Bernanke zur Finanzkrise
„Wir haben die Kernschmelze gestoppt“

Ohne die beherzten Schritte der US-Notenbank wäre die Weltwirtschaft zusammengebrochen: In seiner dritten Gastvorlesung verteidigt Fed-Chef Ben Bernanke seine Rolle in der Finanzkrise. Doch er räumt auch Fehler ein.
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WashingtonUS-Notenbankchef Ben Bernanke hat die Rolle der Federal Reserve in der Finanzkrise 2007 bis 2009 verteidigt. Durch eine „energische Antwort“ habe die Fed noch schlimmere Folgen für die Wirtschaft verhindert, sagte Bernanke am Dienstag vor Studenten in Washington. Auch wenn die Notenbank bei der Entstehung der Krise Fehler in der Aufsicht begangen habe, „haben wir die Kernschmelze des globalen Finanzsystems gestoppt“. Die milliardenschweren Rettungspakete, unter anderem für den Versicherungsgiganten AIG, seien nur „das geringere Übel“ gewesen. Hätte man die notleidenden Finanzkonzerne jedoch Pleite gehen lassen, hätte das unkalkulierbare Folgen gehabt.

In seiner dritten von vier Gastvorlesungen an der George-Washington-Universität ging es am Dienstag um die Entstehung der Finanzkrise ab 2007, deren Höhepunkt im Herbst 2008 und die Antwort der Fed. Die Große Depression in den 1930er-Jahren sei indes schlimmer gewesen, so Bernanke. Nicht zuletzt deshalb, weil die Fed dieses Mal richtig reagiert habe. Die Märkte und die Industrieproduktion hätten sich diesmal deutlich schneller erholt als damals. Entscheidend sei auch das koordinierte Vorgehen der Notenbanken weltweit gewesen.

Als im Sommer 2007 die Immobilienblase zu platzen begann, setzte die Fed in mehreren Schritten die Zinsen herab, von 5,25 auf 3 Prozent im Januar 2008. Doch die Krise verschlimmerte sich weiter: Im März 2008 brach die Investmentbank Bear Stearns zusammen und wurde nur durch einen von der Fed gestützten Notverkauf an die Großbank JP Morgan gerettet.

Höhepunkt der Krise war die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008, nicht von der Fed beaufsichtigt wurde“, wie Bernanke betonte. „Es war eine klassische Panik“, so der Notenbankchef. Finanzinstitute zogen scharenweise untereinander ihr Geld ab, niemand traute mehr dem anderen, die Zinsen am Interbankenmarkt stiegen dramatisch an. Gleichzeitig trocknete die Kreditversorgung der Unternehmen nahezu aus.

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Bernanke: AIG zu retten, war richtig

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  • Geschmiert von US-Banken und Fondsgesellschaften lügt der Mann doch, wenn er nur die Futterluke öffnet.

  • yeah.warum machen wir in deutschland nicht auch ne finanzwende? wenn man das weltweite finanzsystem mit fukshima vergleicht, dann ist bernanke wie der neue tepco-chef, der auch meinte, die kernschmelze ist gestoppt. hat ja nur ne große fläche verseucht. nicht weiter schlimm. wir haben alles unter kontrolle, halt bis zum nächsten knall. ich mach mir persönlich ab jetzt ein schönes leben. denn bald wirds wohl sehr ungemütlich auf der nordhalbkugel.


  • @siggi

    sehr schön und treffend analysiert. In Europa husten die Briten noch gewaltig ins Röhrchen..
    Das Finanzsystem is near rotten up...
    GR darf ncht fallen

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