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27.04.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 17:40 Uhr 

Viel heiße Luft, aber keinerlei Belege: Das erinnert an das Jahr 2006, als an steigenden Kursen interessierte Börsianer und Investmentbanker immer wieder kolportierten, Finanzinvestoren wollten ganze Dax-Konzerne kaufen. Außer einer kleinen Beteiligung von Blackstone an der Deutschen Telekom ist daraus nichts geworden. Ebenso ist, allen Unkenrufen aus der Politik zum Trotz, in den vergangenen Monaten kein gewichtiger deutscher Industriekonzern in die Fänge von Staatsfonds geraten. Keine Kursspekulation hat sich erfüllt. Anleger sollten deshalb auf der Hut sein – und echten oder vermeintlichen Engagements der Staatsfonds nicht hinterherlaufen.

Die Fonds verfolgen ohnehin andere Ziele als Privatanleger, sie sichern sich andere Konditionen – und ihre Manager müssen offensichtlich noch einiges lernen. China hatte nicht nur bei Blackstone auf das falsche Pferd gesetzt. Ihren geplanten Milliarden-Einsatz bei Bear Stearns musste die von Peking kontrollierte Citic Securities vor Monatsfrist gar kleinlaut canceln. Von einem vermeintlichen Schnäppchen hatte sich das US-Brokerhaus zum Pleitekandidaten entwickelt, der Anfang März von der US-Notenbank Fed und der US-Bank JP Morgan in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gerettet werden musste. Und mit seinem Fünf-Milliarden-Engagement bei der US-Bank Morgan Stanley lieg Jesse Wang bisher mehr als zehn Prozent hinten.

Den günstigsten Einstiegszeitpunkt an der Börse zu erwischen, ist Glücksache, auch für milliardenschwere Fonds. Die sehr diskret operierende Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), die Ende November 7,5 Milliarden Dollar in eine Fünf-Prozent-Beteiligung an der Citigroup steckte, verlor bisher mehr als 30 Prozent. Auch die Kuwait Investment Authority (KIA) hat bisher mit ihren Engagements bei Merrill Lynch und Citigroup kein glückliches Händchen bewiesen.

Bei den Chinesen führen Misserfolge im Ausland und drängende Probleme zu Hause dazu, dass manche Milliarde jetzt doch wieder auf dem Heimatmarkt investiert wird. Nachdem die Aktienkurse in Shanghai seit Jahresbeginn um ein Drittel eingebrochen sind, gilt es, die chinesischen Banken und Börsen zu stützen. Knapp zwei Drittel der CIC-Fondssumme von 200 Milliarden Dollar verteilt Wang deshalb auf fünf chinesische Großbanken. Insgesamt nur rund ein Drittel oder 70 Milliarden Dollar der Fondssumme wollen die Chinesen im Ausland investieren. Dafür bekäme man etwa den Bayer-Konzern.

Beruhigend für aufgescheuchte Politiker, die eine Eroberung heimischer Schlüsselindustrien fürchten: Die Staatsfonds scheuen Totalübernahmen. „Wir besitzen nicht gern 100 Prozent von irgendetwas“, sagt Bader al-Saad aus Kuwait. Aus einfachem Grund: Der Chef der KIA hat, obwohl als ältester Staatsfonds bereits 1953 gegründet, nicht genügend erfahrene Mitarbeiter, um Groß- oder Komplett-Engagements zu steuern. Die gesamte Region am Golf sei „sehr arm an Talenten“, soll er westlichen Gesprächspartnern gestanden haben. Er selbst hat als Devisenhändler Ausbildungsstationen in New York und Chicago absolviert, bevor ein Mitglied der Herrscherfamilie ihn aus seinem Job bei einer Kuwaiter Investmentbank an die Spitze des Staatsfonds holte.

Mangelndes Know-how ist für die arabischen ebenso wie für die chinesischen Staatsfonds ein generelles Problem. Die Manager des 40 Milliarden Dollar schweren Staatsfonds aus Katar gelten bei ihren Profi-Kollegen in der Londoner City als Amateure, nachdem sie vergangenes Jahr nach monatelangem Gefeilsche die Verhandlungen zur Übernahme der britischen Handelskette Sainsbury platzen ließen.

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