Die Bundesregierung stockt die Zulagen für die Riester-Rente auf. Junge Familien und junge Menschen unter 21 werden bei der staatlich unterstützten privaten Altersrente von 2008 an stärker gefördert werden.
DÜSSELDORF. Eltern von Kindern, die nach 2008 geboren werden, erhalten eine Kinderzulage von 300 Euro im Jahr. Junge Erwachsene unter 21 bekommen einen Bonus von einmalig 100 Euro, wenn sie einen Riester-Vertrag unterschreiben. Außerdem steigen 2008 die staatlichen Zulagen für die Riester-Rente deutlich. "Wir wollen ein Signal setzen, dass die Altersvorsorge kein Thema der zweiten Lebenshälfte ist", begründet ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums die neuen Förderbonbons für Junge. Als Vorbild diene dabei der Bewusstseinswandel bei Berufstätigen durch die wachsende Nachfrage nach der Riester-Rente, sagt er mit Verweis auf die inzwischen gut neun Millionen Riester-Verträge.
Die Riester-Rente war vor sechs Jahren eingeführt worden, um die wachsenden Lücken der gesetzlichen Rente kompensieren zu können. Zunächst stieß die Riester-Rente auf geringe Resonanz, weil sie als äußerst bürokratisch empfunden wurde und für Banken, Versicherungen und Finanzvertriebe weniger lukrativ als herkömmliche Produkte war. Nach ihrer Einführung vor sechs Jahren war die als zu bürokratisch geltende Riester-Rente zunächst auf geringe Resonanz gestoßen.Nach Vereinfachung der Anträge auf die staatlichen Zulagen und eine attraktivere Provisionsregelung für Finanzvertriebe vor gut zwei Jahren hat das "Riestern" einen Aufschwung erlebt. Für dieses Jahr erwartet Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, dass der zehnmillionste Vertrag unterschrieben wird.
Seine neue Riester-Förderung erhält fast uneingeschränktes Lob: "Es ist gut, dass die Menschen so früh wie möglich für die notwendige private Altersvorsorge sensibilisiert werden", sagt ein Sprecher des Finanzvermittlers MLP. Auch Bernd Katzenstein vom bankennahen Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) sieht darin einen "richtigen Anreiz für Junge, sich vor der Armutsfalle zu schützen." Verbraucherschützer loben vor allem die verbesserte Familienförderung, halten es allerdings für unrealistisch, unter 21-Jährige zum Riestern zu motivieren.
"Für junge Familien wird das Riestern noch einmal attraktiver", lobt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Hingegen ergäben die 100 Euro Belohnung für viele junge Menschen keinen Sinn, da etwa Auszubildende "noch kein Geld für die Altersvorsorge übrig haben", wendet Thomas Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) ein. "Junge Leute sollten mit dem Riestern beginnen, wenn sie ihren ersten sicheren Job gefunden haben", rät er. Generell lohne sich das Riestern für "jeden Berechtigten allein wegen der Zulagen und der Steuervorteile", sagt Bieler.
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Am Riester-Konzept kritisiert man in der Finanzbranche inzwischen nur noch Details: "Das Riestern muss flexibler werden", sagt DIA Katzenstein. -Vertreter Wer heute seinen Vertrag eine Weile ruhen lässt, versäumt die Zulagen und spart in dieser Zeit auch kein Kapital an. Dies sollte man laut DIA nachträglich einzahlen dürfen. "Die Sozialpolitik muss weg von dem Bild eines stetigen Lebenslaufes. Das Leben der Menschen ist heute weniger planbar als früher", sagt Katzenstein.
Doch welchen Vertrag sollten Sparer abschließen? Inzwischen gibt es eine Fülle von Angeboten. Und sehr verschiedene Produktvarianten. Die Versicherer verkaufen "klassische Produkte", die der Lebensversicherung ähneln, daneben auch "fondsgebundene" Varianten, bei denen das Spargeld in einen Fonds gezahlt wird. Die Fondsgesellschaften selbst bieten aber auch eigene Riesterprodukte an, außerdem gibt es noch spezielle Banksparpläne für diesen Bereich. Für die Versicherungsprodukte gibt es ein Rating des Researchunternehmens Franke und Bornberg (ein weiteres für Fondsprodukte ist noch in Arbeit). Es ist zu finden unter » www.franke-bornberg.de. Die Bestnote dort ist ein FFF. Die Einstufung richtet sich im Wesentlichen nach der Vertragsgestaltung, ausschlaggebend ist vor allem, wie flexibel die Produkte aus Sicht des Kunden sind. Das Rating bewertet also nicht den zu erwartenden Ertrag.
Daneben gibt es (nicht auf der Webseite) für die klassischen Versicherungsprodukte einen Vergleich der garantierten Mindestrenten. Hierbei schneidet unter den mit FFF benoteten Angeboten vor allem die Axa
sehr gut ab, daneben gibt es relativ hohe Garantien aber auch von der Hannoverschen Lebensversicherung, der Debeka, der Cosmos, der Asstel und der PB Lebensversicherung.
Zu beachten ist allerdings: Die Garantie sagt nur, wie viel der Kunde im schlechtesten Fall mindestens bekommt. Fast immer sind die Auszahlungen höher. Deswegen garantiert eine hohe Garantie keinesfalls eine tatsächlich relativ hohe Auszahlung. Daneben gibt es eine Aufstellung darüber, wie viel der Kunde bei den fondsgebundenen Produkten (die keine Garantie haben) herausbekommen kann. Sie sagt nichts aus über die Rendite der Fonds, sondern über die Kosten des Versicherers - also darüber wie viel von der Fondsrendite beim Kunden ankommt. Ergänzend sollten sich Kunden immer noch die bisherige Wertentwicklung des Fonds anschauen. Bei diesem Kostenvergleich schneiden wiederum die Axa
und die Arag recht gut ab.
Dass ein Riester-Vertrag der dringend notwendigen privaten Altersvorsorge dient, scheint inzwischen bei den Menschen anzukommen: Immerhin hat bereits fast ein Drittel der Berechtigten - rentenversicherungspflichtige Angestellte, Beamte und Hausfrauen - eine Riester-Rentenversicherung, einen Riester-Fonds- oder-Banksparplan abgeschlossen. Allerdings fehlt es nach Erfahrung Bielers oft noch am Bewusstsein, dass ein Riester-Vertrag nur ein Baustein der Versorgung im Alter sein kann. "Viele glauben, mit einem Riester-Vertrag aus dem Schneider zu sein", sagt er.
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Nach Berechnungen von Versicherern bringt eine klassische Riester-Rentenversicherung einem heute 35-jährigen Durchschnittsverdiener mit 30 000 Euro Jahreseinkommen, der stets die maximal geförderte Summe einzahlt, eine zusätzliche, sichere Rente von bis zu vierhundert Euro im Monat. Ihm bleibt zwar die Option auf eine Überschussbeteiligung, und bei Fondssparplänen besteht die Chance auf höhere Renditen. Dennoch dürfte ein Riester-Vertrag allein die Rentenlücke nicht stopfen können, zumal die gesetzliche Rente eines heute 35-Jährigen Schätzungen zufolge auf gut die Hälfte des aktuellen Einkommens sinken wird und er auch die Riester-Rente voll versteuern muss.
Viele Riester-Sparer können aber noch etwas für ihre Rente tun: Heute versäumen zahlreiche Vertragsinhaber, ihre staatlichen Zulagen zu beantragen. Wie einer der großen Anbieter von Riester-Versicherungen, die Allianz, ermittelte, gilt das für mehr als ein Zehntel ihrer Riester-Kunden. Dies kostet die Sparer Hunderte von Euro im Jahr. Außerdem prüft das Finanzamt ohne Zulagenantrag auch nicht, ob Zulagen oder Steuervorteil günstiger für den Vertragsinhaber ist. Bis Ende 2007 kann man noch die Zulagen für 2005 beantragen.
Zum Schluss noch einmal die wichtigsten Punkte in Kürze: Die Riester-Rente fördert das private Sparen für eine Zusatzrente im Alter über Zulagen und einen Steuervorteil. Förderung von 2008 an bekommt jeder, der in eine Rentenversicherung, einen Fonds- oder Banksparplan einzahlt, Zulagen bis zu 154 Euro, für jedes Kind 185 Euro. Bislang sind es 114 beziehungsweise 138 Euro. Die Zulage für Kinder, die ab 2008 geboren werden, beträgt 300 Euro. Eine Sonder-Zulage von 300 Euro erhalten Eltern für Kinder, die ab 2008 geboren werden.
Junge Menschen unter 21 Jahren bekommen zudem einmalig 100 Euro, wenn sie einen Vertrag abschließen. Außerdem kann man für Sparraten ab 2008 bis zu 2100 (bislang: 1575) Euro minus Zulagen von der Steuer absetzen. Im Rentenalter werden die Auszahlungen versteuert. Riester-Verträge garantieren den Kapitalerhalt und werden als Rente ausgezahlt. Sie beinhalten ab dem Alter von 85 Jahren generell eine Leibrente. 30 Prozent des Kapitals kann man sich bei Rentenbeginn auszahlen lassen. Der Sparer verschiebt die Besteuerung und hofft, dass seine Steuerlast im Alter geringer ist. Zudem bekommt er Zulagen geschenkt.
