Athener Schuldenschnitt: EZB wappnet sich für Scheitern des Griechenland-Haircuts

Athener Schuldenschnitt
EZB wappnet sich für Scheitern des Griechenland-Haircuts

Die Notenbanken bereiten sich darauf vor, dass der freiwillige Schuldenschnitt für Griechenland scheitert. Sie tauschen ihre Griechenland-Anleihen in neue Schuldscheine um. Damit wären sie auf der sicheren Seite.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank bereitet sich offenbar darauf vor, dass die Beteiligung der privaten Gläubiger am Rettungspaket für Griechenland scheitert. Die Nationalbanken würden über das Wochenende Griechenland-Anleihen in neue Papiere tauschen, sagten Vertreter der Euro-Zone am Donnerstag. Die EZB wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Sollten die Berichte stimmen, dann wäre die EZB auch für einen zwangsweisen Schuldenschnitt gewappnet. Bislang sollen die Privatgläubiger Griechenlands auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Athen verzichten und ihre alten Anleihen in neue, niedriger verzinste Papier tauschen. Die entgangenen Zinsen und der Forderungsausfall summieren aich zu Abschreibungen in Höhe von etwa 70 Prozent.

Bislang soll dieser Anleihetausch freiwillig erfolgen. Falls allerdings nicht genügend private Gläubiger mitziehen, könnte der Schuldenschnitt auch mit Zwang durchgesetzt werden. In der EZB wird an einer ausreichend starken Beteiligung aber bezweifelt.

Eine zwangsweise Beteiligung könnte durch rückwirkende Einführung spezieller Klauseln möglich gemacht werden. Dann müssten - je nach Ausformulierung - 50 Prozent der Anleiheeigner für einen Schuldenschnitt stimmen, um alle Eigner zur Teilnahme zu zwingen. Um in diesem Fall gerüstet zu sein und nicht zu einer Teilnahme gedrängt werden zu können, wird die Notenbank wohl am Wochenende agieren und ihre Bestände in neue griechische Anleihen tauschen.

Das zu tun war eine Mehrheitsentscheidung des EZB-Rats. Dem Vernehmen nach haben sich manche Notenbanken, darunter die Bundesbank, dagegen ausgesprochen. Sie sorgen sich, dass der Beschluss negative Rückwirkungen auf Portugal und Irland mit sich bringen könnte. Denn wenn die EZB einen bevorzugten Status anstrebt, steigt das Risiko für Gläubiger im Privatsektor, im Ernstfall eines Schuldenschnitts deutlicher zur Kasse gebeten zu werden.

Portugal und Irland sollen im nächsten Jahr wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren. Auch das könnte unter diesen Bedingungen noch schwerer werden. Denn die zu zahlenden Zinsen könnten höher liegen, wenn Anleger eine Schlechterstellung im Vergleich zur EZB im Falle eines Schuldenschnitts hinnehmen müssen. Ob der jetzt angestrebte Anleihetausch genügt, Privatinvestoren davon abzuhalten, gegen die Bevorzugung der EZB zu klagen, ist offen.

Die Euro-Finanzminister hatten eine Entscheidung über weitere milliardenschwere Hilfen am Mittwochabend vertagt. Bis Montag, dem nächsten regulären Treffen der Euro-Gruppe, soll nun eine Lösung gefunden werden. Dann soll auch der freiwillige Anleihentausch mit den Privatgläubigern verkündet werden. Ziel ist ein Schuldenschnitt, der 100 Milliarden Euro bringen soll.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Athener Schuldenschnitt: EZB wappnet sich für Scheitern des Griechenland-Haircuts"

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  • Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat sich offenbar gegen einen Umtausch der griechischen Staatsanleihen im Besitz der EZB ausgesprochen. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) an einem zwangsweisen Schuldenschnitt Griechenlands nicht beteiligt werden, könnte dies nach Einschätzung von Weidmann möglicherweise rechtliche Schritte der übrigen Griechenland-Gläubiger zur Folge haben, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf EZB-Offizielle. Weidmann befürchtet, dass sich durch den Anleihetausch die Euro-Schuldenkrise verschärfen könnte, weil Investoren zunehmend am Engagement in weiteren Schuldenstaaten der Eurozone zweifeln.

    Die EZB will durch den Anleihetausch bis Montag von einem zwangsweisen Schuldenschnitts Griechenlands verschont bleiben. Weil die Anleihen zum Nominalwert getauscht werden, aber von der EZB deutlich billiger erworben wurden, macht die Notenbank dabei einen Gewinn. Der soll über die nationalen Notenbanken des Euro-Systems in die Staatshaushalte der Euroländer fließen.


  • Nicht nur die EZB, auch die Finanzminister incl. Schäuble(nur Merkel hält weiter ihre Parolen durch):


    Euro-Finanzminister stellen sich auf Staatspleite Griechenlands ein

    http://www.boerse-go.de/nachricht/Euro-Finanzminister-stellen-sich-auf-Staatspleite-Griechenlands-ein,a2761792.html
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    Wie "Spiegel Online" berichtet, stellt sich die Mehrheit der Euro-Finanzminister auf ein Scheitern der Griechenland-Rettung und damit auf eine Staatspleite ein. Eine Telefonkonferenz der Minister am vergangenen Mittwoch habe "große Zerwürfnisse offenbart", heißt es.

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    Uneinigkeit zwischen Merkel und Schäuble bei der Griechenland-Rettung. Während die Kanzlerin auf dem Rettungsplan beharrt, hält der Finanzminister eine Pleite kaum noch für vermeidbar, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

    Nach einem Bericht der "SZ" beschäftigt sich Bundesfinanzminister Schäuble zunehmend mit dem Gedanken, ob sich die griechische Regierung nicht "offiziell für zahlungsunfähig erklären sollte". Er habe kaum noch Hoffnung, dass die Griechen die vereinbarten Sparmaßnahmen umsetzen werden. Zudem gehe er davon aus, dass eine Staatspleite an den Finanzmärkten bereits eingepreist sei.

  • Zitat „Jeder zweite Deutsche für weitere Griechenland-Hilfen. (..)Doch die Menschen in Deutschland haben die Geduld mit Athen noch nicht verloren - und halten die Zahlungen für richtig.“ Zitatende, Quelle FT Deutschland

    Demnach läuft doch alles bestens! Was soll also das Gemecker, es gibt nur einige wenige „ver(w)irrte Abweichler“, die sowieso nichts zu melden haben.

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