Anleihenprogramm der EZB

Mario Draghis Notfallkoffer

Im Kampf gegen die Euro-Krise setzt der EZB-Chef auf starke Worte. Doch die Märkte wollen wissen, zu welchen Taten er bereit ist. Handelsblatt Online prüft seine Optionen - auf Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen.
40 Kommentare
Mit Anleihekäufen will EZB-Chef Mario Draghi dafür sorgen, dass seine Zinspolitik in den Krisenländern ankommt. Quelle: dapd

Mit Anleihekäufen will EZB-Chef Mario Draghi dafür sorgen, dass seine Zinspolitik in den Krisenländern ankommt.

(Foto: dapd)

DüsseldorfMario Draghis Lippen bewegen Milliarden. Kaum jemand hat so viel Einfluss auf die Märkte wie er. Deshalb ist dem EZB-Chef die Aufmerksamkeit der Börsianer gewiss, wenn er am Donnerstag vor die Öffentlichkeit tritt. Diesmal werden die Börsianer sogar noch genauer hinhören, als sonst, denn Draghi hat im Vorfeld hohe Erwartungen geweckt. Auf der letzten EZB-Sitzung hatte er klar gemacht, dass die EZB zu einer massiven Intervention am Anleihemarkt bereit ist. Seither bewegt die Märkte vor allem eine Frage: Wie weit kann Draghi gehen?

Draghi hat einen möglichen Eingriff am Anleihemarkt damit begründet, dass die Zinspolitik der EZB in der Wirtschaft nicht ankommt. Die EZB senkte den Leitzins bereits in mehreren Schritten auf das ultraniedrige Niveau von 0,75 Prozent. Doch dort, wo niedrige Zinsen am nötigsten wären, nämlich in den Krisenländern, kommen sie nicht an. Spanien musste Ende Juli für kurzläufige Anleihen fast sieben Prozent Zinsen zahlen. Da dieser Zins nur die untere Plattform bildet, liegen die Zinsen für spanische Unternehmen und Privathaushalte noch deutlich höher.

Draghi kann mit Zinssenkungen nicht viel bewirken, deshalb setzt er nun auf Anleihekäufe. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hingegen brandmarkt sie als Rechtsbruch. „Eine solche Politik ist für mich zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse,“ sagte er jüngst im Spiegel- Interview.

Rein formell kann Weidmann gegen Draghis-Kurs wenig ausrichten. Seine Stimme im EZB-Rat zählt so viel, wie die des maltesischen Notenbankchefs. Doch Weidmann repräsentiert das wirtschaftsstärkste und mächtigste Euro-Land. Gegen die deutsche Politik und gegen den Widerstand der deutschen Öffentlichkeit, kann Draghi wenig machen. Wenn der Bundesbank-Chef den Kurs der EZB nicht mitträgt, fällt es Draghi jedoch viel schwerer die deutsche Politik und Öffentlichkeit von seinem Kurs zu überzeugen.

Entscheidend für Draghis neues Programm ist deshalb, auf welchen Widerstand er trifft - innerhalb der EZB, aber auch von Seiten der Politik. Weidmann steht mit seiner Position im EZB-Rat nicht völlig alleine, obwohl er auf der letzten Ratssitzung als einziger dagegen gestimmt hat. Auch sechs weitere Notenbanker sollen in der Debatte über Anleihekäufe zunächst gegen Draghi opponiert haben, später aber auf dessen Linie eingeschwenkt sein.

EZB soll nur kurzläufige Anleihen kaufen
Seite 123456Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Anleihenprogramm der EZB - Mario Draghis Notfallkoffer

40 Kommentare zu "Anleihenprogramm der EZB: Mario Draghis Notfallkoffer"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der eigentliche Grund, warum wir Deutschen jetzt den Euro haben, ist übrigens die Arroganz der Bundesbank: Die wollte jahrelang keine französischen Francs als Währungsreserven aufnehmen. Da auch die deutsche Politik sich weigerte Einfluss auf die BUndesbank zu nehmen, sorgten die Franzosen mit dem Euro dafür, die "Vormacht" der Bundesbank zu brechen.
    Das Ergebnis sehen wir heute.

  • Die EZB ist doch nur ein Ableger von Goldman Sachs. Und die regieren die Welt.
    Bis auf Syrien, Nordkorea und den Iran. Die haben eigene Zentralbanken.
    Früher war das auch in Libyen und im Irak so gewesen.

    Einstmals sagte ein römischer Senator:
    Laßt uns den Sklaven ein Band um den Arm binden, damit sie jeder sofort erkenne. Da sagte ein Anderer. Lieber nicht. Dann sehen sie sofort, wie viele sie sind.

    Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

  • Was will Herr Draghi wirklich ? Da sich die Renditen für 3-jährige Spanien-Anleihen bereits bei rd. 3% bewegen und die EZB angeblich nur in diesem Bereich aktiv werden will, erscheint das Anleihekaufprogramm auf den ersten Blick überbewertet. Es ist allerdings eher wahrscheinlich, dass es in Wahrheit um die Finanzierung der Staatsdefizite geht. Aufgrund der politischen Unsicherheiten in Italien un Spanien ist es nicht unwahrscheinlich, dass es in Kürze keine Investoren mehr gibt, die überhaupt noch Staatsdefizite finanzieren wollen.

  • Ich verweise auf die gestrige ARTE-Sendung, 4.9.12, 20.15 h. Goldman Sachs, ihre weltweite Einflußnahme und die Verflechungen mit EZB + Draghi, Monti & Co. Hoffentlich bleibt Weidmann stark. Und ein paar anderen würde es gut zu Gesicht stehen, wenn sie ihm den Rücken stärken. Er vertritt schließlich die Interessen der Mehrheit der Bürger. Auch ein Signal für den 12.9. BVG.

  • Und wovon träumen Sie?

  • "Draghi was Goldman Sachs International’s vice-chairman for Europe between 2002 and 2005, a position that put him in charge of the the “companies and sovereign” department, which shortly before his arrival, helped Greece to disguise the real nature of its books with a swap on its sovereign debt.

    Monti was an international adviser to Goldman Sachs from 2005 until his nomination to lead the Italian government. According to the bank, his mission was to provide advice "on European business and major public policy initiatives worldwide". As such, he was a "door opener" with a brief to defend Goldman’s interest in the corridors of power in Europe.

    The third man, Lucas Papademos, was the governor of the Greek central bank from 1994 to 2002. In this capacity, he played a role that has yet to be elucidated in the operation to mask debt on his country’s books, perpetrated with assistance from Goldman Sachs. And perhaps more importantly, the current chairman of Greece’s Public Debt Management Agency, Petros Christodoulos, also worked as a trader for the bank in London.

    Two other heavyweight members of Goldman’s European network have also figured large in the euro crisis: Otmar Issing, a former member of the Bundesbank board of directors and a one-time chief economist of the European Central Bank, and Ireland’s Peter Sutherland, an administrator for Goldman Sachs International, who played a behind the scenes role in the Irish bailout."
    Quelle: Our friends from Goldman Sachs…
    16 November 2011 LE MONDE PARIS

  • netshadow, legen sie sich wieder hin und träumen sie weiter von der heilen Welt.

  • "Draghi, ein hochrangiger Ex-Goldman-Sachser, der immer noch dieser weltweiten Finanzkrake absolut loyal dient, der mit dafür gesorgt hat, die griechischen Bilanzen zu fälschen und der künftig die Kontrolle über alle europäischen Banken und Sparkassen haben wird, auch die deutschen"
    Blödsinnige, und vor allem unsachliche Diskussion.
    Wenn Sie einen Beruf haben, vorher bei z. B. Siemens gearbeitet haben, können Sie auch nicht behaupten, am AKW im Iran mitgearbeitet zu haben. Oder die Subventionen, die diese Firma in den letzten Jahrzehnten eingesammelt hat, ein Akt einer europaweiten Verschwörung ist, an der jeder der dort mal in Lohn und Brot für die untere, mittlere oder oberere Führungsetage stand, beteiligt war.

  • Goldman ist ein Tumor, der gestreut hat.
    Goldman hat nicht nur die Politiker im Sack, Goldman MACHT die Politik.
    Auf den wichtigsten Stühlen weltweit (EZB, Finanzministerium USA, Großbritannien,
    Weltbank, IWF...) sitzen Ex-Goldman-Sachser.
    Ich sag's nicht gerne, aber das, wovor A. H. gewarnt hat, die Weltherrschaft des
    internationalen Finanzjudentums, ist längst Wirklichkeit.
    Und wer sich immer noch
    fragt, wohin die Milliarden wandern, die nach Griechenland überwiesen werden, aber
    nicht beim griechischen Volk ankommen... dank des genialen Deals (Swap) von
    Draghi und Konsorten, für die nächsten Jahrzehnte, direkt nach NY in die Taschen der
    Goldmäner.

  • "Sollte der Euro gegen die Wand fahren, dann sind die Dummen immer die kleinen Bürger und die Reichen gehen gestärkt aus dieser Krise hervor, wie bisher immer."

    Und genauso siehts aus, das war noch nie anders. Meine Mutter wundert sich noch heute wieso einen Tag nach der Währungsreform nach dem 2. WK die Geschäfte plötzlich voll sein konnten.
    Da kann man der EZB sonstwas vorwerfen, sie hat die Aufgabe bekommen den Euro stabil zu halten, und wenn es mit einem Gegenbrand sein muß, muß es eben so sein.
    Um gegen eine weltweite Bankendiktatur, auch getragen von der deutschen Bank, anzustinken, genügt es eben nicht so zu tun, als wäre man eine Insel der Glückseeligkeit und man könnte selbst anfangen Regeln zu brechen (Maastricht), aber andere dafür verurteilen. Für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum sind auch in etwa gleiche Zinsen nötig, und das Gefälle nach Süden ist da zu stark, damit macht man deren Wirtschaft, und damit genauso deren Geldanlagen, kaputt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%