Bank of Japan
Bund warnt Japan vor Missbrauch der Geldpolitik

Die japanische Notenbank will innerhalb von zwei Jahren 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft stecken. Die Bundesregierung kritisiert das Vorgehen: Sie fürchtet, dass Japan sich „exporttechnische Vorteile“ verschafft.
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Berlin/TokioDie Bundesregierung hat nach dem Kurswechsel der japanischen Notenbank gemahnt, dass sich kein Staat über die Geldpolitik Vorteile bei den Exporten verschaffen dürfe. „Es gibt klare Verabredungen, die auch auf das Treffen der G20 in Moskau zurückgehen“, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, am Freitag in Berlin. Danach solle die Geldpolitik nicht eingesetzt werden, um sich „irgendwelche wirtschaftspolitischen oder exporttechnischen Vorteile“ zu verschaffen. „Dem hat auch Japan zugestimmt.“

Die Bank von Japan hatte am Donnerstag angekündigt, dass sie bis Ende 2014 die Geldbasis verdoppeln will, die sich aus Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammensetzt. Dazu pumpt sie binnen zwei Jahren umgerechnet 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft, vor allem über den Ankauf von Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu 40 Jahren, börsengehandelten Indexfonds und Immobilienfonds, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Geldpolitik könne nie Ersatz für Strukturreformen sein. Die Japaner hätten zugesagt, diese auch in Angriff zu nehmen. „Den Rest wird man abwarten müssen. Die internationalen gemeinsamen Beschlüsse dazu sind recht eindeutig“, betonte Kotthaus.

Es ist ein Erdbeben an den Finanzmärkten, das die japanische Notenbank mit ihrer noch nie dagewesenen Geldschwemme ausgelöst hat – und zugleich ein radikaler Strategiewechsel. Die Entscheidung des neuen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda, aus allen Rohren gleichzeitig zu feuern, ist ein klares Signal, dass er keine Politik der Trippelschritte verfolgen wird. Im Gegenteil: Kuroda setzt alles auf eine Karte, einen Plan B hat er Experten zufolge nicht. „Es ist eine andere Welt im Vergleich zu den Zeiten, als die Notenbank Schritt für Schritt vorgegangen ist“, sagt ein Insider aus dem Umfeld der Bank von Japan. Doch ob das ausreicht, die hartnäckige Wirtschaftskrise zu überwinden, darf bezweifelt werden.

Die Bank von Japan schleust riesige Summen in das Finanzsystem in der Hoffnung, dass die Institute mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichen, so die Investitionen ankurbeln und schließlich Löhne und Preise steigen. Ob das gelingt, ist bei Experten aber umstritten. Denn letztlich kann die Notenbank Banken und Unternehmen nicht vorschreiben, was sie mit ihrem Geld zu tun haben – zumal dann, wenn die Wirtschaft des Landes seit Jahren darnieder liegt und Preise und Löhne auf breiter Front sinken.

Die Währungshüter wollen jeden Monat Bonds im Wert von 78 Milliarden Dollar erwerben, das entspricht ungefähr 70 Prozent aller Papiere, die überhaupt auf den Markt kommen. „Die Bank von Japan drängt im Grundsatz Investoren aus dem Anleihemarkt und zwingt sie dazu, ihr Geld anderweitig anzulegen“, urteilt Izuru Kato, Chefvolkswirt beim Analysehaus Totan.

Tatsächlich könnte ein Gutteil des Geldes in spekulative Anlagen gehen – sowohl in Japan als auch auf ausländischen Märkten, die höhere Renditen versprechen. So berichtete der polnische Staatssekretär Wojciech Kowalczyk bereits von einem verstärkten Interesse asiatischer Anleger nach polnischen Staatsanleihen. Auch in Japan selbst löste die Bank von Japan Verwerfungen aus: Der Nikkei-Index schoss am Freitag zeitweise auf den höchsten Stand seit 2008. Der Yen gab nach, die Renditen der japanischen Staatsanleihen fielen auf Rekordtiefs.

Notenbankchef Kuroda spielt dennoch die Gefahr herunter, er löse mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten aus. Experten sehen das aber anders: „Die Notenbank bringt schon jetzt die Märkte massiv aus dem Gleichgewicht, und das ist der Preis, den sie zu zahlen bereit ist“, so Analyst Kato. „Was kommt aber als nächstes? Es gibt eigentlich keine Optionen mehr für die Bank von Japan.“

Kuroda geht nach Einschätzung der Insider davon aus, dass eine Notenbank alle ihre Ressourcen einsetzen muss, um einen maximalen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Das Direktorium der Zentralbank stellte sich am Donnerstag einstimmig hinter Kurodas Ansatz, auch wenn es sich der Risiken bewusst ist. Aber die Zentralbanker hätten wohl noch keine klare Vorstellung darüber, sagte der Insider, wie sie auf einen rasanten Anstieg des Yen oder eine weltweite Konjunkturabkühlung reagieren würden. In solchen Szenarien würde Japans exportabhängige Wirtschaft in die Rezession zurückfallen und das Inflationsziel von zwei Prozent unerreichbar werden.

Manche Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Bank von Japan im Oktober erneut unter Druck gerät, noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pressen, wenn die vierteljährliche Konjunkturprognose vorliegt und immer noch keine Anzeichen für steigende Preise erkennbar sind. Ob das die Wirtschaft zurück in die Spur bringt oder den Abgrund noch ein Stückchen näher, wird sich zeigen.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Warnungen vor einem Währungskrieg gegeben, bei dem einzelne Länder mit einer lockeren Geldpolitik den Wert ihrer Währung bewusst abwerten und damit ihre Exporte verbilligen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In Japan fing es ja in den 90er Jahren an. Es ist die Nullzinspolitik der Zentralbanlen, die die Gledschwemme und die Fehlallokationen in den USA im Anschluß ausgelöst haben...
    siehe: http://www.malik-management.com/de/pdf/ml/letter/malik-letter-warum-weltfinanzkrise-04-2009.pdf
    Wer kontrolliert die Zentralbanken?!!!

  • Wer hält sich schon an Verträge? Hält sich die deutsche und EU-Politik an das Grundgesetz und an die EU-Artikel??? Wie heißt es noch: "Kein Land muss für ein anderes Pleiteland geradestehen bzw. haften"!!! Die Politik bricht mehrfach viele Gesetze. Und wer traut dieser Politik noch? Ich längst nicht mehr. Darum "Alternative für Deutschland" (AfD). Das Programm passt und hat ein gehöriges Stück Anti-Euro.

  • leider finde ich alle kommentare schrott! wer denkt es würde keine infaltion geben der ist unfähig! geld drucken hat nie geholfen! exporte sind nun billiger für japan, aber jeder japaner zahlt mit seinen ersparnissen für jeden export! dies ist einfach ungerecht gegenüber allen die für ihr alter gespart haben und führt zur verarmung der bevölkerung! wer das gut findet und denkt geld drucken ist gut, der muss auch kinderarbeit für kik gut finden, hauptsache billig und ich, ich, ich!

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