Draghi vs. Stark
Schlagabtausch der Notenbanker

Ihre Aussagen könnten kaum konträrer sein. EZB-Präsident Mario Draghi rechtfertigt in einem Interview die Geldpolitik seines Hauses. Der Ex-Chefvolkswirt der Notenbank, Jürgen Stark warnt dagegen vor einer Inflation.
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FrankfurtDie reichen Länder Europas dürfen nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi nicht dauerhaft für hoch verschuldete Partner einstehen. „Generell gilt: Wenn wir das Geld der Steuerzahler schützen wollen, darf aus der Euro-Zone keine Transferunion werden, in der ein, zwei Länder zahlen, der Rest ausgibt und das Ganze durch gemeinsame Eurobonds finanziert wird. Das darf nicht sein“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Nach Ansicht von Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark jedoch, hat die jüngste Geldflut der Notenbanken die Lage keineswegs verbessert. In vielen Volkswirtschaften könne man „keinen ernsthaften Versuch erkennen, die Fiskalpolitik in den Griff zu bekommen“, urteilte Stark im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Sowohl die Weltwirtschaft als auch das Weltfinanzsystem stehen heute erneut unter Drogen.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Europas Geschäftsbanken im Dezember und Februar extrem billiges Geld mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren angeboten. Abgerufen wurde insgesamt gut eine Billion Euro. Weil die Institute zum Teil Geld aus anderen Geschäften mit der EZB umschichteten, kamen nach Berechnungen von Volkswirten von dem frischen Geld netto gut 500 Milliarden zusätzlich im Finanzsystem an.

Nach Überzeugung Draghis verhinderten die Währungshüter mit der Geldflut ein Austrocknen der Finanzmärkte. Im ersten Teil seines Interviews mit der „Bild“-Zeitung, das gestern veröffentlicht wurde, sagte der EZB-Präsident: „Das Schlimmste ist vorüber, aber es gibt auch noch Risiken. Die Lage stabilisiert sich.“

Stark hielt dagegen: „Historisch wissen wir, dass jede besonders starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zu Inflation führt.“ Es sei nicht möglich, die gigantische Liquidität, rasch wieder aus dem Markt zu nehmen, sofern dies aufgrund anziehender Preissteigerungsraten notwendig werde.

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Draghi hält an Euro in Griechenland fest

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  • Es scheint in den meisten europäischen Ländern grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen von Moral and Gesetz zu geben. Während in Irland ungern Kredite aus den Boomjahren zurück gezahlt werden, insbesondere wenn sie von ausländischen Kreditinstitutionen und der EZB gedeckt sind wird in Griechenland immer gerne die Nazikeule ausgegraben wenn es mal wieder fiskalpolitisch ewtas enger wird. Francois Hollandaise hat ja auch schon angekündigt das er im Falle eines Wahlsieges auch wieder lieber Deutschland auffordert zu zahlen als selbst bei den französischen Staatausgaben zu sparen. Adieu Fiskalpakt und Schuldenabbau.

    Man muß es sagen wie es ist die EZB steht für Europäische Zentrale-Badbank und sie kann in der jetzigen Form nur abgewickelt werden. Schiebt doch gleich noch die Depfa und die Anglo Irish Bank samt Griechenland-Banken rein und der Sprengstoff für die Euro-Falle ist perfekt.

    Wo Weidmann Recht hat, hat er nun mal Recht. Die TARGET2 Forderungen sind teil der Bad-Bank Strategie um die Bundesbank langfristig an die Kette zu legen.

  • is aber kein argument was sie da schreiben, sie ahnen natürlich analog zu mir wer so was schreibt. denke wir haben die gleiche schnittment. oder? nun, meine argumentation is zwar im erscheinen einfach, aber die begriffe "natürliches recht" und "positives recht" haben scho substanz. die menschen die hier so was posten, benutzen eine akademische diskussion, um völlig undemokratische dinge zu legitimiern. rousseau, kant und co würden eine sollche diskussion zum schutz von demokratischen prinzipien sicher ablehnen. oder wären die freiwillig in die knechtschaft gefolgt?

  • @Dr.NorbertLeineweber
    "Wenn Draghi nicht so weit denken kann, hat er an der Spitze der EZB nichts verloren."

    Das glauben Sie aber auch nicht. Ich bin davon überzeugt, dass die Herren in der EZB und im ESM sehr genau wissen, was abgeht. Ansonsten könnte ich mir nicht erklären, weshalb in den Verträgen strickte Geheimhaltung und keine Auskunftsrechte gegenüber niemandem bei Zusicherung völliger Straffreiheit von vornherein vereinbart wurde.

    Ich möchte die Frage aufwerfen:
    Woher wollen wir wissen, dass die deutschen "Rettungsmilliarden" nicht in der Schweiz gelandet sind und dort als Beratungshonorare und -provisionen auch an unsere Politiker wieder verteilt wurden?

    Woher wollen wir die Gewissheit nehmen, dass dies nicht stimmt?

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