Bankenaufseherin Frauke Menke
„Die Banken haben viel Vertrauen verspielt“

Frauke Menke überwacht bei der Bafin die Großbanken. Von einer Regulierungspause für die Kreditwirtschaft hält sie nichts. Menke fährt den Kurs von Minister Schäuble – und bringt sich für einen neuen Job in Stellung.
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FrankfurtDie Bankenaufseherin Frauke Menke gehört zum engen Favoritenkreis als Nachfolgerin für Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Bundesregierung und der Bundesbank. Menke ist Abteilungsleiterin bei der Finanzaufsicht Bafin und für Großbanken zuständig. Zum Kandidatenkreis für die Lautenschläger-Nachfolge gehört auch die Wirtschaftsweise Claudia Buch, wie das Handelsblatt weiter aus den Kreisen erfuhr.

Wunsch der Bundesregierung sei es, dass wieder eine Frau in den Vorstand der Bundesbank einzieht, hieß es in den Kreisen weiter. Eine Entscheidung ist nach Informationen dieser Zeitung noch nicht gefallen. Bundesbank und Bundesregierung haben demnach in der vergangenen Woche mit der Suche nach einer Nachfolgerin von Bundesbank-Vize Lautenschläger begonnen, die im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) den Platz von Jörg Asmussen übernehmen soll.

In Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dürfte Menke, deren Abteilung unter anderem für die Deutsche Bank und die Commerzbank zuständig ist, einen Fürsprecher haben. Jedenfalls hält die Bankenaufseherin wie der Minister derzeit nichts von einer Regulierungspause für die Kreditwirtschaft. „Man muss sehen, dass die Banken in den vergangenen Jahren viel Vertrauen verspielt haben, das noch nicht wiederhergestellt ist. Deshalb finde ich es folgerichtig, über weitere Regulierung zu sprechen“, sagte Frauke Menke, Leiterin der Aufsicht über die privaten Groß- und Auslandsbanken bei der Bafin, im Interview mit dem Handelsblatt. Schäuble hatte Anfang Dezember im Handelsblatt-Interview gerügt, dass Banken fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise immer noch sehr „kreativ“ dabei seien, Vorschriften zu umgehen.

Geht es nach Frau Menke, werden die Grenzen der Regulierung eng gezogen: „Man könnte über ein Verbot bestimmter besonders risikoträchtiger Geschäfte nachdenken.“ Idealerweise sollte das auf Basis international harmonisierter Regeln erfolgen. Menke warnt die Aufseherkollegen und die Politiker aber auch, sich mit zu komplexen Vorschriften zu verzetteln: „Wir brauchen daher dringend ein schlagkräftiges, aber einfaches Regelwerk.“

Die Bankenaufseherin nahm auch Stellung zu den laufenden Ermittlungen über mögliche Manipulationen an den Märkten. „Das Thema Benchmarks beziehungsweise Preisfestsetzungen insgesamt, also Libor, Devisenhandel sowie Gold- und Silberfixing, nehmen wir sehr ernst. Wir betreiben alle Untersuchungen sehr intensiv. Solange eine Untersuchung nicht endgültig abgeschlossen ist, kann man weder sagen, dass das Senior Management involviert war, noch, dass es nicht involviert war.“ Problematisch seien die vielen Kommunikationssysteme der Händler. „Hier wird man sich etwas überlegen müssen, damit nachträgliche Prüfungen leichter werden. Wenn man für die Wiederherstellung der Aufzeichnungen Monate braucht, dann ist das zu lang“, sagte Menke.

Das komplette Interview zum Download finden Sie hier im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Kommentare zu " Bankenaufseherin Frauke Menke: „Die Banken haben viel Vertrauen verspielt“"

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  • "Wenn der Tag der Unterschriftsreife kam, war Fr. Menke krank."

    Passt!
    Passt wirklich zur resoluten Geschäftsführung des Bundesfinanzministers Schäuble, der jüngst Herrn Fitschen vorhielt, die Schlupflöcher über Gebühr zu nutzen. Er sollte seinen eigenen Laden mal bestellen, statt Deutschland in immer tiefere finanzielle Löcher zu stürzen.

    Hätte der Bundesfinanzminister seine BaFin im Griff, würden wir derartiges nicht erfahren müssen. Dennoch erscheint dies als nicht mehr als die logische Konsequenz.

    Ergänzen wir die Kritik um die Person Elke König, dann brennt die Hütte aber richtig unter dem Dach.

    Unter solchen Vorzeichen sollte man die BaFin abschaffen, dann gibt es wenigstens einen plausiblen Grund weshalb wir künftig um unsere Einlage bei Banken und Versicherungen "erleichtert" werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Banken sollten sich einmal um eine Lobbyistin vom Format einer Elke König bemühen, dann ist Ruhe mit Aufsicht.

    Mehr geht wirklich nicht mehr.

    Andererseits müssen die Banken aber auch mehr Bescheidenheit üben. Wer Staatsanleihen im Depot hat und kein Eigenkapital dafür zurück legen muss, der muss still sein.

    Zugegeben, wie sollte sonst die Staatsfinanzierung durch die EZB auch laufen?

    Vergessen wir also, dass der Staat die Banken beaufsichtigt. Vergessen wir auch, dass der Bank die Sparer schützt. Schon zulange sind die Pläne und deren Realisierung auf Knopfdruck Wirklichkeit, die Sparer zu enteignen.

    Die Politiker formulieren in diesem Fall:
    "Euro-Finanzminister einig: Ein Durchbruch für die Bankenunion?"

    Richtigerweise müsste es sogar getitelt werden:
    "Euro-Finanzminister einig - Durchbruch für die Bankenunion"

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