Anleihenkäufe
EZB steht vor Wende in der Geldpolitik

Insidern zufolge zeichnet sich innerhalb der Europäischen Zentralbank eine Mehrheit für eine Verringerung der Anleihenkäufe ab. Eine Formulierung ist unter den Ratsmitgliedern aber noch sehr umstritten.
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WashingtonInnerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich Insidern zufolge eine breite Mehrheit für eine Verringerung der expansiven Konjunkturhilfen ab. Beim nächsten EZB-Treffen am 26. Oktober würden die Ratsmitglieder wohl dafür stimmen, das Anleihen-Kaufprogramm (QE) zwar zu verlängern, aber mit einem geringerem Kaufvolumen, sagten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Es könnte nach Einschätzung der Insider auf eine Verlängerung der Käufe um neun Monate hinauslaufen. Die EZB wollte zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Anleger deckten sich nach den Informationen mit Staatsanleihen der Euro-Zonen-Länder ein. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober und notierte bei 0,415 Prozent.

Nach derzeitigem Stand läuft das inzwischen auf 2,3 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm, mit dem die Währungshüter die Kreditvergabe ankurbeln und für mehr Inflation sorgen wollen, zum Jahresende aus. Den Insidern zufolge herrscht noch Unklarheit darüber, ob die EZB bei einer Verlängerung einen klaren Endpunkt signalisieren oder ob sie dies eher offen lassen soll. Das sei wahrscheinlich die größte Debatte, sagte eine der mit der Situation vertrauten Personen. Lasse die EZB offen, wann die Käufe enden, besäße sie ausreichend Flexibilität, um sie, wenn nötig, erneut zu verlängern.

Ratsmitglieder, die eher einer strafferen Geldpolitik zuneigen, befürworteten dagegen ein klares Signal, dass die EZB das Programm herunterfahren und auch beenden werde, sagten die Insider. „Ich kann einen Kompromiss erkennen, dass wir es wie es jetzt ist belassen, also mit einem Enddatum, das es uns ermöglicht zu verlängern, wenn erforderlich.“ In ihrem geldpolitischen Ausblick hielt die EZB bislang stets an der Option fest, im Notfall ihr Anleihen-Kaufprogramm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer auszuweiten.

Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken erwerben seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um die Konjunktur zu stützen und für eine höhere Inflation zu sorgen. Derzeit werden monatlich Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro gekauft. Laut den Insidern steht das exakte Volumen der künftigen Käufe noch nicht fest. Es gehe um Monatsvolumina zwischen 25 und 40 Milliarden Euro. Es gebe aber eine breite Übereinstimmung, dass die Käufe deutlich verringert werden sollen.

„Das exakte Monatsvolumen spielt keine große Rolle, da dessen Auswirkung auf die Inflation sehr klein sein wird“, sagte eine der mit der Diskussion vertrauten Personen. „Aber eine Verlängerung um neun Monate schiebt auch die erste Zinserhöhung hinaus, und das ist bedeutsam.“ Zudem gebe es dann einen starken Hinweis, dass die EZB weiterhin eine erhebliche geldpolitische Unterstützung gebe. Eine noch stärkere Verlängerung um zwölf Monate scheint schwierig zu sein, da die Notenbank dann womöglich in Gefahr läuft, dass ihr die nach ihren Regeln kauffähigen Titel langsam ausgehen könnten.

Die Limits einzuhalten ist ein Punkt, auf den beispielsweise Bundesbank-Präsident Jens Weidmann großen Wert legt. „Wir haben uns die Obergrenze aus guten Gründen gesetzt. Nun sollten wir uns daran halten“, sagte Weidmann der „WirtschaftsWoche“. Andernfalls könnten Zweifel an einer eigenständigen Finanzierung der Mitgliedstaaten an den Märkten aufkommen. Die EZB darf nur 33 Prozent der ausstehenden Anleihen eines Landes halten.

Erst vor wenigen Tagen hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet Argumente für eine eher größere zeitliche Verlängerung der Anleihenkäufe mit einem geringerem Monatsvolumen vorgestellt. In ruhigeren Börsenzeiten sei dies für Investoren vorteilhafter, hatte er argumentiert. EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sprach sich unterdessen dafür aus, die Anleihenkäufe im nächsten Jahr graduell, aber vollständig zurückzuführen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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