Bundesbank-Präsident
Weidmann sieht Perspektive für Abkehr von lockerer Geldpolitik

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bekräftigt in einem Interview seine Forderung, das Zinsniveau in der Eurozone wieder anzuheben. Die Europäische Zentralbank dürfe möglichem Druck der Euroländer nicht nachgeben.
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FrankfurtDie EZB sollte aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bei einer Normalisierung ihrer Geldpolitik möglichem Druck der Euro-Länder nicht nachgeben. Wenn die Teuerung anziehe, müsse die Notenbank geldpolitisch straffen, sagte Weidmann der „WirtschaftsWoche“ laut Vorabbericht vom Freitag. „Und wir dürfen dabei keine Rücksicht auf die Finanzierungslasten der Staaten nehmen.“ Es werde erwartet, dass in der Euro-Zone der Auslastungsgrad in der Wirtschaft zunehme und der Preisdruck steige. „Das eröffnet die Perspektive auf eine geldpolitische Normalisierung.“

Weidmann warnte zudem davor, die Zinsen zu lange niedrig zu halten. Die Phase der Tiefzinsen dürfe nicht zu lange dauern. „Und im Aufschwung müssen die geldpolitischen Zügel zügig und konsequent angezogen werden.“ Die EZB hält ihre Leitzinsen schon seit längerem auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem erwerben die Euro-Wächter seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Weidmann stand diesen Käufen, die Ende Dezember ein Gesamtvolumen von 2,3 Billionen Euro erreichen sollen, stets kritisch gegenüber. Es wird erwartet, dass die EZB angesichts der wirtschaftlichen Erholung im Währungsraum auf ihrer nächsten Zinssitzung am 26. Oktober beschließen wird, die Käufe ab Januar 2018 herunterzufahren.

Ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent wird die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht von Weidmann erreichen. Es liege an vorübergehenden Faktoren wie dem Schuldenabbaus der Regierungen, der Unternehmen und privaten Haushalte, dass dies noch nicht der Fall sei. Die Inflation im Währungsraum lag im September lediglich bei 1,5 Prozent. Eine Änderung des Inflationsziels lehnt der Bundesbank-Präsident ab. Die Preiserwartungen würden dann zu entankern drohen. Dies würde der Notenbank das Leben noch schwerer machen. „Es würde unserer Glaubwürdigkeit schaden.“

In dem Interview äußerte sich Weidmann zudem kritisch zu Überlegungen, die Euro-Zone zu einer Fiskalunion auszubauen. Weitere Integrationsschritte erforderten verlässliche fiskalpolitische Regeln, sagte er. Für einen Umbau der Euro-Zone in eine fiskalische und politische Union müssten die Staaten Souveränitätsrechte abgeben. „Dies würde eine Änderung der EU-Verträge erfordern. Dafür sehe ich derzeit keine Bereitschaft.“ Ohne ein Gleichgewicht von Handeln und Haften könne keine stabile Fiskalunion aufgebaut werden: „Wenn einer bestellt und dann andere bezahlen, geht das nicht lange gut.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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