Die Vorteile der eigenen Währung

Der Luxus einer eigenen Währung

Mit einer eigenen Währung manövrieren die Schweiz und Großbritannien durch die Euro-Krise. Für sie bieten sich Chancen. Die Schweiz hat dank der Euro-Krise riesige Devisenreserven angehäuft - und macht satte Gewinne.
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Die Schweizer sind froh über ihren Franken. Quelle: Getty Images

Die Schweizer sind froh über ihren Franken.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Schweiz will für den Ernstfall gewappnet sein. „Wir müssen auch für den Fall der Fälle vorbereitet sein, dass die Währungsunion zusammenbricht, obwohl ich nicht damit rechne“, hatte der Präsident der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, im Mai in einem Interview gesagt. Ein Euro-Zusammenbruch wäre der schlimmste denkbare Fall. Für wahrscheinlicher hält Jordan eine längere Phase größerer Schwierigkeiten in der Euro-Zone. Die Situation werde sich erst beruhigen, wenn die Spar- und Reformanstrengungen in der Eurozone wirkten.

Die Schweiz kann die Probleme in der Euro-Zone aus der Distanz betrachten. Sie ist weder Mitglied der EU noch der gemeinsamen Währungsunion. Die Probleme in der Euro-Zone treffen zwar auch die Schweiz - aber sie bieten dem Land auch Vorteile.

Eindrucksvoller Beleg dafür sind die Schweizer Devisenreserven. Kaum eine Zentralbank auf der Welt hat so viel Geld auf der hohen Kante liegen, wie die Schweizer Nationalbank. Fast 400 Milliarden Franken - zwei Drittel der Schweizer Wirtschaftsleistung - haben die Schweizer in ausländischen Wertpapieren angelegt. Über die genaue Anlageform ihrer Devisenreserven hält sich die Schweizer Nationalbank zwar bedeckt. Vermutlich aber hat sie einen Großteil in ausländischen Anleihen mit Top-Bonität investiert und einen geringen Teil in ausländischen Aktien.

Die hohen Devisenreserven der Schweiz sind das Resultat der Kopplung des Schweizer Frankens an den Euro. Die Schweizer Nationalbank hat einen Mindestkurs von 1,20 Franken für den Euro festgelegt. Die Konsequenz:Wenn der Euro gegenüber dem Franken schwächelt, interveniert die Schweizer Nationalbank. Sie kauft so viel Euros, wie nötig sind, damit der Euro-Kurs nicht unter 1,20 Franken fällt. Die Euros zahlt sie, indem sie ihre Geldmenge ausweitet und frische Franken druckt. "Durch die Interventionspolitik sind die Devisenreserven der Schweizer Nationalbank in den letzten Monaten stark gestiegen," sagt Michael Lamla von der Schweizer Konjunkturforschungsstelle (KOF) aus Zürich.

Ein einträgliches Geschäft für die Schweiz
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24 Kommentare zu "Die Vorteile der eigenen Währung: Der lukrative Sonderweg"

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  • Schon erstaunlich wie Journalisten immer wieder einfach eine These nach ihrem Gusto zurechtbiegen können. Deutschland geht es heute nicht mehr so hundsmiserabel weil es einen schwachen Euro gibt. Die Arbeitslosigkeit ist zurück gegangen, die Löhne sind tief geblieben. Deshalb steht Deutschland wirtschaftlich gut da und drückt mit seiner Produktivität Resteuropa an die Wand. Niemand kann zu Preisen und Qualität der Deutschen produzieren, so die Länder überhaupt noch etwas produzieren. Das ging auf Kosten der Deutschen Arbeiter. Denen geht es nicht wesentlich besser. Es gibt doch immer noch viel zu viele die zwar Arbeiten, dafür aber fast nix erhalten. Die Produktivitätssteigerung ist in den Firmenkassen geblieben. Was würde passieren, wenn der Euro um die Ohren geflogen käme? Die Neu-D-Mark würde sofort 30-40 % gegenüber den anderen Währungen aufgewertet und futsch wäre es mit dem Produktivitätsnachteil. Es erginge Deutschland wie es der Schweiz ergangen ist. Nur, die Schweiz kann Devisen kaufen aber Deutschland könnte es nicht im selben Ausmass. Defacto ist die Schweiz zurzeit dem Euro beigetreten, man kann aber nicht aus dem Euro austreten um ihm mit Devisenkäufen wieder beizutreten. Es gibt kein Ende ohne Schrecken.

  • Der Sonderweg von Großbritannien und der Schweiz zeigt das deutsche Fiasko, wenn man die Währungssituation vergleicht. Beide Länder wussten sehr genau, dass es ein Fehler wäre der Währungsunion beizutreten. Während die Schweiz sagenhaft von ihrer Stabilität profitiert, wird Deutschland in den Strudel gerissen, und zwar über Target-2 Forderungen und anderen Verbindlichkeiten von knapp 800 Mrd., die wohl unwiederbringlich abgeschrieben werden müssen. Dazu mehr auf CESifo zum Risikopegel.

    Und eine volkswirtschaftliche Analyse zum Währungsaustritt auf www.fortunanetz.de

  • Lukrativer Sonderweg ??
    Ich bin täglich in der Schweiz unterwegs...die Schweizer fahren scharenweise nach Deutschland zum einkaufen - der Einzelhandel drüben leidet. Die Urlauber weichen wegen des starken Frankens nach Italien und Österreich aus - der Tourismus drüben jammert...bricht Euroland zusammen, so fallen auch UBS und CS und somit auch die Schweiz. Der schweizer Mittelstand ächzt unter Rabattforderungen der Euro Länder. Ergo- die Schweiz hängt genauso am Schicksal des Eurolandes wie die Kernländer selber.

  • --@ index

    danke
    sehr, sehr hilfreiche Infromation. Parallel dazu lese ich auch noch gerne "Schall und Rauch", obwohl man dort sehr aufpassen muss, denn 20- 40% der Informationen sind getürkt.

  • "Dreiviertel der jungen Menschen dagegen wollen den Euro behalten! "
    Wen meinen Sie mit "junge Menschen"? Die brainwash Jugend die glaubt dass Dieter Bohlen die Bibel verfasst hat und Liechtenstein ein Glühbirnendesigner ist?

    Und einige schauen nur ARD und ZDF und glauben auch dass ihre Spareinlagen sicher sind, Frau MErkel für Deutschland kämpft, niemand vor hatte eine Mauer zu errichten und JaJa die Spanier sind auf dem richtigen Weg....schlafen Sie ruhig weiter....denn übermorgen ist Weihnachten.

  • Mit den vielen Euros könnte die Schweiz halb Deutschland aufkaufen (Land, Firmen, etc.)und somit ihr Territorium vergrössern. Da Deutschland so sehr überzeugt vom Euro ist, würden sie offensichtlich gerne ihr eigenes Land gegen wertloses Papiergeld verkaufen.

  • Was für eine wirre Argumentation: Die Schweiz druckt in der Not Franken, kauft damit Euros, um ihre Wirtschaft vor dem totalen (Aufwertungs-)Absturz zu bewahren, weitet ihre Geldmenge massiv aus. Und der Autor findet das noch richtig toll! Dieselben Medien wettern bei jeder Gelegenheit gegen die EZB, wenn sie die Euro-Geldmenge ausweiten will. Diese Krise ist vor allem eine Medienkrise, in der (alternde) Eurohasser und verkappte Nationalisten in den Redaktionen ("faule Südländer...") den Ruf der Währung aus vollen Rohren zu ruinieren versuchen. Aber die Zeit spielt langfristig gegen sie: Dreiviertel der Rentner wollen die DM wieder, Dreiviertel der jungen Menschen dagegen wollen den Euro behalten!

  • Apropos Gold.... wo ist denn unser Gold überhaupt?

    Wir verfügen seit den 50igern über kein gültiges Wahlrecht, wir sind kein souveräner Staat, wir sind keine Bürger sondern Angestellte der BRD Finanz GmbH und sind nicht einmal in der Lage unsere unfähige Geschäfstführung (Murksel, Rolli und Co.) zu feuern.

  • Thomas Jordan irrt! Der schlimmste denkbare Fall wird nicht
    der Euro-Zusammenbruch sein, sondern das war die Einfüh-
    rung des Euro!!
    Wenn dieser Systemfehler nicht durch die Maßnahmen des ge-
    sunden ökonomischen Menschenverstands in Kürze korrigiert
    wird, werden das zwangsläufig die Marktabläufe übernehmen.
    Weitere Spar- und Reformbemühungen um das Eurosystem in
    seiner jetzigen Korsettform, mit einer weiteren Schulden
    mit Schulden Bekämpfung von Struktur- und Solvenzproble-
    men sind in das Reich der Kurpfuscherei zu verweisen und
    in der Rechtsform des Deutschen HGB im höchsten Maße
    illegal und durch die Staatsanwaltschaft zu verfolgen.
    Da dies in der Vergangenheit durch die Weisungsgebun-
    denheit der Staatsanwaltschaft nicht möglich war, würde
    es auch weiter nicht auffallen, wenn sich die BRD von
    den Maastrichtkriterien auf ''legale Weise'' im Stile
    der ''EU'' befreien würde und sich z.B. von dem Klotz
    am Bein des ELA (Emergency Liquidity Assistance) be-
    freien würde.

  • Man sollte willen, dann der SNB-Chef Jordan über den Euro promoviert hat und darin dargelegt, daß der Euro keine Überlebenschance hat. Der weiß insofern ziemlich genau, was er tut!
    Vor allem scheint er nicht abgeschrieben zu haben!

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