+++ Newsblog zur EZB-Sitzung +++
„Die EZB-Weigerung wird zunehmend dogmatisch“

EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid alte Formulierungen. Erst im Herbst will er über Anleihenkäufe diskutieren. Die Entscheidung stößt bei Ökonomen auf Unverständnis.
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Frankfurt/DüsseldorfSo hat die Europäische Zentralbank entschieden:

  • Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.
  • Das Kaufprogramm für Staatsanleihen bleibt bei monatlich 60 Milliarden Euro bis Dezember 2017.
  • Der Einlagezinssatz für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.
  • Die EZB ist weiterhin bereit, das Anleihenkaufprogramm von monatlich 60 Milliarden Euro im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer jederzeit auszuweiten. Analysten hatten erwartet, dass dieser Passus gestrichen wird.

+++„EZB-Rat darf nächste Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen“+++
Für Friedrich Heineman vom ZEW-Institut ist die „wirkt die Weigerung der EZB, ein allmähliches Auslaufen der Wertpapierkäufe auch nur kommunikativ vorzubereiten, zunehmend dogmatisch. Die Kreditversorgung der Unternehmen hat sich spürbar verbessert, der Konjunkturaufschwung in der Euro-Zone gewinnt an Breite und die Kern-Inflationsrate klettert. In diesem Umfeld ist die sehr aggressive Kombination aus Negativzinsen und Wertpapierkäufen geldpolitisch nicht mehr rational.“

Durch ihre Schweigsamkeit zu den Exit-Plänen für Anleihekäufe und Negativzinsen riskiere die EZB zunehmend, dass sie die Märkte nicht mehr rechtzeitig auf die im nächsten Jahr unverzichtbare geldpolitische Wende vorbereiten kann. Der EZB-Rat dürfe daher die nächste Chance für eine Neuausrichtung der Kommunikation in der Sitzung am 7. September nicht ungenutzt verstreichen lassen.

+++Erste Reaktion zu den Äußerungen Draghis+++
Mittlerweile kommen die ersten kritischen Stimmen zur EZB-Entscheidung. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Europäische Zentralbank heute zumindest verbal einen weiteren kleinen Trippelschritt in Richtung Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik gewagt hätte“, betont Michael Kammer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Schließlich sei die Konjunktur im Euro-Raum ist in einer guten Verfassung und die einst gehegten Deflationsbefürchtungen seien längst überwunden. „Eine Änderung der Leitzinsen ist aus heutiger Sicht aber noch bis weit ins nächste Jahr hinein unwahrscheinlich.“

+++Diskussion über Anleihenkäufe erst im Herbst+++
Für die EZB ist auch die Zeit noch nicht reif, um über Änderungen an ihrem Anleihen-Kaufprogramm zu beraten. Die Diskussion darüber solle erst „im Herbst geführt werden“. Der Rat der Notenbank sei sich daher auch darüber einig gewesen, vorerst keine Änderung am Ausblick vorzunehmen. Die EZB müsse "geduldig und beharrlich" vorgehen. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB die Transaktionen ab Januar langsam herunterfährt.

+++Draghi: Haben Veränderung des Anleihekaufprogramms nicht diskutiert+++
Auf die Frage eines Journalisten, ob man Veränderungen im Anleihekaufprogramm besprochen habe, klare Antwort von Draghi: Das haben wir nicht diskutiert.

+++Draghi: Sehr erhebliches Ausmaß an Konjunkturförderung nötig+++
„Ein sehr erhebliches Ausmaß an Konjunkturförderung ist immer noch nötig“, sagte Draghi. Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone müsse sich erst noch in höheren Inflationsdaten niederschlagen. Die Teuerung werde für einige Monate auf dem aktuellen Niveau verharren. Im Juni lag sie im Währungsgebiet lediglich bei 1,3 Prozent. Die EZB strebt aber knapp zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. „Wir müssen beständig sein und geduldig, weil wir noch nicht da sind“.

+++Draghi: Ich kommentiere keine Marktentwicklung+++
Sind Draghis Aussagen nach dem Zinsentscheid vor einem Monat an den Märkten missverstanden worden? So lautete zumindest die Frage eines Journalisten während der Pressekonferenz. Schließlich hatte Draghis Kommentare ein kleines Beben an dem Märkten ausgelöst. Draghis Antwort: Ich kommentiere keine Marktentwicklung.

+++Achterbahnfahrt der Märkte+++
Nach einem wieder starken Euro, der im Vergleich zum US-Dollar plötzlich wieder auf über 1,15 steigt, verliert der deutsche Aktienmarkt 60 Punkte und stabilisiert sich auf der Marke von 12.500 Punkten.

+++Draghi: Notenbank muss Inflation weiter anheizen+++
Die Inflation ist für EZB-Präsident Draghi immer noch zu niedrig. Daher sei weiterhin "ein sehr substanzielles Maß" an konjunkturstützender Geldpolitik nötig, sagte der Italiener. Die Inflationsrate dürfte noch einige Monate auf dem aktuellen Niveau verharren. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent an, die als ideal für die Konjunktur gilt. Im Juni war sie aber auf das Jahrestief von 1,3 Prozent gesunken, da sich Energie nicht mehr so stark verteuerte wie zuletzt.

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Erleichterung an den Anleihemärkten

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  • ......in einem früheren Kommentar.....habe ich gesagt.....das nach Vertrags-Ende des Herrn D. oben im Frankfurter Tower.....ein Deutsch-Banker....aus Schrot und Korn gehöre...aus der Truppe der Deutschen Bundesbank in Frankfurt......versehen mit den Genen der alten Bundesbank-Vorstände....zur Zeit der DM.....die bekannterweise Ersatzwährung nach dem Dollar in der Welt war.....
    .....warum das generell nicht gemacht wurde.....kann nur mit unserer Geschichte zusammenhängen....müssen wir uns aber nach fast 70 Jahren des friedlichen Miteinanders......von den alten Emotionen trennen.....und darauf pochen.....die Steuerung des Kapitals in deutsche Hände haben zu wollen.....nicht wahr?

    Ist Deutschland doch der größte "Laden" ......mit der größten Verantwortung in der EU.....und so sollen doch alle anderen Mitglieder froh sein.....wenn wir die Steuerung des Geldes in die Hand nehmen....Jens Weidmann würde es u.a. machen.....und so hoffe ich.....daß es so kommen wird.......ein Deutscher.....am Steuer des Euro-Dampfers......

  • Mario Dragi ist die Inflation TOTAL egal. Er hat nur Italien und Grichenland und Portugal im Auge. Wenn Dragi die Zinsen nur ein kleines Bischen erhöt, sind besagte Länder Pleite! Sie würde nicht im Euro bleiben können!
    Italien hat 2,23 Billionen Euro schulden.
    Deutschland haftet für den Gesamtbetrag der Itallienischen Schulden!
    Oder glaubt jemand, dass Grichenland, Portugal, Spanien oder Frankreich für die Italienischen Schulden zahlen/haften werden?
    Deutschland sollte aus dem Euro austeigen!!!
    Dann steigen die Zinsen (gut für Sparer) und wir Haften nicht für andere Länder, die die Ausgaben überhauptnicht im Griff haben.
    Übrigens: in besagten Ländern werden Steuern nur äußerst zögerlich gezahlt und die Stafen für Steuersünder sind äußerst gering.

  • Auch in Ihrem geschätzten Blatt ist ja des Öfteren zu lesen, dass die Staatsfinanzen des Landes Italien sich seit der Finanzkrise (trotz niedrigster Zinsen) weiter erheblich verschlechtern.
    Oh, gerade fällt mir auf, dass Herr Draghi Italiener ist - ein Schelm, wer da einen Zusammenhang vermutet........
    Ansonsten bleibt ja nur zu hoffen, dass diese törichte und weitgehend wirkungslose Nullzinspolitik endlich zu Ende geht.

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