vermögen würde die Fixkosten senken.“
Potenzielle Gesprächspartner sollen nicht verschreckt werden. „Wir haben am Luxemburger Standort etwa 90 Fonds, von denen rund 30 ganz oder teilweise von anderen Adressen gemanagt werden – unter dem Namen des Partners“, sagt Bierbaum. Dieses Modell sei auch für sehr kleine Fonds geeignet. „Ein solches Haus müsste uns aber überzeugen, dass es in absehbarer Zeit einen zu kleinen Fonds in eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Größenordnung bringen kann.“ Eine Alternative sei die Anlehnung der Portfoliostruktur des Fremdfonds an die eines bereits von Oppenheim betreuten Fonds.
Nach der Übernahme der BHF-Bank hatte Oppenheim in der jüngeren Vergangenheit Interesse an Investmenthäusern gezeigt. Doch die Pläne konnten aus unterschiedlichsten Gründen nicht realisiert werden. Derzeit hält Oppenheim noch eine kleine Beteiligung an der Investmentgesellschaft der Axa und ist als Depotbank der von ihr mitgegründeten Monega aktiv.
Branchenexperten stehen einer weiteren Expansion positiv gegenüber. „Rentabilitätsfragen sind wichtig. Ein Plus an Vermögen würde die Fixkosten senken“, sagt Jens Kleine, Professor für Finanzdienstleistungen an der Steinbeis-Hochschule in Berlin und Unternehmensberater. Matthias Koss, Geschäftsführer der Beratungsfirma Fonds Advice, denkt ebenfalls in Kostendimensionen: „Für das Risikomanagement braucht eine Anlagegesellschaft heute teure Technologie, umso mehr, wenn sie zusätzlich die neuen Einsatzmöglichkeiten von Derivaten ausschöpfen will.“ Kleine sieht Oppenheim auch beim Timing in guter Position: „Jetzt wäre ein guter Kaufzeitpunkt, weil Höchstpreise aus Verkäufersicht wohl nicht erzielbar sind.“
