Hedgefonds-Manager lieben sie, deutsche Politiker dagegen bereiten Abwehrmaßnahmen gegen die Investoren aus dem Nahen und Fernen Osten vor. Die bemühen sich wacker, Ängste zu zerstreuen. In Dubai werden neugierige Fragesteller aus Europa an Sylvain Denis verwiesen. Der Brite hat es zum Chef des Private-Equity-Geschäfts der Dubai International Capital (DIC) gebracht und betont eilig, die Araber „seien ein ganz gewöhnlicher, auf Vermögenserhalt und Gewinnsteigerung“ bedachter Investor ohne sonstige Interessen, schon gar nicht politischer Natur. DIC hat ein Portfolio mit Anteilen an bekannten Unternehmen wie Sony, HSBC und EADS aufgebaut. Kuwaits KIA ist schon seit 1974 an Daimler beteiligt, ging durch alle Höhen und Tiefen und machte den Top-Managern in Stuttgart niemals Ärger.
Die mussten allerdings immer wieder kleine menschliche Sonderwünsche der Scheichs erfüllen, die gern als Erste auf dem Globus neu entwickelte Exemplare der Mercedes-Luxusklasse fahren wollten. „Ich kann für meinen Teil sagen, dass wir nur beste Erfahrungen mit dem Engagement der Kuwaitis bei uns gemacht haben“, beruhigt Daimler-Chef Dieter Zetsche.
Richtig ernst aber machen die Staatsfonds in der Finanzindustrie. China will aktuell mit der Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers ein Vier-Milliarden-Dollar-Paket schnüren, um weiter „in die US-Finanzindustrie zu investieren“. Katar möchte seine Beteiligungen im westlichen Bankensektor auf bis zu 15 Milliarden Dollar ausbauen. Die erneute, zur Zeichnung anstehende milliardenschwere Kapitalerhöhung der krisengeschüttelten UBS wird der neue Großaktionär Singapur möglicherweise mittragen. In Finanzkreisen wird von einer engen Zusammenarbeit zwischen den von der EU seit der Liechtenstein-Affäre zunehmend unter Druck gesetzten Schweizern und der Steueroase Singapur gemutmaßt, die über finanzielle Engagements gefestigt werden soll.
Auch Chinesen und Araber werden von nichtfinanziellen Motiven getrieben: „Sie investieren dort, wo chinesische Unternehmen expandieren wollen. Der Schwerpunkt liegt zudem auf kommerzielle Auslandsbanken mit einem starken Standbein in Asien, wo die Chinesen eigene Kapitalmarktexpertise entwickeln möchten“, so Huw van Steenis, Analyst bei Morgan Stanley in London. Dubai dagegen lege Wert auf Investments in Börsenbetreiber, die helfen sollen, die Kapitalmärkte und die Vermögensverwaltung am Golf auszubauen. Zudem seien für die Scheichs Großbanken interessant, die mit einer langjährigen Erfahrung in Schwellenländern aufwarten können, wie etwa HSBC.
Stephen Jen, Analyst bei Morgan Stanley, erwartet einen „steigenden Einfluss“ der Staatsfonds in der Finanzindustrie. Das Analystenteam der US-Bank hat eine Rangliste der lukrativsten Ziele aufgestellt. Kriterien: starke Stellung in Asien und in Schwellenländern, moderne Vermögensverwaltung, weltweit operierende Handelsabteilung, offene Aktionärsstruktur. An erster Stelle ist demnach ein weiterer Ausbau von Staatsfondsbeteiligungen an der Credit Suisse wahrscheinlich, dahinter folgt die UBS. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann darf auf Gelder aus dem Morgenland hoffen: Auf Platz 5 findet sich schon das größte deutsche Geldhaus, auf Platz 21 die Deutsche Börse. Uninteressant für Staatsfonds ist laut Studie dagegen beispielsweise die vom Großaktionär Deutsche Post dominierte und auf den Heimatmarkt beschränkte Deutsche Postbank.
Angesehene Kapitalmarktkenner warnen davor, sich abzuschotten. Kapital aus dem Ausland fließe sicher nicht aus „dunklen politischen Motiven ruchloser ausländischer Regierungen“, sagt Investmentlegende Warren Buffett. Nach Ansicht des früheren US-Notenbankchefs Alan Greenspan müssten die USA sogar ein Interesse daran haben, ihre Finanzmärkte für Investitionen ausländischer Staatsfonds offen zu halten: „Meine Vermutung lautet, dass die meiste Kritik an Staatsfonds aus reinem Protektionismus geäußert wird.“
Hochrangige Manager und Funktionäre zeigen ebenfalls wenig Berührungsängste. So ist IOC-Vize Thomas Bach Aufsichtsratschef des von den Kuwaitis beherrschten deutschen Holzmaschinen-Weltmarktführers Weinig. Der ehemalige Sony-Chef Nobuyuki Idei und Ex-BMW-Chef Helmut Panke heuerten Ende 2007 als Berater bei Dubai International Capital an. An Panke interessiert die Araber womöglich nicht nur die Automobil-Expertise: Der 61-Jährige sitzt auch im Verwaltungsrat der kapitalsuchenden UBS.
