Bank of Japan passt Geldpolitik an

Zwei Prozent Inflation – um jeden Preis

Die japanische Notenbank rührt zwar nicht an den negativen Zinsen – ihre Geldpolitik bleibt weiter locker. Doch um ihre Ziele zu erreichen, setzen die Währungshüter auf neue Instrumente. Der Börse ist es recht.
Update: 21.09.2016 - 09:33 Uhr 10 Kommentare

Japanische Notenbank lässt Anleger jubeln

Japanische Notenbank lässt Anleger jubeln

TokioJapans Notenbank beugt sich der Realität und kündigt nach einer Überprüfung ihrer Politik einen neuen geldpolitischen Rahmen an. So will die Notenbank nicht mehr vorrangig auf die Ausdehnung der Geldmenge durch den Kauf von japanischen Staatsanleihen (JGBs) setzen. Stattdessen macht sie das Management der Zinsen von JGBs unterschiedlicher Laufzeiten, die so genannten Zinskurve, zu einem zentralen Instrument ihrer Politik.

So gab sie als ein Ziel aus, die Zinsen für JGBs mit zehnjähriger Laufzeit bei null Prozent zu halten. Gleichzeitig verspricht sie, ihre aggressive geldpolitische Lockerung fortzusetzen, bis die Preise über ihr Inflationsziel von zwei Prozent hinausschießen und stabil über der Marke bleiben.

Dies hört sich sehr technisch an, wird in Japan allerdings mit großer Erleichterung aufgenommen. Denn nicht nur verstärkte die Bank von Japan damit ihr Versprechen, langfristig aggressive Geldpolitik zu betreiben. Dies alleine war schon ein Grund, warum nach dem Entscheid der Yen leicht absackte und der Nikkei-Index um 1,9 Prozent auf 16.807 Punkte stieg. Die Notenbanker reagierten auch auf größten Kritikpunkt an ihrer Geldpolitik: die negativen Folgen einer flachen Zinskurve für Japans Banken und Versicherer.

Das Problem: Ende Januar hatte die Bank von Japan Minuszinsen auf einen Teil der Einlagen der Banken bei der Notenbank eingeführt. Daraufhin sackten auch die Zinsen für JGBs mit sehr langer Laufzeit fast auf das niedrige Niveau von kurzfristigen und zehnjährigen Anleihen. Zeitweise lag selbst der Zins von 30-jährigen JGBs im Minus. Überspitzt gesagt hörte damit in Japan Geld endgültig auf, zu arbeiten.

Doch eine derart flache Zinskurve ist nicht nur sehr ungewöhnlich, sondern auch problematisch. Normalerweise verläuft die Zinskurve „steiler“. Das heißt, je länger die Laufzeiten von Anleihen sind, desto stärker steigen die Zinsen.

Flacht sich die Kurve extrem ab, ist das zwar kurzfristig gut für den immerhin mit 240 Prozent der jährlichen Wirtschaftskraft verschuldeten Staat, da sein Schuldendienst sinkt. Aber es schuf in Japan Probleme an anderen Stellen – vor allem bei den Finanzinstituten und der Notenbank selbst.

Erstens leiden die ohnehin niedrigen Gewinne von Japans Banken und Versicherern noch stärker als unter der Nullzinspolitik, erklärte Sayuri Shirai, das ehemalige Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Bank von Japan, jüngst im Handelsblatt-Interview. Nicht nur drückt der Minuszins beispielsweise bei Banken die Kreditzinsen, die sie von Unternehmenskunden verlangen können. Auch der Handel mit langfristigen Anleihen lohnt sich weniger, die aber ein extrem wichtiges Anlageinstrument für Banken und besonders Lebensversicherer sind.

Dies wiederum führt zweitens dazu, dass die Notenbank immer größere Probleme bekommt, am Markt JGBs zu kaufen, warnt Shirai. Die Liquidität sei ohnehin niedrig, weil die Notenbank bereits jährlich für 80 Billionen Yen JGBs kaufe und fast 40 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen besitze. Nun sinke sie weiter, weil die Institute noch weniger Anreize hätten, am Handel teilzunehmen.

Ein Beispiel: Im August sank der Handel von Japans Großbanken mit JGBs und Unternehmensanleihen auf 1,7 Billionen Yen und damals erstmals unter die Grenze von zwei Billionen Yen. Dies geht aus einer jüngst veröffentlichten Statistik der Vereinigung japanischer Wertpapierhändler hervor. Das Dilemma der Notenbank wurde noch dadurch verschlimmert, dass ihre beispiellose Geldschwemme nicht mehr zu wirken schien.

„Notenbank schlägt ein neues Kapitel auf“
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10 Kommentare zu "Bank of Japan passt Geldpolitik an: Zwei Prozent Inflation – um jeden Preis"

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  • @ G. Nampf
    "Daß möglicherweise die ganze Therapie falsch ist, zieht offensichtlich niemand in Betracht."

    Die Therapie wäre, die Schulden-Deflation zuzulassen. Mit weniger Schmerzen wäre das vielleicht noch vor 20 Jahren möglich gewesen, mit starken Schmerzen 2008, jetzt bringt die Schulden-Deflation den Patient Weltwirtschaft um:

    "Die schwerwiegendste Verwerfung im gegenwärtigen globalen System ist die existierende Dollar-Blase. Gemessen an der Entwicklung des realen Gefüges ist der Dollarkurs weit überhöht...
    Dieses Gefüge hängt am seidenen Faden. Der Fluss des Welthandels ist nur solange aufrechtzuerhalten, solange ausländische Investoren bereit sind, die Defizite in der US Handels- und Leistungsbilanz durch Dollarankäufe zu kompensieren.
    Nur diese Schuldenfinanzierung hält den hohen amerikanischen Verbrauch aufrecht, nur diese Schuldenfinanzierung hilft der japanische Wirtschaft, aus der Deflationsfalle heraus zu kommen und gibt der chinesischen Wirtschaft wesentliche Expansionsimpulse...
    Dann platzt die Dollar-Blase. Es kommt zu einer drastischen Abwertung des Dollars an den internationalen Devisenmärkten.
    Dann werden die asiatischen Volkswirtschaften ihren Preis für ihre jahrelangen Interventionen an den Währungsmärkten bezahlen, in dem sie schwere Abwertungsverluste auf ihren Rekorddevisenbestände hinnehmen müssen.
    Dann können in den USA, wie in Asien Kettenreaktionen in Gang gesetzt werden, die sich zwischen Finanzsektoren und operativer Wirtschaft gegenseitig aufschaukeln.
    Der amerikanische Konsum, wesentliche Komponente des Weltwirtschaftmotors, bricht ein. Ihr Spiegelbild, die asiatischen und europäischen Exporte in die USA sinken drastisch. Die Investitionen in allen Wirtschaftsräumen folgen mit akzelerierender Geschwindigkeit.
    Die resultierende Weltwirtschaftskrise II führt zu Börsen- und Bankencrashs. Kredit- und Geldketten falten sich zusammen."
    http://www.macroanalyst.de/afc-5-asset-inflation.htm
    Und dieser Artikel wurde VOR 2008 geschrieben.

  • Südländer ? Seit wann ist Deutschland in Süden, Herr Keizer ?

  • Offensichtlich handeln alle Notenbanken nach dem Motto:

    "Wenn die Medizin nicht hilft, erhöhen wir die Dosis, egal ob der Patient daran stirbt"

    Daß möglicherweise die ganze Therapie falsch ist, zieht offensichtlich niemand in Betracht.

  • @Herr Christoph Weise
    Bis auf "diese Institutionen schließen" stimme ich Ihnen voll zu. Besonders im Euroraum übernimmt die EZB Finanzpolitik. Dies ist von den Südländern auch so gewollt, da sie nicht bereit sind notwendige Reformen durchzusetzen. Das erfolgt mit Sicherheit in Absprache mit den Finanzministern. Egal ob eine Notenbank nun Anleihen in exorbitanter Höhe kauft oder den Zins langfristiger Anleihen bei Null hält, dass hat mit Geldpolitik nichts mehr zu tun. Das führt zu einer großen Fehlallokation von Kapitial. Warum sich noch nicht bis zu den Notenbanken rumgesprochen hat, dass man so keine Inflation antreiben kann, weiß ich nicht. Die Gründe, warum das nicht klappt, stehen im Artikel. In Japan hauptsächlich auch die Überalterung der Gesellschaft und damit weniger Konsum.

  • Japan macht dieses Spiel schon seit 1990, d.h. somit seit 26 Jahren. Da hat Europa ja noch viel Zeit, um seine Bürger auszusaugen. Es braucht nicht mal eine „Reichensteuer“.

  • Die meisten Altindustriestaaten sind hoch verschuldet. Die Zentralbanken scheinen die Staaten mittels Inflation (entwertet die Staatsschulden) und niedrigen Zinsen entschulden zu wollen.

    Ich vermute (spekulativ!) dass die Zentralbanken intern eine Inflationsrate von 4 - 6 % bei 2 - 3 % Anleihezins anstreben.

    Allerdings ist dieser Wunsch der Zentralbanken trotz aller Bemühungen bislang nicht aufgegangen. Die Zentralbanken blähen die Geldmenge auf, die Geldentwertung findet aber bislang lediglich bei Vermögenswerten (Immobilien, Kunst, Oldtimer...) statt.

    Ich befürchte dass die aufgestaute Geldmenge früher, oder später zu unkontrollierbaren Inflationsschüben, geplatzten Blasen, oder dem totalen Vertauensverlust führt.

  • DIe BoJ ist genauso erfolgreich wie die FED und EZB. Sie können drucken was sie wollen, die Pferde wollen nicht saufen.

    Der Crash wird kommen da das Pulver schon längst verschossen ist. Bis dahin heisst es Pulver trocken halten bis die "Investoren" rasiert werden.

  • Die Manipulationen der japanischen Zentralbank (ebenso wie der EZB und der FED) ersetzen die Selbstregulierungsmechanismen der Marktwirtschaft durch Planwirtschaft, zerstören wirtschaftliches Wachstum und führen zu einer globalen Altersarmut. Die Ursachen dieser Fehlentwicklung liegen in einer mangelnden Ausbildung der Zentralbanker und in dem Fehlen jeder Kontrolle über diese Institutionen, welche demokratisch nicht legitimiert sind. Irgendwann wird man sich besinnen müssen und diese Institutionen schließen. Sonst wird es immer weiter bergab gehen.

  • Das sind Leute mit Überblick in Japan. Inflation rauf, Aktien halten und Dividen kassieren.
    So kann man sich entschulden und der Pöbel zahlt das Ganze über höhere Steuern.
    Das nennt sich Gerechtigkeit, denn wir Investoren tragen das Risiko und der Prol erhält
    seinen Arbeitsplatz. Das ist ein glänzendes Vorbild für die EZB die viel zu wenig für
    uns Aktionäre tut. Die Regel lautet, mehr Geld, mehr Arbeit, höhere Gewinne, vorwärts
    Herr Draghi wir Finken wollen Dividenden sehen.

  • Früher hatte ich gemeint die Japaner sind klug und weise. Im Kontakt stellt man fest dass die Japaner genauso durch Emotionen gesteuert werden. Sie lässt sich mindestens ebenso gut wie die Deutsche Bevölkerung zu Lasten der eigenen Interessen manipulieren.

    Angesichts der Alterung der japanischen Bevölkerung und der wichtigen Bedeutung der Geldersparnisse zur Altersversorgung ist es für mich vom Verstand nicht nachvollziehbar dass die Bevölkerung derartige Experimente an der eigenen Währung duldet. Eine extreme Geldschöpfung führt zu einem Geldüberhang der Inflation, Inflationsschübe, völligen Vertrauensverlust auslösen kann. Bei einem Kollaps der Währung steht ein erheblicher Teil der Bevölkerung vor dem Nichts.

    In Fukushima hat es im Zuge eines Erdbebens mit Tsunami auch Reaktorunfälle mit sachlich gesehen sehr geringen Folgen gegeben. Diese Reaktorunfälle haben zusammen mit einer sehr unglücklichen Kommunikation eine Atompanik ausgelöst die > 100 Mrd. € Schaden für eine sinnlose Evakuierung etc. gekostet hat. Das Nicht - Wiederanfahren von knapp 50 umweltfreundlichen Kernkraftwerken kostet die Gesellschaft jährlich einen 2-stelligen Milliardenbetrag.

    Lediglich in der Einwanderungspolitik scheint man in Japan etwas weiser zu sein als in D. Soweit mir bekannt hat man letztes Jahr 14 Asylbewerber aufgenommen.

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