Anhörung vor dem Europaparlament
Draghi sieht Inflation optimistischer

Bei seiner Anhörung vor dem Europaparlament hat sich EZB-Chef Mario Draghi zuversichtlich zur Wirtschaft im Euroraum geäußert. Auch bei der Inflation erwartet er mittelfristig einen Anstieg.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach den Worten ihres Präsidenten Mario Draghi vermehrt Anzeichen für ein Anziehen der Inflation. „Insgesamt werden wir zuversichtlicher, dass die Teuerung letztlich im Einklang mit unserem Inflationsziel steigt“, sagte Draghi am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. „Aber wir wissen auch, dass eine sehr umfangreiche geldpolitische Unterstützung weiterhin erforderlich ist für den Aufwärtstrend.“ Der Ausblick werde mittelfristig überschattet von Unsicherheiten, zu denen die jüngsten Schwankungen der Devisenkurse gehörten.
Die EZB will vermutlich im Oktober über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihekäufe entscheiden. Derzeit kauft sie für monatlich 60 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Inflation im Währungsraum in Richtung ihres Ziels von knapp zwei Prozent treiben. Viele Experten rechnen damit, dass die Notenbank die Käufe ab 2018 schrittweise reduziert. Hierfür spricht vor allem der bessere Wirtschaftsausblick für die Euro-Zone.

Draghi betonte, dass der Aufschwung inzwischen eine sehr breite Basis in allen Mitgliedländern habe. Die Arbeitslosigkeit im Währungsraum sei auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen, und seit 2013 seien fast sieben Millionen neue Jobs geschaffen worden. Zusammen mit den sehr günstigen Finanzierungsbedingungen habe dies auch zur Belebung der Investitionen beigetragen.
Der wirtschaftliche Aufschwung wirkt sich bislang allerdings kaum auf die Preisentwicklung aus. Die Inflation im Euro-Raum lag mit zuletzt 1,5 Prozent immer noch deutlich unter dem EZB-Zielwert. Draghi verwies vor dem Europaparlament darauf, dass die Teuerung zum Jahresende wegen einmaliger Effekte zunächst sogar noch etwas fallen könnte. Danach geht er allerdings wieder von einem Anstieg aus.
Zuletzt hat der EZB-Präsident seine Kommunikation mit Blick auf das Inflationsziel etwas verändert. Lange hatte er betont, das Ziel ohne Verzögerungen erreichen zu wollen. Dagegen betonte er am Montag wie zuletzt häufiger, dass Geduld und Ausdauer nötig seien, um das Infla‧tionsziel zu erreichen. jam/rtr

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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