Bundesbank-Konferenz Notenbanker bleiben trotz jüngstem Börsenbeben ruhig

Die Chefs von Fed und Co. lassen sich von den jüngsten Tumulten an der Börse offenbar nicht beeindrucken. Sie wollen an ihrer Zinspolitik festhalten.
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Komplett beenden will die EZB ihre Anleihenkäufe laut Peter Praet erst, wenn die Inflation stärker anzieht. Quelle: dpa
EZB-Chefvolkswirt Peter Praet

Komplett beenden will die EZB ihre Anleihenkäufe laut Peter Praet erst, wenn die Inflation stärker anzieht.

(Foto: dpa)

FrankfurtNach den jüngsten Börsenbeben signalisieren Währungshüter rund um den Globus eine Politik der ruhigen Hand. Dass die US-Notenbank (Fed) angesichts der brummenden Konjunktur überreagieren werde, sei ein „Irrglaube“, betonte der Chef der Fed von San Francisco, John Williams. Sie werde vielmehr an „stetigen, schrittweisen“ Zinserhöhungen festhalten. Fed-Kollege Robert Kaplan vermittelte die gleiche Botschaft. Er sei dafür, der Konjunktur im Aufschwung „allmählich und behutsam“ die geldpolitische Hilfe zu entziehen, sagte der Präsident der Fed von Dallas am Donnerstag in Frankfurt auf einer Konferenz von Bundesbank, European Money and Finance Forum (SUERF) und dem Global Interdependence Center (GIC) zur Geld- und Wirtschaftspolitik in Europa und den USA.

Befürchtungen, die Zinsen könnten wegen der steigenden Inflation stärker angehoben werden, hatten in den vergangenen Tagen weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. In Japan und im Euro-Raum, wo beim Leitzins noch immer die Null steht, signalisierten die Währungshüter den Märkten ebenfalls Kontinuität. „Selbst wenn die Anleihenkäufe beendet sein werden, wird die geldpolitische Linie locker bleiben“, sagte Bundesbankchef Jens Weidmann.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre monatlichen Anleihenkäufe, die für mehr Preisauftrieb im Währungsraum sorgen sollen, ab Januar auf 30 Milliarden Euro halbiert. Komplett beenden will sie sie laut ihrem Chefvolkswirt Peter Praet aber erst, wenn die Inflation stärker anzieht. „Wir benötigen Geduld, denn es braucht Zeit, bis sich Preisdruck aufbaut“, sagte er. Die Kriterien für einen nachhaltigen Anstieg der Teuerung in Richtung Notenbank-Zielmarke seien noch nicht erfüllt.

Auch in Japan will die Notenbank (BoJ) vorerst an diesem Mantra festhalten: Zentralbankchef Haruhiko Kuroda betonte vor dem Abgeordnetenhaus in Tokio: Es sei zu früh, darüber zu sprechen, wie eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik gestaltet werden sollte. Die BoJ will mit der seit Jahren betriebenen Geldschwemme dafür zu sorgen, dass die Inflationsrate bis Anfang des kommenden Jahrzehnts die Marke von zwei Prozent erreicht. Doch der Preisauftrieb verharrt aktuell noch unter der Ein-Prozent-Marke.

Nicht beunruhigt, aber „sehr wachsam“

In den USA hofft die Notenbank hingegen, noch dieses Jahr ihr Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen - einen Wert, den sie seit Jahren verfehlt. Zuletzt hatten stark steigende Löhne im Januar Spekulationen ausgelöst, die Fed könne 2017 mehr als die bislang signalisierten drei Zinsschritte nach oben unternehmen. Dies schürte Ängste an den Märkten: Die US-Börsen stürzten zu Wochenbeginn ab: Der Dow-Jones-Index fiel um 4,6 Prozent oder mehr als 1000 Punkte auf 24.346 Punkte, bevor sich die Lage in den Folgetagen stabilisierte.

US-Währungshüter Kaplan sagte, er verfolge solche Turbulenzen „sehr wachsam“. Es gelte abzuwarten, ob sich der Kurssturz auf die Wirtschaft ausgewirkt habe. Für 2018 lägen die Wachstumsprognosen zwischen 2,5 und 2,75 Prozent. „Wir erwarten, dass die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf unter vier Prozent sinkt.“ Damit hätte die Fed ihr Ziel Vollbeschäftigung quasi erreicht. Kaplan geht trotz der jüngsten Kurskapriolen weiter grundsätzlich davon aus, dass drei Zinsschritte in diesem Jahr ausreichen sollten.

  • dpa
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