Die Fed und der US-Zinsentscheid
Geld soll wieder Geld kosten

Nach fast zehn Jahren im Dauertief könnte US-Notenbankchefin Janet Yellen heute Abend die Zinswende verkünden. Sich Geld zu leihen würde wieder teurer. Sind wir wirklich bereit für die Rückkehr zur Normalität?
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New YorkIm bekannten Theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett bleibt Godot bis zum Schluss eine geheimnisumwitterte Person. Und Godot erscheint nie, das Warten ist vergebens. Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank (Fed), wird trotz ihrer Bemühungen um eine klare Kommunikation auch immer etwas geheimnisumwittert bleiben. Allein schon, weil Geldpolitik so kompliziert ist. Und für eine Weile hatte man den Eindruck, dass das Drama um eine erste Zinserhöhung der Fed seit fast zehn Jahren noch eine weitere Parallele zu Becketts Stück aufweist: Sie wurde immer wieder verschoben, so dass man zu zweifeln begann, ob sie überhaupt noch kommt.

Immer wieder schien die Erholung der Konjunktur doch zu schwach oder die Inflation zu niedrig, oder die Märkte spielten gerade ein bisschen verrückt. Im Sommer gab es Stimmen, die vermuteten, die Fed habe den richtigen Zeitpunkt schon verpasst.

Doch an diesem Mittwoch wird die Fed zur Tat schreiten, wenn bis mittags um zwei Uhr Ortszeit in Washington nicht noch die Welt untergeht. Yellen und andere Geldpolitiker haben so deutlich davon gesprochen, dass sie kaum noch zurück können.

Wie bestellt hat auch noch die so genannte Kern-Inflationsrate etwas angezogen, bei der die zuletzt sehr schwachen Energiepreise nicht berücksichtigt werden. Sie liegt jetzt rund zwei Prozent über dem Vorjahreswert und damit bei der Zielmarke der US-Geldpolitiker.

Es kann als sicher gelten, dass der erste Zinsschritt weg von nahe Null ein viertel Prozentpunkt betragen wird. Die Investoren werden daher auf andere Dinge achten: die Andeutungen Yellens über die künftige Geldpolitik im Jahr 2016, und die wirtschaftlichen Prognosen der Fed-Entscheider, die so genannten „Dots“.

Jeder erwartet, dass Yellen sehr stark betonen wird, dass die Geldpolitik auch nach der Erhöhung die US-Konjunktur noch deutlich unterstützt – und dass es im kommenden Jahr langsam weitergehen wird. Viele Beobachter rechnen wohl auch damit, dass die Dots etwas gesenkt werden und damit die Sichtweise der Fed und die pessimistischeren Prognosen der Märkte sich annähern.

Wie die Märkte reagieren, ist kaum vorauszusehen, vielleicht erleichtert, wenn alles so kommt wie erwartet. Als die Fed Ende 2013 begann, ihre regelmäßigen Anleihekäufe einzuschränken, blieb alles ruhig, nachdem die Märkte im Vorfeld zum Teil sehr nervös agiert hatten. Aber dafür gibt es keine Garantie.

Vielleicht reagieren die Märkte auch negativ, wenn Yellen sich nicht ganz so vorsichtig äußert, wie viele erwarten. Möglicherweise gibt es auch auf den ersten Blick unverständliche Reaktionen, die allein auf den komplizierten Zusammenhängen zwischen Termin- und Kassamärkten beruhen. Dann ist die Versuchung für Kommentatoren sehr groß, in diese Reaktionen fundamentale Gründe hinein zu interpretieren, die sich anschließend schnell als heiße Luft entpuppen.

So gut wie sicher ist nur eins: Godot kommt. Geldpolitik ist zwar oft verwirrend, aber am Ende doch kein absurdes Theater.

Kommentare zu " Die Fed und der US-Zinsentscheid: Geld soll wieder Geld kosten"

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  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • Was für eine gewaltige Wende, 0,25%. Eine Welt bricht zusammen.

    Für mehr reicht es leider nicht da die meisten Staaten und Firmen dann pleite sind. Was dann VW mit ihren 100 Milliarden Schulden machen wird der VW Aktionär noch zu spüren bekommen.

  • Also wenn mans auf Straßenjargon übersetzt heisst die Entscheidung nur: Bricht sich die FED-Clique selbst die Beine oder warten Sie bis jemand kommt und Ihnen die Beine bricht! Russland begibt Anleihen Mitte 2016 in Yuan, will seine BIZ-Zentralbank abschaffen, China ist im IWF und legt bald seinen Wechselkurs auf einen Währungskorb gerechneten Kurs weg von der Dollarbindung! (Ja, China darf das, da Ihre NATIONALbank staatlich ist)! Also gespannt...

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