Deflation und ihre Folgen
Jagt die EZB ein Gespenst?

Die Preise in der Eurozone steigen kaum noch. EZB-Chef Draghi sieht sich deshalb zum Handeln gezwungen. Doch wäre eine Deflation wirklich so schlimm? Ein Pro und Contra über den Nutzen und Schaden sinkender Preise.
  • 44

DüsseldorfDer sinkende Ölpreis lässt die Inflation in Deutschland purzeln. Um durchschnittlich 0,6 Prozent sind die Verbraucherpreise im November gestiegen – der niedrigste Wert seit Februar 2010. Besonders an der Tankstelle und beim Heizen müssen die Verbraucher nun nicht mehr so stark in die Tasche greifen.

Doch die Freude darüber teilt nicht jeder. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Entwicklung der Preise in der Euro-Zone und auch in Deutschland mit Sorge. Mit drastischen Mitteln stemmt sie sich gegen den Preisverfall: So hat die EZB den Zins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und will nun in großem Umfang Wertpapiere wie Kreditverbriefungen kaufen. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Frische Zahlen aus Brüssel scheinen die Furcht der Notenbanker zu bestätigen: Die Verbraucherpreise lagen im November nur 0,3 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Im Oktober lag die Teuerungsrate noch bei 0,4 Prozent.

EZB-Chef Mario Draghi erwägt zusätzliche Maßnahmen wie etwa den Ankauf von Staatsanleihen, um die unerwünscht niedrige Inflation anzuheizen. „Die Diskussion über zusätzliche Lockerungsmaßnahmen der EZB dürfte weitergehen“, prophezeit Ökonom Johannes Jander von der Helaba. Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner erwartet, dass „die EZB bald in großem Stil Staatsanleihen“ kaufen wird. Mit dem Rückgang der deutschen Inflationsrate im November dürfte „das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein“.

Doch wäre Deflation überhaupt so schlimm? Ein Pro und Contra von zwei Handelsblatt-Redakteuren.

Kommentare zu " Deflation und ihre Folgen : Jagt die EZB ein Gespenst? "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • In der Satzung der EZB ist die Stabilität der Preise ganz wichtig und steht so im Statut.
    Von der 2% Inflation als unbedingte Notwenigkeit-lese ich da nichts.Da ist eine Erfindung Draghis.
    1999 hatten wir nur 0,5% an Inflation in der Eurozone.Aber 3% Zinsen.Also hätte es damals 0 Zinsen und andauerende EZB-Interventionen geben müssen.Und gab es diese ?Nein.Und warum nicht?Weil der EZB Chef nicht Draghi hieß-ganz einfach.

  • Der Maastrichter Vertrag sieht Preisstabilität bei 0 Prozent Inflation. Die 2 Prozent sind eine eine Erfindung der EZB. Wenn Staaten wider der Vernunft höhere Preise wollen, dann brauchen diese doch nur die Mehrwertsteuer erhöhen.

  • Herr Cal Andersen@
    Es geht nicht um Recht sondern um Pleite oder nicht und zwar auch für Deutschland. Ohne die EZB ist auch Deutschland am Anschlag oder wie sollen die "normalen" Zinsen bezahlt werden? Im Übrigen ist das unser Geld und dafür zahlt man keine Zinsen, denn es kann nur vom Eigentümer also dem Volk geschöpft werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%