Angst vor Eskalation
Zentralbanken fluten Finanzsystem mit frischem Geld

Die Politik laviert, die Zentralbanken handeln: Um eine Eskalation der Krise zu verhindern, haben wichtige Notenbanken in den Geldmarkt eingegriffen. Die Aktion soll auch die Realwirtschaft vor einem Crash abschirmen.
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FrankfurtDie wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Notenbanken am Mittwoch. So hätten sich die Zentralbanken darauf geeinigt, die Kosten bestehender Dollar-Swaps ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu reduzieren.

Mit der konzertierten Aktion helfen die Notenbanken europäischen Geldhäusern. Diese haben es zunehmend schwer, an Dollar-Liquidität zu kommen, die sie für ihre internationalen Geschäfte brauchen. Normalerweise beschaffen sie sich diese auf dem so genannten Interbankenmarkt, auf dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Die Verwerfungen in der Schuldenkrise haben diesen Markt allerdings fast ausgetrocknet. Das Vertrauen der Banken untereinander ist radikal gesunken. Einige europäische Institute kommen deshalb nur noch schwer an Dollar-Mittel, andere erhalten von US-Banken gar kein Geld mehr.

Um noch schwerere Verwerfungen zu verhindern, springen deshalb die Notenbanken ein. Die EZB zum Beispiel versorgt die europäischen Banken mit Dollar-Liquidität. Diese beschafft sie sich über einen Devisentausch (Swap) bei der US-Notenbank Fed. Ein entsprechendes Abkommen haben die Zentralbanken schon vor einigen Wochen getroffen. Heute wurde es bis Februar 2013 verlängert.

Umsonst gibt es das Geld von der Notenbank nicht. Die Fed verlangt für den Swap einen Zinssatz. Als Maßstab gilt hier der Overnight Index Swap, das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken in den USA über Nacht Geld leihen. Auf diesen Index schlägt die Notenbank noch etwas drauf. Dieser Aufschlag betrug bisher 100 Basispunkte, jetzt wird er auf 50 Basispunkte gesenkt. Die Banken kommen damit nicht nur leichter, sondern auch billiger an frische Dollar-Mittel.

Beteiligt an der Aktion sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

An den Aktienmärkten löste der Vorstoß der Notenbanken ein Kursfeuerwerk aus: Der Dax baute seine Gewinne auf plus vier Prozent aus. Händler sprachen von einer „kurzfristigen Entspannung“ mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise. Auch der Euro gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Bei Analysten stieß die konzertierte Aktion der Notenbanken auf ein positives Echo. Sie warnten aber zugleich davor, dies als eine Art Krisenentwarnung misszuverstehen. Die Zentralbanken trügen lediglich ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden." Aber es werde wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekämen - und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB. "Für Erleichterung sorgt sicher auch, dass die Notenbanken zusammenarbeiten", sagte der Ökonom. Ihre Möglichkeiten zur Krisenentschärfung seien aber natürlich begrenzt.

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Hilflose Finanzminister

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  • Währungsschnitt oder permanente Druckerpresse, keine Alternative kann im Interesse der Völker Europas liegen. Der bewußt gezielte und sparsame Einsatz der Druckerpresse könnte sicherlich zu vernünftigen Überlegungen darüber beitragen, was man denn nun 2002 alles falsch gemacht hat: Ein einfacher volkswirtschaftlicher Lernkurs, der allerdings den durch die bisherigen stbilitätspolitischen Vorstellungen vernebelten Hirnen der europäischen Politiker sehr viel Mühe machen dürfte. Wir haben aber noch die Hoffnung, daß es dennoch gelingt, und diese soll ja immer zuletzt sterben. Hoffentlich sehen das die Märkte auch so.

  • Das Euro-Abenteuer ist zu Ende

    Frohe Weihnachten

  • Ist das krank, die Zentralbanken tippen riesige Zahlen in die Computer (und zerstören die Währung) und die Börsen machen Jubelsprünge...

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