Draghis Geldflut
EZB verteidigt lockere Geldpolitik

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank soll Wirkung zeigen. Laut einem heute veröffentlichten Bericht kommt die Kreditvergabe der Banken in Schwung. Firmen und Haushalte kommen leichter an Darlehen.

FrankfurtDie EZB hat nur wenige Wochen vor einer möglicherweise noch stärkeren Öffnung der Geldschleusen auf Vorteile ihrer ultra-lockeren Politik hingewiesen. Die längerfristigen Kreditlinien an Geschäftsbanken ("TLTRO") und das auf über eine Billion Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm hätten die Kreditbedingungen im Euro-Raum verbessert, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Schritte hätten dazu beigetragen, dass Firmen und Haushalte leichter an Darlehen kommen. Die EZB hat ihre nächste geldpolitische Sitzung Anfang Dezember. Sie will dann prüfen, ob eine weitere geldpolitische Lockerung notwendig ist.

"Beide Programme haben zu einer Verringerung der Finanzierungskosten für Banken beigetragen", schrieben die Autoren. Geldhäuser seien dadurch angeregt worden, mehr Darlehen zu besseren Bedingungen zu vergeben. Allein die längerfristigen TLTRO-Geldsalven hätten letztendlich zu Krediten im Volumen von über 100 Milliarden Euro an die Wirtschaft geführt.

Die EZB hatte 2014 beschlossen, bis Mitte 2016 mehrere der TLTRO-Tranchen in das Finanzsystem zu pumpen. Banken dürfen diese extrem billigen Kredite nur dann behalten, wenn sie mehr Darlehen ausreichen. Die Geldhäuser haben die Tranchen in einem Volumen von bisher rund 400 Milliarden Euro angenommen, was allerdings geringer ist als zuvor erwartet. Seit März dieses Jahres schleust die EZB zudem mit dem Ankauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. EZB-Präsident Mario Draghi will mit den Käufen dafür sorgen, dass Anleihen-Investments für Banken unattraktiver werden. Sie sollen stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben.

Jüngste Daten hatten allerdings nahegelegt, dass bei der Kreditvergabe der große Schwung zuletzt ausblieb. So gewährten Geldhäuser im September lediglich 0,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors als ein Jahr zuvor. An die Haushalte im Währungsraum reichten Banken 1,1 Prozent mehr Kredite aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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