Bank of England
Leitzins bleibt auf Rekordtief

Wie von Analysten erwartet: Die Entscheidung der Bank of England fällt mit sechs zu zwei Stimmen gegen eine Leitzinserhöhung aus. Damit verharrt die Vorgabe auf dem Rekordtief. Der Blick auf die Konjunktur wird düsterer.
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LondonDie Notenbank des EU-Austrittskandidaten Großbritannien wagt angesichts unsicherer Konjunkturaussichten keine Zinserhöhung. Die Bank of England (BoE) beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Entscheidung fiel mit sechs zu zwei Stimmen. Zuletzt hatten mehrere Währungshüter mit Blick auf die vergleichsweise hohe Inflation laut über eine Erhöhung in der zweiten Jahreshälfte nachgedacht. Doch hat die einst brummende Wirtschaft auf der Insel als Folge des Anti-EU-Votums vom Juni 2016 deutlich an Fahrt verloren: Sie wuchs von Januar bis Juni so langsam wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Notenbankchef Mark Carney sagte mit Blick auf die äußerst holprig angelaufenen Scheidungsgespräche mit der EU, die mit dem Brexit verbundene Unsicherheit wirke sich negativ aus: „Die Höchstgeschwindigkeit der britischen Wirtschaft hat sich sozusagen verlangsamt.“ Für das laufende Jahr erwartet die BoE nur noch ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,7 Prozent. Im Mai hatte sie noch 1,9 Prozent veranschlagt.

Im weiteren Verlauf der EU-Austrittsverhandlungen komme es zur Nagelprobe, so Carney: „Wenn die Bürger und Firmen sich von den Schlagzeilen nicht zu sehr beeindrucken lassen, kann die Wirtschaft die derzeitige Flaute wohl hinter sich lassen.“ Ungelöste Streitpunkte sind bisher unter anderem gegenseitige finanzielle Verpflichtungen und der Status von Millionen Briten und EU-Bürgern im jeweils anderen Gebiet. Erst wenn diese Themen geklärt sind, kann über die Handelsbeziehungen nach dem Brexit verhandelt werden. Dieses Thema ist von besonderer Bedeutung für Großbritannien, da das Land 2019 mit dem Brexit den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen will.

Die Notenbank hielt den Umfang ihres Anleihen-Kaufprogramms bei 435 Milliarden Pfund (485,7 Milliarden Euro) konstant. Sie hatte die Summe im August 2016 als Reaktion auf den Brexit-Schock auf dieses Niveau aufgestockt. Zugleich senkte sie damals den Schlüsselzins auf das aktuell noch gültige Niveau.

Auch wenn die Zentralbank nun stillhielt, dürfte sie mit Sorge auf die Inflation blicken. Angestrebt wird eigentlich eine Rate von zwei Prozent, die mit zuletzt 2,6 Prozent jedoch deutlich darüber lag. Im Zuge der starken Pfund-Abwertung nach dem Brexit-Referendum verteuern sich Importe, womit die Inflation angeheizt wird. Das Pfund fiel nach der Zinsentscheidung auf ein Tagestief. Zum Euro sank der Pfund-Kurs um 0,4 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief. Mit einer Zinserhöhung, die an den Märkten nicht vor dem dritten Quartal 2018 erwartet wird, könnte die Notenbank dem Pfund Auftrieb verleihen. „Wir erwarten aber, dass die Notenbank für die Dauer der EU-Austrittsgespräche stillhalten wird“, prophezeit UniCredit-Chefökonom Erik Nielsen. Großbritannien will der EU am 29. März 2019 Goodbye sagen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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