Bank of England
Britische Notenbank tastet Niedrigzins nicht an

Die US-Notenbank Fed strafft die geldpolitischen Zügel – die Bank of England will weiter an den Niedrigzinsen festhalten. Die Inflation im Königreich kommt nicht in Gang. Auch die Wirtschaft verlor zuletzt an Schwung.

LondonTrotz des konjunkturellen Aufschwungs schiebt die britische Notenbank eine Zinserhöhung auf die lange Bank. Sie entschied am Donnerstag einstimmig, den Schlüsselzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 0,5 Prozent zu belassen. Keiner der neun Währungshüter war dafür, dem Beispiel der US-Zentralbank Fed zu folgen und die Zinsen zu erhöhen. Obwohl die Wirtschaft in Großbritannien ähnlich wie in den USA rund läuft, will die Bank of England (BoE) vorerst keine geldpolitische Wende einleiten. Angesichts der jüngsten Marktturbulenzen im Sog der Konjunkturabkühlung in China seien die Risiken für die Wirtschaft auf der Insel gestiegen, warnte Notenbankchef Mark Carney. Die Zeit für eine Zinserhöhung sei noch nicht reif. Zunächst müsse die Wirtschaft noch stärker wachsen und die Inflation anziehen.

Auch einen genauen Fahrplan soll es nicht geben: „Wir werden uns nicht auf Zinserhöhungen festlegen“, betonte der Kanadier auf dem Chefsessel der BoE. Wahrscheinlich werde der nächste Schritt aber eher nach oben als nach unten führen. Viele Experten erwarten, dass die Notenbank noch lange stillhalten wird. „Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung noch im Laufe des Jahres 2016 hat sich zumindest leicht verringert“, sagte NordLB-Ökonom Tobias Basse. Bezeichnend sei, dass sich kein einziger der Währungshüter für eine Erhöhung ausgesprochen habe. Auch das BoE-Führungsmitglied Ian McCafferty, das als Anhänger einer strafferen Linie gilt, hob diesmal nicht die Hand dafür.

Die Wirtschaft auf der Insel hat im Sog der globalen Konjunkturabkühlung etwas an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg 2015 aber noch um 2,2 Prozent. Die BoE geht davon aus, dass die Wirtschaft dieses Tempo 2016 halten wird. Weit größere Sorge bereitet den Londoner Währungshütern die unerwünscht niedrige Inflationsrate: Sie war 2015 mit null Prozent so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Notenbank geht davon aus, dass sie dieses Jahr unter einem Prozent bleiben wird. Binnen zwei Jahren soll das Ziel einer Teuerungsrate von zwei Prozent aber wieder erreicht werden.

Die Fed hatte die Geldpolitik im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren wieder gestrafft. Sie erhöhte den Leitzins auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Angesichts der jüngsten Börsen-Turbulenzen um China, dessen Wirtschaft voriges Jahr so langsam wuchs wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, hat jedoch auch die Fed jetzt eine abwartende Haltung signalisiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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