Bundesbank-Präsident zur EZB-Strategie
Weidmann wünscht sich weniger lockere Geldpolitik

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wünscht sich einen weniger expansiven Kurs der Europäischen Zentralbank in der Geldpolitik. Er sehe die Gefahr, dass die lockere Geldpolitik länger dauere als unbedingt nötig.
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DüsseldorfBundesbank-Präsident Jens Weidmann hält den aktuellen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) für zu locker. „Ich würde gerne einen weniger expansiven Kurs sehen“, sagte Weidmann bei einer Diskussionsveranstaltung der „Rheinischen Post“ am Montag in Düsseldorf.

Der Bundesbank-Präsident hatte bereits bei früheren Veranstaltungen gesagt, dass man über den aktuellen Expansionsgrad geteilter Meinung sein könne. Er sehe die Gefahr, dass die lockere Geldpolitik länger dauere als unbedingt nötig, sagte Weidmann.

Die Inflation im Euro-Raum lag im Februar mit 2,0 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder leicht über der Zielmarke der Notenbank von knapp unter zwei Prozent. Das hatte insbesondere in Deutschland die Rufe nach einem Ende des ultraexpansiven Kurses wieder lauter werden lassen.

„Die Inflationsraten sind relativ hoch und insgesamt im Einklang mit der Zielmarke“, sagte Weidmann. „Wir haben aber keine nachhaltige Preissteigerung.“ Der jüngste Inflationsanstieg war vor allem ölpreisgetrieben. Die Kernrate, die schwankungsreiche Öl- und Lebensmittelpreise ausklammert, verharrt hingegen schon seit Monaten bei Werten unter einem Prozent.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet verweist deshalb darauf, dass der aktuelle Inflationsanstieg vor allem auf vorübergehenden Faktoren beruht. Damit sich mehr Inflationsdruck aufbaut sei nach wie vor ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung erforderlich.

Die EZB hält die Leitzinsen im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent. Um die Konjunktur anzuschieben und um für mehr Inflation zu sorgen, pumpt die Euro-Notenbank zudem seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem.

Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. Weidmann stand den Anleihekäufen von Anfang an kritisch gegenüber.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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