Eine Gegenstimme im EZB-Rat
Draghi lässt Zins konstant - und setzt auf Anleihekäufe

Die EZB hält den Leitzins bei 0,75 Prozent. Mit Spannung warten Experten nun auf Details zu den Anleihekäufen. Eine Zinsobergrenze wird die EZB wohl nicht festlegen. Sie könnte aber Verluste auf ihre Anleihen hinnehmen.
  • 4

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) feilt gegen massiven deutschen Widerstand an einem neuen Programm zum Kauf von Anleihen der Euro-Krisenländer. Was Kritiker als Rechtsbruch werten, sehen EZB-Präsident Mario Draghi und seine Unterstützer als Befreiungsschlag für den Euro.

Die Notenbank könnte unbegrenzt Staatsanleihen etwa Spaniens oder Italiens kaufen und damit den verunsicherten Märkten die Sorge vor einem Zerfall der Eurozone nehmen. Die EZB will aber - so viel ist bislang bereits klar - nur dann aktiv werden, wenn die betreffenden Staaten zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds EFSF/ESM gestellt haben. Damit wären die Hilfen an politische Auflagen geknüpft.

Vor der entscheidenden Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt kursierten zudem Berichte, wonach die Notenbank künftig bereit sein könnte, Verluste auf von ihr gehaltene Bonds zu akzeptieren. Dass sich die Notenbank auf eine Zinsobergrenze für den Anleihenkauf festlegen wird, halten Ökonomen für unwahrscheinlich.

Stattdessen ist eher ein weiches, nicht genau kommuniziertes Zinsziel zu erwarten, das der Notenbank hinreichend Freiräume lässt, um Spekulanten auch einmal auf dem falschen Fuß zu erwischen und unkooperative Regierungen abzustrafen. Hinsichtlich der Laufzeit der zu kaufenden Anleihen hat Draghi ein Maximum von drei Jahren ins Gespräch gebracht.

Klarheit über das Vorgehen wird von Draghis Pressekonferenz im Anschluss an die Ratssitzung (ab 14.30 Uhr im Liveticker) erwartet. Die Finanzmärkte sehen der Entscheidung mit allergrößter Spannung entgegen. Der Italiener selbst hatte die Latte Ende Juli hoch gelegt: Die EZB werde „im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“.

Seite 1:

Draghi lässt Zins konstant - und setzt auf Anleihekäufe

Seite 2:

Kritiker sind nicht überzeugt

Kommentare zu " Eine Gegenstimme im EZB-Rat: Draghi lässt Zins konstant - und setzt auf Anleihekäufe "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Draghi hält in Deutschland Hof. Eigentlich sollte deshalb von ihm ein Bekenntnis zu Wirtschaftswachstum statt zu Geldmengenwachstum erwartet werden. Zwar ist er nur der "Ausputzer" für politische Schlechtleistungen, aber daraus leitet sich nicht automatisch das Recht ab, Geldpolitik zu betreiben, die Probleme lediglich verkleistert. Unter diesem Kleister ersticken die Realwirtschaft und verantwortungsvolle Kritik. So wundert es nicht, dass die Probleme in der EU immer größer werden. Zuerst Stagnation, dann Rezession. Beides lässt sich mittels wertloser werdendem Geld und deshalb steigenden Preise gut verstecken. Inflationsbereinigt zeigt sich aber längst der Verfall des Geldes am Öl- und Gaspreis. Gegen die Geldwertverschlechterung werden sich die Menschen wehren - auch in Deutschland. Nach glücklichen Jahren friedlicher Sozialpartnerschaft müssen wir künftig wieder mit Arbeitskämpfen ringen, so wie Ärzte und Flugpersonal das gegenwärtig druckvoll tun. Draghi kennt diese Tradition aus seinem Heimatland nur allzu gut. Aber der Schuster sollte nur im Märchen bei seinem Leisten bleiben. Als begeisterter Befürworter des europäischen Einigungsprozesses sehe ich mit erschreckender Hilflosigkeit, wie dieser hoffnungsvolle Prozess von oben ruiniert worden ist: 1. Die klassischen Instrumente zur Neujustierung der Mitgliedsländer im Wettbewerb wurden systematisch beseitigt, ohne Alternativen zu schaffen. 2. Nachdem die Anpassung der Währung an die Produktivität mittels Abwertung abgeschafft wurde, wird das interne Eigenpotential der Krisenländer mittels kaufkraft- und nachfrageschwächender Sparauflagen zerstört. 3. Sollte nun auch die Wettbewerbsfunktion der Steuern beseitigt werden, hat Europa neokoloniale Verhältnisse vollendet. Um dadurch verschuldete soziale Unruhen abzuwenden, wird an die Stelle der Förderung von Eigenwachstum wohl Umverteilung und Kostgängerei treten. Diese Perspektive hat Europa nicht verdient und wird sie vmtl. nicht überleben.

  • Juchhu. Ich habs: ich gründe eine eigene Bank. Gleichzeitig gebe ich Staatsanleihen heraus und meine Bank gibt mir dafür Geld. Wenn ich mehr Geld brauche, drucke ich einfach neue Staatsanleihen und die Bank kauft sie mir wieder für Geld ab. Aaaahhhh! - das Perpetuum mobile ist endlich gefunden ;)

  • Egal wie, dieser Draghi und Konsorten halten sich nicht an Verträge, begehen Rechtsbeugung und -bruch. Das ist zwar bei Politikern momentan sehr in Mode, bis hin zu Finazministern ( NRW )- aber illegal. Damit kann es, egal wie man es dreht und wendet, nur den Exit bedeuten. Grundkurs 1, Kapitel 1.
    Der Worte sind genug gewechselt. Schon schlimm, aber alternativlos ;-).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%