Die Instrumente der EZB
Mario Draghis Trickkiste

Seit Monaten hält die EZB die Mini-Inflation mit Anleihekäufen am Laufen. Im Dezember will sie prüfen, ob die Maßnahme Wirkung zeigt. Sollte das nicht der Fall sein, stehen den Notenbankern vier Optionen offen.

FrankfurtIm Dezember will die EZB prüfen, ob ihre Geldpolitik die Konjunktur und Inflation ausreichend stimuliert. Bis dahin sollen Ausschüsse der Zentralbank die Vor- und Nachteile einzelner Maßnahmen genauer untersuchen. Für eine geldpolitische Lockerung kommen vor allem vier Optionen infrage:

1. Verlängerung der Anleihekäufe
Seit März kauft die EZB monatlich Wertpapiere der Euro-Länder im Wert von 60 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten diese Käufe bis September 2016 laufen. Allerdings könnte Draghi bereits jetzt ankündigen, dass sie über diesen Zeitraum hinaus fortgesetzt werden. Ohnehin ist schwer vorstellbar, dass die EZB die Käufe abrupt auf null herunterfährt.

2. Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe
Ein stärkeres Signal ginge von einer Ausweitung der monatlichen Käufe aus. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält dies deshalb für etwas wahrscheinlicher als eine bloße Verlängerung des Anleihekaufprogramms über September 2016 hinaus. Allerdings könnte dies zu dem Problem führen, dass einzelne Staatsanleihen knapp werden. Denkbar wäre dann, dass die EZB zum Beispiel noch andere Wertpapiere wie Unternehmensanleihen kauft.

3. Senkung des Einlagenzinses
Bereits im Sommer vergangenen Jahres hat die EZB als erste große Notenbank einen Strafzins von minus 0,2 Prozent für Bankeinlagen eingeführt. Nun hat Draghi hier weiteren Spielraum signalisiert. Allerdings ist dieses Mittel im EZB-Rat sehr umstritten. Mehrere EZB-Vertreter haben zuletzt signalisiert, dass eine Senkung des Einlagenzinses weniger bringen würde als als eine Verlängerung oder Aufstockung der Anleihekäufe.

4. Änderung der Zusammensetzung der Käufe
Derzeit kauft die EZB am Markt die Anleihen der Euro-Länder entsprechend ihres Kapitalschlüssels auf. Das heißt: Sie kauft vor allem deutsche Bundesanleihen. Allerdings ist der langfristige Zins in Deutschland bereits sehr niedrig. In anderen Euro-Ländern wie zum Beispiel Italien oder Spanien gibt es noch größeren Spielraum nach unten. Die Effektivität der Anleihekäufe könnte deshalb größer sein, wenn die Zentralbank ihre Käufe stärker auf die Länder fokussiert, die höhere langfristige Zinsen zahlen. Allerdings wäre ein solcher Schritt politisch extrem umstritten. Denn hinter den Zinsdifferenzen steht auch eine unterschiedliche Fiskalpolitik. Länder mit größeren Defiziten müssen in der Regel mehr Zinsen zahlen. Mit einem solchen Eingriff würde die EZB schlechte Haushaltspolitik belohnen, sagen Kritiker.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%