Bundesbank-Bericht Deutschland stößt an seine Grenzen

Die deutsche Wirtschaft wird nach Aussage der Bundesbank auf Dauer nicht schneller wachsen können als die Produktionskapazität der Unternehmen. Die Experten gehen daher für die Zukunft von einem langsameren Tempo aus.
Update: 18.12.2017 - 16:23 Uhr 2 Kommentare
Bundesbank-Bericht: Deutschland stößt an seine Grenzen Quelle: dpa
Schweißerarbeiten in Fürstenwalde

Die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland dürfte angesichts der starken Konjunktur deutlich zunehmen.

(Foto: dpa)

Das sind starke Werte für deutsche Verhältnisse: Die Wirtschaft wuchs im laufenden Jahr um 2,6 Prozent und wird 2018 um weitere 2,5 Prozent zulegen. In den beiden Folgejahren sind es aber voraussichtlich nur noch 1,7 Prozent und dann 1,5 Prozent. Das haben die Experten der Bundesbank errechnet.

Dabei meinen sie die reale Zunahme des Bruttoinlandprodukts, die um Kalender-Effekte, also unterschiedliche Mengen an Arbeitstagen, bereinigt ist. Im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank heißt es daher: „Damit ergibt sich das Bild eines starken und zunehmend reifen Aufschwungs, dessen Wachstumstempo im Zeitablauf wegen nachlassender Nachfragezuwächse und vor allem aufgrund allmählich bindender angebotsseitiger Beschränkungen nachgibt.“

Mit den „angebotsseitigen Beschränkungen“ ist gemeint, dass die Wirtschaft auf Dauer nicht schneller wachsen kann als die Produktionskapazität der Unternehmen. Allerdings glauben die Bundesbanker, dass die „lebhafte Nachfrage“ die Unternehmen zu Investitionen ermuntert.

Aber wer produzieren will, braucht dazu neben Maschinen auch Leute. Und hieraus ergeben sich weitere Einschränkungen. Im Ökonomen-Deutsch heißt das: „Während angesichts der starken Konjunktur die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter deutlich zunehmen dürfte, wird die Zahl der potenziell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte zukünftig ganz erheblich langsamer wachsen.“

Der Arbeitsmarkt hängt sehr eng mit dem Kerngeschäft aller Notenbanken zusammen: den Anstieg der Preise zu kontrollieren. In dem Punkt gibt es zunächst einmal Entwarnung: „Gemessen an der hohen Anspannung am Arbeitsmarkt steigen die Tarifverdienste auch im Jahr 2017 lediglich verhalten“, heißt es.

Ein Grund dafür war offenbar die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern. Für 2018 erwartet die Bundesbank aber „spürbar höhere Abschlusssätze“ bei den Tarifrunden zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Doch ihre Prognosen für den Preisanstieg liegen für 2017 und die beiden folgenden Jahre bei 1,6 bis 1,7 Prozent, also noch unter dem offiziellen Ziel der Geldpolitik von knapp zwei Prozent.

Indirekt setzt sich die Notenbank auch mit der Kritik aus dem Ausland an den hohen deutschen Exportüberschüssen auseinander, die vor allem innerhalb des Euro-Raums zu Spannungen beiträgt. Daher heißt es: „Von der hohen Nachfrage Deutschlands nach ausländischen Produkten sollten andere Euro-Mitgliedsländer wegen ihrer steigenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit besonders profitieren.“ Allerdings wird sich der Überschuss der Leistungsbilanz, die außer dem Außenhandel noch weitere Komponenten enthält, nach der Bundesbankprognose in den kommenden Jahren „nur wenig verringern“.

Nur am Rande streift der Monatsbericht ein anderes, noch heißeres politisches Thema. Zu Staatsausgaben für Flüchtlinge heißt es: „Die diesbezüglichen Mittel dürften nunmehr spürbar zurückgehen.“ Eine vorsichtige Entwarnung gibt es auch beim Thema der Wohnimmobilien. Die Experten sprechen zwar von „nach wie vor hohen Preiszuwächsen“, sehen aber schon im laufenden Jahren und auch danach einen abnehmenden Druck ¬ auch deswegen, weil wieder mehr gebaut wird.

Insgesamt ist der Bericht bei aller Nüchternheit doch ein Ausdruck von großem Optimismus: Es geht aufwärts, aber es droht auch keine Überhitzung.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Bundesbank-Bericht - Deutschland stößt an seine Grenzen

2 Kommentare zu "Bundesbank-Bericht: Deutschland stößt an seine Grenzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Volk will Wachstum, das Volk interessiert sich nicht für soziale Themen, für Umweltschutz oder für Demokratie.

    Wir wollen Diktatur und Wachstum und wir sind auf einem guten Weg auch wenn noch Sandkörner im Weg stehen.

    Das könnte glatt vom Baron kommen :).

  • Sehr geehrter Herr Wiebe,

    für das Jahr 2017 hatte die Bundesbank ursprünglich ein BIP-Wachstum von 1,9 % angenommen. Nunmehr veranschlagen die Herren den Zuwachs mit 2,6 %. Das ist eine schlappe Abweichung um 37 % und alles andere als ein Ruhmesblatt. Angesichts solcher Diskrepanzen verbietet es sich, den Prognosezeitraum auf 3 Jahre auszuweiten. An Kaffeesatzleserei hat niemand Interesse.

    Eine der größten Schwachpunkte der Bundesbankprognosen sind die Schätzungen über die künftige Entwicklung des "Produktionspotentials". Das liegt daran, dass die Produktionskapazitäten der deutschen Wirtschaft nicht nur vom technischen Fortschritt und den Investitionen abhängen, sondern auch von der Einstellung von Arbeitskräften, die nach dem Wahlprogramm von CDU/CSU zur Vollbeschäftigung führen soll. Beide Faktoren (Investitionen/Neueinstellungen) auf längere Sicht zu schätzen, ist praktisch unmöglich. Auch für die Volkswirte im Dienste der Bundesbank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%