Chaos am Markt
Ausstieg aus lockerer Geldpolitik macht IWF Sorgen

Regen oder Traufe? In einem Bericht warnt der IWF vor Fehlern beim Ausstieg aus der Niedrigzins-Politik der Notenbanken - und gleichzeitig vor möglichen Folgen einer länger anhaltenden ultralockeren Geldpolitik.
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Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) fürchtet massive weltwirtschaftliche Verwerfungen, wenn die großen Notenbanken beim Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik Fehler begehen. "Scheitert man, die richtige Geschwindigkeit für den geldpolitischen Normalisierungsprozess zu finden, könnte das ganz erhebliche negative Folgen haben", warnte der Fonds in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Kurzfristig habe die Politik in den wichtigsten Wirtschaftsräumen dazu beigetragen, Herausforderungen etwa im Euro-Raum zu meistern. Ihre Mischung aus geld- und finanzpolitischen Instrumenten berge aber längerfristig große Risiken. Zudem würden durch diesen unausgewogenen Mix erhebliche Wachstumschancen verschenkt.

Der IWF nimmt in dem Bericht die Politik der "Systemischen Fünf" (S5) - die USA, China, die Euro-Zone, Japan und Großbritannien - ins Visier. Sie habe zumindest kurzfristig positiv auf das eigene und das weltwirtschaftliche Wachstum gewirkt und drohende Krisen mit hohen Wachstumsverlusten abgewendet.

Andererseits werde das Wachstumspotenzial von diesen Wirtschaftsmächten nicht voll ausgeschöpft. Würden sie einen besseren Politik-Mix verfolgen, zum Beispiel konsequenter Strukturen reformieren, könnte die globale Wirtschaftsleistung langfristig drei Prozent höher ausfallen als momentan erwartet.

Sorge bereitet dem IWF vor allem der absehbare Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik in den großen Industrieländern. Einer solchen Geldpolitik wohnten Risiken inne, die sich, wenn sie ausläuft, in ungeordneten Marktentwicklungen niederschlagen könnten, warnte der Fonds. Die hohe Volatilität an den Märkten in den vergangenen Wochen belege diese Gefahren.

Generell gelte: je länger die Geldpolitik locker bleibt, desto größer werde das Risiko von Negativeffekten. Zudem berge sie die Gefahr, dass nötige Reformen unterbleiben. Würde die Politik ihre ureigenen Instrumente - finanzpolitischer Art und Strukturreformen - besser nutzen, müsste sie sich weniger auf die stark expansive Geldpolitik zur Problemlösung verlassen, klagte der Fonds.

EZB-Präsident Mario Draghi hat gerade erklärt, die EZB werde an ihrer expansiven Geldpolitik so lange festhalten, wie dies nötig sei. Die US-Notenbank Fed hat zwar vor einiger Zeit signalisiert, dass ihre stimulierende Geldpolitik in absehbarer Zeit auslaufen könnte, jedoch hält sie den Zeitpunkt dafür für noch nicht gekommen, wie sie am Mittwoch erklärte.

Hausaufgaben gibt es nach Ansicht des IWF in allen großen Wirtschaftsräumen zu erledigen: Strukturreformen in Europa und Japan, glaubwürdige mittelfristige Strategien zur Haushaltssanierung in den USA und Japan sowie kurzfristig mehr Gewicht für Wachstum in der Budgetpolitik der Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Bis auf China sei in den genannten Regionen eine weiterhin konjunkturstützende Geldpolitik nötig.

In der Euro-Zone müsse zudem die Fragmentierung des Banken-Sektors mit der geplanten Bankenunion beseitigt werden. Auch in China gebe es auf etlichen Feldern Reformbedarf.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • 2.8.13 Noch ist es nicht so weit mit dem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Doch wenn er kommt, wird es an den Anleihe- und Aktienmärkten krachen. Und dies wird Folgen für die Krise haben. Sie könnten sich heftig verstärken. Kein Zweifel, die Notenbanken EZB/EU, FED/USA und BoJ/Japan halten die Geldschleusen noch weit offen. So bleibt es bei niedrigen Spar- u. Kreditzinsen. Geht auch gar nicht anders. Wie könnten hoch verschuldete Staaten Europas inkl. Japan und USA ihre Staatshaushalte einschl. der Kreditprolongationen anders finanzieren. Die Alternative mit steigenden Zinsen wäre der Staatsbankrott mit angeschlossenem Schuldenschnitt und Währungsreform. Alles scheint ein Spiel mit der Zeit. Jeder offene Wechsel kommt irgendwann zur finalen Vorlage. Dann ist Zahltag für die Schuldenstaaten. Bis dahin mag Zeit ins Land laufen. 2015 oder danach? Doch was, wenn die Inflation das Traben beginnt? Dann zahlen die Sparer die finale Rechnung für den Raubeinkapitalismus auf brutale Weise. Noch-Vorteile dagegen für Aktionäre, Kreditnehmer und andere Sachwerthalter. Fragt sich, wie lange? Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

  • "Wo ist das Geld???"

    einfach mal ein paar Runden "Monopoly" spielen - zum Spielbeginn gleich mit der real existierenden Ungleichverteilung die Straßen verteilen, und mit Häusern und Hotels zustellen.

    Wer nicht zahlen kann, bekommt dann eben einen Kredit.
    Ansonsten wäre das "Spiel" ja schon gleich wieder vorbei ...


    Und Nein: die AfD ist da auch keine Alternative. Im Gegenteil.

  • Die Krise wird kommen, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche
    Beginnen wrden einige Großkonzerne, die ja heute schon taumeln. Z.B. Siemens, Thyssen-Krupp, die sich mit Auslandsspielereien total überfordert haben
    Wir wrden im Grunde genommen eine 2. Nachkriegszeit bekommen, lediglich ohne Kaputte Häuser
    Und um das alels wieder in den Griff zu bekommen, werden wir eine Währungsreform bekommen

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