BaFin-Chefin König
Deutsche Finanzaufsicht kritisiert EZB

Ärger um die Bankenstresstests: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Prüfungen bis Herbst abgeschlossen haben und auch pauschale Annahmen einfließen lassen. Die BaFin mahnt: „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“.
  • 1

DüsseldorfDie Chefin  der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, kritisiert den Zeitplan für den Banken-Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir haben immer gesagt: Sorgfalt geht vor Schnelligkeit,” sagte König der Börsen-Zeitung. Vier Monate vor dem Start der EZB-Bankenaufsicht sind Europas Aufseher damit uneins über die Aufbereitung der Daten.

Derzeit nimmt die EZB die Bilanzen der 124 wichtigsten Banken in der Euro-Zone, darunter 23 deutsche, unter die Lupe. Der Bilanzcheck ist in drei Schritte unterteilt. Zunächst werden die Bilanzen der Banken in der so genannten Asset Quality Review geprüft, die bereits seit einigen Monaten läuft. Die Ergebnisse werden dann mit denen des Stresstests vereint, der zum Teil parallel läuft.

Beim Stresstest wird geprüft, wie sich die Kapitalquoten der Banken unter bestimmten wirtschaftlichen Szenarien entwickelt. Als Negativszenario setzt die EZB für 2014 eine Rezession von 0,7 Prozent und für 2015 einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung von 1,5 Prozent in der EU an. Der dritte Teil des Bilanzchecks ist eine aufsichtliche Risikoeinschätzung, die inzwischen abgeschlossen ist.

BaFin-Chefin König kritisiert nun, dass sich die EZB mit einer Dauer von einem Jahr für den Bilanzcheck zu sehr festgelegt habe. „Die EZB hat gesagt, sie will die gesamte Übung am 4. November abschließen.” Dadurch müssten sich die Asset Quality Review und der Stresstest teilweise überlappen. Dies führt aus Sicht von König zu Problemen.

Im Kern geht es um die Frage, inwieweit die EZB den Banken pauschale Vorgaben machen soll. König bekennt sich als Anhängerin des so genannten „Bottom-up“-Ansatzes. Dabei würde erst die Asset Quality Review abgewartet. Danach bekämen die Banken die Ergebnisse daraus, um auf deren Basis die Stresstests zu berechnen. Beim so genannten „Top-down-Ansatz“ würde der Stresstest hingegen zunächst ohne die Ergebnisse der Asset Quality Review gemacht, auf Basis des Abschusses Ende 2013. Erst danach würde er auch mit Hilfe pauschaler Annahmen um die Ergebnisse der Asset Quality Review bereinigt.

König sagte der „Börsen-Zeitung“, sie sei Anhängerin eines möglichst kritischen Hinterfragens aller Institutsdaten. Sie glaube, dass man für einen Top-down-Ansatz nicht immer die nötigen Informationen habe. Deshalb setze man sich damit dem Risiko aus, „durch pauschale Annahmen die europäische Einheitsbank zu kreieren.”

Die EZB übernimmt am 4. November die zentrale Aufsicht über die führenden Bankkonzerne im Euroraum.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " BaFin-Chefin König: Deutsche Finanzaufsicht kritisiert EZB"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Ärger um die Bankenstresstests: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Prüfungen bis Herbst abgeschlossen haben und auch pauschale Annahmen einfließen lassen. Die BaFin mahnt: „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“."

    Richtig - aber es sagt die falsche!

    Ist Frau König, ehemalige Leiterin der Münchner Rück dadurch bekannt geworden, dass sie Versicherungsnehmer enteignet hat? Das meine ich wörtlich und nicht im übertragenen Sinn!

    Das Bundesverfassungsgericht hatte 2008 den Versicherten das Recht zugestanden an den Bewertungsreserven bei Fälligkeit ihrer Lebensversicherungsverträge zu partizipieren. Vor der Wahl war Frau König mit der Übertragung dieser Vermögenswerte der Versicherten noch gescheitert. Nun hat sie ihren Plan realisiert.

    Was hat die Frau noch vor und wer kontrolliert sie? Man mag ja von ihrem Vorgänger, Herrn Sanio, halten was man will, aber Enteignungen hat dieser Mann nicht durchgezogen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%