Angst vor Eskalation

Zentralbanken fluten Finanzsystem mit Geld

Die Politik laviert, die Zentralbanken handeln: Um eine Eskalation der Krise zu verhindern, haben wichtige Notenbanken in den Geldmarkt eingegriffen. Die Aktion soll auch die Realwirtschaft vor einem Crash abschirmen.
Update: 30.11.2011 - 14:59 Uhr 36 Kommentare

Dax jubelt: Notenbanken fluten Markt

FrankfurtDie wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken am Mittwoch. So hätten sich die Zentralbanken darauf geeinigt, die Kosten bestehender Dollar-Swaps ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren.

Mit der konzertierten Aktion helfen die Notenbanken europäischen Geldhäusern. Diese haben es zunehmend schwer, an Dollar-Liquidität zu kommen, die sie für ihre internationalen Geschäfte brauchen. Normalerweise beschaffen sie sich diese auf dem so genannten Interbankenmarkt, auf dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Die Verwerfungen in der Schuldenkrise haben diesen Markt allerdings fast ausgetrocknet. Das Vertrauen der Banken untereinander ist radikal gesunken. Einige europäische Institute kommen deshalb nur noch schwer an Dollar-Mittel, andere erhalten von US-Banken gar kein Geld mehr.

Um noch schwerere Verwerfungen zu verhindern, springen deshalb die Notenbanken ein. Die EZB zum Beispiel versorgt die europäischen Banken mit Dollar-Liquidität. Diese beschafft sie sich über einen Devisentausch (Swap) bei der US-Notenbank Fed. Ein entsprechendes Abkommen haben die Zentralbanken schon vor einigen Wochen getroffen. Heute wurde es bis Februar 2013 verlängert.

Umsonst gibt es das Geld von der Notenbank nicht. Die Fed verlangt für den Swap einen Zinssatz. Als Maßstab gilt hier der Overnight Index Swap, das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken in den USA über Nacht Geld leihen. Auf diesen Index schlägt die Notenbank noch etwas drauf. Dieser Aufschlag betrug bisher 100 Basispunkte, jetzt wird er auf 50 Basispunkte gesenkt. Die Banken kommen damit nicht nur leichter, sondern auch billiger an frische Dollar-Mittel.

Beteiligt an der Aktion sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

An den Aktienmärkten löste der Vorstoß der Notenbanken ein Kursfeuerwerk aus: Der Dax baute seine Gewinne auf plus vier Prozent aus. Händler sprachen von einer „kurzfristigen Entspannung“ mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise. Auch der Euro gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Bei Analysten stieß die konzertierte Aktion der Notenbanken auf ein positives Echo. Sie warnten aber zugleich davor, dies als eine Art Krisenentwarnung misszuverstehen. Die Zentralbanken trügen lediglich ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden." Aber es werde wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekämen - und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB. "Für Erleichterung sorgt sicher auch, dass die Notenbanken zusammenarbeiten", sagte der Ökonom. Ihre Möglichkeiten zur Krisenentschärfung seien aber natürlich begrenzt.

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36 Kommentare zu "Angst vor Eskalation: Zentralbanken fluten Finanzsystem mit frischem Geld"

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  • Währungsschnitt oder permanente Druckerpresse, keine Alternative kann im Interesse der Völker Europas liegen. Der bewußt gezielte und sparsame Einsatz der Druckerpresse könnte sicherlich zu vernünftigen Überlegungen darüber beitragen, was man denn nun 2002 alles falsch gemacht hat: Ein einfacher volkswirtschaftlicher Lernkurs, der allerdings den durch die bisherigen stbilitätspolitischen Vorstellungen vernebelten Hirnen der europäischen Politiker sehr viel Mühe machen dürfte. Wir haben aber noch die Hoffnung, daß es dennoch gelingt, und diese soll ja immer zuletzt sterben. Hoffentlich sehen das die Märkte auch so.

  • Das Euro-Abenteuer ist zu Ende

    Frohe Weihnachten

  • Ist das krank, die Zentralbanken tippen riesige Zahlen in die Computer (und zerstören die Währung) und die Börsen machen Jubelsprünge...

  • Wollen wir doch mal ein paar Begriffe reinwaschen und klarstellen. Sie in Zusammenhänge setzen und Schlussfolgerungen daraus ziehen:

    - M0/Geldbasis: Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (also ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute;
    - M1: Sichteinlagen der Nichtbanken sowie den gesamten Bargeldumlauf;
    - M2: M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;
    - M3: M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.

    Nun, wie 'M.Deyanaron' richtig bemerkt hat, scheinen die Geldmengen aber einzubrechen obwohl unsere Zentralbanken Geld drucken (oder besser gesagt virtuell in Bits und Bytes erzeugen), als wären sie auf Speed.

    Also irgendwohin muß ja das real-hinterlegte, von den Zentralbanken erschaffene Geld fließen. Es existiert anscheinend eine Geldmenge M4, die diese Geldströme aufsaugt. Das würde zumindest die Einbrüche erklären.

    Mir ist in letzter Zeit (bei normalen Surfverhalten, Zeitungen, Gesprächsrunden, etc.) nur eine Sache aufgefallen, die mit noch größeren Summen hantiert. Ich las neulich, dass der geschätzte Markt für CDS (Derrivate, Kontrakte und wie dieser Dreck sonst noch so heißt...) 700 Billionen US-Dollar groß ist.

    Wenn dieser virtuelle Kuhmarkt auch nur ansatzweise aus den Fugen gerät, z.B. mit der CDS-Scherzwette, dass der EURO niemals pleite gehen kann, und ihre gigantischen Summen auch nur bruchstückhaft über uns hereinbrichen, geht die reale Welt (wegen unserer kettenhaften Bindung ans Geld) hopps.


    Aktuelle Wettquote:

    - 700 (CDS etc. Markt) : 1 (Zentralbanken)



  • Solche konzertierten Aktionen sind meist Eintagsfliegen. Die Eurokrise werden die Zentralbanken dadurch nicht einmal in Ansätzen unter Kontrolle bekommen. Wie auch - es brennt lichterloh. Das wissen auch die Experten. Damit ist das Unterfangen vermutlich letztendlich nur der Versuch, die Zeit bis zu den Weihnachtsfeiertage zu überbrücken, um dann die ganz große Bombe platzen zu lassen.

  • Die unwissenden Politiker um nicht zu sagen, die dummen Politiker, handeln nicht, weil
    sie einfach zu einfach denkend nicht begreifen um was es hier eigentlich geht.

    Ein deutlicher Beweis dafür, dass jahrelanges Plakate kleben eben nicht die Intelligenz fördert.

  • Vor allem mit t...

  • das problem ist...die leute die am meistern von unseren jetzigen system profitieren sind genau die leute die unseren system eingerichtet haben und kontrollieren...die wären schon blöd ein neuen system zu erlauben...freiwillig..

    diesen system bedeutet das die und ihren familien für immer der rest der bevolkerung aussaugen kann...


  • Goldstandart

  • und wer holt die Flutung wieder vom Markt? Das ist doch der Schritt geradeaus in die Inflation. Aber es ist doch alles egal. Es kann einem alles egal sein. Der Glaube, an solides Handeln, an solide Finanzen ist dahin. Was ist jetzt zu tun? Licht ausmachen, Zeitung in den Korb, Fernsehen und Radio ausschalten und und und........ schlafen legen. Vertrauen und Glaube an das Gute ist dahin, gute Nacht, ich schließe die Augen.

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