BIZ-Bericht
Was die Zinswende bringt

Die Zinswelt in den USA und Europa geht bald auseinander. Während in den Vereinigten Staaten die Zinswende naht, bleibt in Europa alles beim Alten. „Die Notenbank der Notenbanken“ erklärt die Auswirkungen.

ZürichDie internationalen Finanzmärkte standen im zweiten Quartal im Bann der Notenbanken, der Krise in Griechenland und die Unruhe um China. „turbulent war wohl die herausragende Eigenschaft dieses Quartals“, sagte Claudio Borio, Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bei der Diskussion um den aktuellen Quartalsbericht der „Notenbank der Notenbanken“, wie die in Basel angesiedelte Institution auch genannt wird.

Vor allem die zunehmende Differenz des Zinsniveaus in der Eurozone und den USA in Erwartung einer baldigen Erhöhung der US-Leitzinsen hatten demnach Auswirkungen. So flossen laut der BIZ im ersten Halbjahr in Europäische börsengehandelte Fonds, so genannte ETFs (Exchanged Traded Funds), die in US-Bonds investieren, 4,8 Milliarden Dollar - mehr als im gesamten Jahr 2014, als die Zuflüsse vier Milliarden betrugen. 2013 waren es 3,4 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig nutzen Kreditnehmer in den USA das günstige Zins-Niveau in der Eurozone, um sich in Euro zu verschulden. Im zweiten Quartal betrug die Kreditaufnahme von US-Unternehmen in der Euro-Zone 30 Milliarden Euro. Die Emission von in Euro laufenden Anleihen von Unternehmen, die nicht Euro-Raum angesiedelt sind, legte auf Jahressicht um 14 Prozent zu.

Die Zinsdifferenzen zwischen dem Euro-Raum und den USA sorgte für eine Aufwertung der US-Währung. Dies - sowie die Abschwächung der Konjunktur in China - stellt laut BIZ aufstrebende Volkswirtschaften (Emerging Markets) vor eine „doppelte Herausforderung“. Zum einen sinken gerade für Rohstoff-Exporteure die Wachstumsaussichten, da im Zuge der Abkühlung in China die Rohwarenpreise stark gefallen sind; gleichzeitig haben sich viele Unternehmen in den Emerging Markets massiv in Dollar verschuldet - durch die Dollar-Aufwertung steigt nun die Schuldenlast.

Die Dollaraufwertung ist für die BIZ eine Ursache dafür, warum der Ölpreis weiter fällt. Denn in Dollar verschuldete Ölproduzenten würden ihre Produktion trotz Preisverfall nicht kürzen, um Einnahmen zu generieren, um die Schulden bedienen zu können. „Das akzentuiert den Druck auf den Ölpreis“, folgert die BIZ.

Wegen der damit verbundenen schlechteren wirtschaftlichen Perspektiven haben Länder wie China, Korea, Australien, Russland, Norwegen und Neuseeland ihre Leitzinsen weiter gesenkt. Brasilien sei hier ein Sonderfall, denn die Notenbank stehe einer steigenden Inflation und einer wirtschaftlichen Abkühlung gegenüber, weshalb die Zentralbank den Leitzins deutlich auf 14,25 Prozent erhöht hat.

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