Bank von Japan lässt Zinsen unverändert
Japans Währungshüter überrumpeln die Märkte

Waffenstillstand im Währungskrieg? Nach der US-Notenbank bleibt auch die Bank von Japan bei ihrer gegenwärtigen Geldpolitik. Die Märkte reagieren überrascht: Der Yen stieg, die Aktienkurse fielen.

TokioJapans Notenbank hat zur Überraschung der Märkte ihre Geldpolitik nicht weiter gelockert. Einzig die Banken im südjapanischen Erdbebengebiet bekamen Hilfskredite. Der Yen stieg daher nach der Entscheidung abrupt um mehr als zwei Prozent gegenüber dem US-Dollar und dem Euro an. Im Gegenzug sackte der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt nach der Mittagspause zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent auf unter 16.800 Yen ab.

Die Bank von Japan folgte damit der US-Notenbank, die Zinsen vorerst unverändert zu lassen. Doch in Japan fiel die Reaktion der Finanzmärkte deutlich stärker aus. Denn viele Investoren und Analysten hatten erwartet, dass die Bank von Japan noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen wird, um schwaches Wachstum und fallende Inflationserwartungen anzukurbeln.

Am Donnerstagmorgen veröffentlichte Konjunkturdaten stärkten die Erwartungshaltung noch. Es gab zwar auch positive Botschaften: Die Arbeitslosenrate sank im März leicht auf 3,2 Prozent, die Industrie produzierte 3,3 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Doch ein wichtiger Leitmesser der Geldpolitik, die Preise (ohne leicht verderbliche Lebensmittel), fielen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozent.

Die Volkswirte von Barclays Capital senkten daraufhin ihre Inflationsprognose für das seit April laufende Bilanzjahr von null auf minus 0,2 Prozent. Der Yen fiel nach den Konjunkturdaten weiter, wohl weil die Anleger die Notenbank nun unter Zugzwang sahen, geldpolitisch mehr zu tun. Schließlich ist dieser Rückfall in die Deflation ein schwerer Schlag für die Geldpolitik der Notenbank.

Als der Notenbankchef Haruhiko Kuroda im April 2013 sein Amt antrat, versprach er, Japan mit der geldpolitischen Brechstange aus der Deflation zu befreien und innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren eine Inflationsrate von zwei Prozent zu erzeugen.

Er erhöhte dazu den Kauf von Staatsanleihen massiv. Keine Notenbank der Welt bläht ihre Bilanz aggressiver auf als die Bank von Japan. Der Kurs des Yen sackte daraufhin zwischenzeitlich um mehr als 50 Prozent ab und beflügelte die Gewinne der Exportkonzerne sowie die Kursfantasien der Anleger massiv.

Doch nach Anfangserfolgen sinken nicht nur die Preise wieder. Seit dem Crash der Shanghaier Börse rauscht auch der Yen so stark nach oben, dass die Aktienkurse in Sinkflug übergingen. Daraufhin schossen die Spekulationen ins Kraut, dass Japan entweder über eine Intervention des Finanzministeriums oder eine weitere geldpolitische Lockerung der Notenbank den Yen schwächen würde.

Doch Japans Notenbank ließ sich nicht beirren. Sie stand bei ihrer Auffassung, dass Japans Wirtschaft sich weiterhin auf einem Trend moderater Erholung befinde. Zwar erkennt die Bank an, dass Exporte und Produktion wegen der Abbremsung der Schwellenländer schwach sind. Aber der geldpolitische Ausschuss erwartet, dass die heimische Nachfrage anziehen wird.

Auch bei der Inflation sieht die Notenbank offenbar gegenwärtig keinen Handlungsbedarf. Zwar gestand sie zu, dass das Inflationsziel von zwei Prozent erst ein halbes Jahr später als bisher vorhergesagt im Jahr 2017 erreicht werden würde. Aber trotz derzeit fallender Preise stand sie bei ihrer Ansicht, dass die unterliegende Inflation steigt.

Die Notenbank erwartet, dass die Preise im laufenden Fiskaljahr 2016 um 0,5 Prozent und 2017 um 1,7 Prozent steigen werden. Bisher sagte die Notenbank einen Anstieg von 0,8 beziehungsweise 1,8 Prozent voraus.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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