Diskussion über Abwertung
Bundesbank-Präsident gegen weichen Euro

Würde der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verlieren, dürften die europäischen Exporte anspringen. Doch der Wunsch südeuropäischer Länder wird in der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt nicht gehört.
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FrankfurtBundesbankpräsident Jens Weidmann lehnt Forderungen aus süd-europäischen Ländern nach einer Abwertung des Euro zu Gunsten der Exportwirtschaft ab. „Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch eine Abwertung herbeiführen, sie entsteht in den Unternehmen durch attraktive Produkte, die sich auf den Märkten behaupten“, sagte Weidmann dem „Focus“ nach einem Vorabbericht vom Sonntag: „Eine starke Wirtschaft kann auch eine starke Währung vertragen.“ Außerdem würden Notenbanken anderer Länder nicht untätig bleiben und versuchen, zum Ausgleich die eigene Währung ebenfalls zu schwächen, argumentierte er. Das könne zu einem weltweiten Abwertungswettlauf führen, der nur Verlierer kenne.

Kürzlich hatte Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls gewarnt, der Euro sei zu stark. Zudem hatte er gefordert, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu einem Instrument für Wachstum und Arbeitsplätze zu machen. Vorrangiges Ziel der EZB ist die Preisstabilität. Zurzeit kostet der Euro 1,35 Dollar, Anfang Mai waren es fast 1,40 Dollar. Der relativ hohe Außenwert des Euro verteuert den Absatz europäischer Produkte in der Welt.

Weidmann wandte sich auch gegen die Idee, die EZB solle Banken problematische Kredite abnehmen. „In einigen Ländern - auch in Deutschland - sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase - und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“, warnte der Bundesbankpräsident. Außerdem dämpfte er die Erwartung, der gerade beschlossene negative Einlagezins der EZB würde viel zur Ankurbelung der Kreditvergabe beitragen.

Im Süden der Eurozone sei die Kreditvergabe auch deshalb schwach, weil viele Firmen wegen der schwachen Wirtschaft kaum frisches Geld nachfragten. Daran werde der negative Einlagezins wenig ändern. Dieser soll wie ein Strafzins wirken und die Banken anregen, ihr Geld zu verleihen und nicht bei der EZB zu parken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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