Entschuldung über Inflation: Die Folterinstrumente des Staates

Entschuldung über Inflation
Die Folterinstrumente des Staates

Wie kommen wir von den hohen Staatsschulden runter? Allein durch Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen wird das kaum funktionieren. Es gibt andere Folterwerkzeuge, um an das Vermögen der Sparer heranzukommen.
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DüsseldorfSchulden, überall nur Schulden. Nicht nur Griechenland und Portugal stecken in der Klemme. Auch in den USA, Japan oder Deutschland hat die Verschuldung ein ungesundes Maß erreicht. Wie sollen wir jemals wieder aus den Miesen herauskommen?

Allein durch Sparen von den hohen Schulden herunter zu kommen, wird kaum funktionieren. Nicht mal im kleinen Griechenland erscheint dieser Weg gangbar. Die Menschen wollen den strengen Sparkurs nicht mittragen. Noch schwieriger wäre es, die großen Volkswirtschaften allein durch Sparen zu sanieren; um nicht zu sagen: unmöglich. Wenn alle Welt gleichzeitig anfinge zu sparen, wäre die Folge eine weltweite Rezession. Ein globaler Schuldenschnitt scheidet daher aus.

Die andere Möglichkeit der Entschuldung geht über Inflation. Unter Ökonomen findet diese Variante mehr und mehr Anhänger, vor allem in den USA. Die Amerikaner haben mit höheren Inflationsraten weniger ein Problem als die Deutschen. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Vereinigten Staaten ihre hohe Schuldenquote durch Inflation losgeworden.

So treten zum Beispiel der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff und die Nobelpreisträger Greg Mankiw und Paul Krugman, ganz offen für höhere Inflation ein. Rogoff argumentiert, dass die westlichen Staaten die enorme Verschuldung durch die Finanzkrise nur schwer schultern könnten. Der einfachste Weg um das Problem zu lösen, sei eine höhere Inflation. Durch höhere Preissteigerungen nimmt der Wert der Staatsschulden ab. Dies hätte einen ähnlichen Effekt wie eine Neuverhandlung der Schulden.

„Es könnte einen Anreiz für die Regierungen der Industriestaaten geben, Inflation in einem höheren Maß als in der jüngeren Vergangenheit üblich zuzulassen“, heißt es in einer Studie der Man Group zum Thema Inflationsgefahr. Dass Politiker, die wiedergewählt werden wollen, hochgradig unpopuläre Sparmaßnahmen durchsetzen werden, sei nicht besonders plausibel. Eine Zeit steigender Teuerung werde „mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wenige Monate dauern“, sondern könnte „ein Begleiter der nächsten Jahre sein“.

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  • Der deutsche Sparer gehört zu dem Volk der Lemminge. Die aktuelle Flucht in das "sichere" Betongold erinnert mich an das Ende der 90er Jahre, als Greti und Pleti beim Friseur saßen und sich beim Glas Sekt über die neuesten Entwicklungen am Neuen Markt unterhalten haben. Schön der breiten Masse hinterherrennen und -sehr wichtig- dabei "besser sein" als der Nachbar.
    Den Kapitalverlust durch Inflation, Steuern und Kosten haben wir heute schon - auch bei Imobilien. Wo findet man heute in Deutschland noch Immobilien mit einer Bruttomietrendite von über 6%? Damit ich heutzutage einen realen Kapitalerhalt erfahre muß ich als Anleger schon mal eine Bruttorendite von mind. 4% erzielen und wenn ich kein Anhänger des "Warenlügenkorbes" bin, dann noch deutlich mehr. Resultat daraus - keine Immos in Deutschland, keine Staatsanleihen, keine Lebensversicherungen. Jetzt kann sich jeder fragen, wieviel unseres deutschen Privatvermögens in diesen Anlageklassen liegt?! Wir sollten endlich anfangen als deutscher Anleger in der globalen Welt anzukommen. Es gibt z.B weltweit sehr stabile Märkte, die ein Investment in reale Immobilien als sinnvoll und renditeträchtig erscheinen lassen, da die grundlegenden Voraussetzungen gegeben sind und das sind immer noch die wirtschaftliche und demographische Entwicklung eines Stnadortes, sowie das aktuelle Kaufpreisniveau - und nicht Panik!Viele Faktoren in diesem Artikel sind richtig und werden schneller Realität werden, als sie uns lieb sind bzw. Sind schon längst in Arbeit ohne das es jemand mitbekommt. Kleines Beispiel gefällig? Der erste Entwurf der neuen AiFm- Richtlinie sah vor, die Investitionen und den Zugang von geschlossenen Beteiligungen massiv zu regulieren. 50 T€ Mindestanlage - hält alle Kleinanleger von dieser Anlagefom fern 70% der Investitionen haben im europäischen Raum stattzufinden- keine reinen Fremdwährungsinvestments....usw. Alles natürlich um den Anleger zu "schützen" ein Schelm wer Böses dabei denkt!.

  • Das Problem ist, dass die Länder im Euroland die uns die Waren immer abgekauft haben, pleite sind. Nun hat Deutschland als Export-Nation (wir haben ja kaum Bodenschätze) kaum noch Abnehmer. Also was passiert?
    Wir gehen selber pleite, deshlab wird in diese Pleite-Euroländer reingepumpt was geht, um die Länder als Waren-Abnehmer zu behalten. Auf Dauer geht das natürlich nicht gut.

  • Eine Propagadaformel macht noch keine Inflation. Die Gelddruckerei findet ja nicht statt aus Jux und Tollerei, sondern weil die Weltwirtschaft sich in einer Depression befindet.
    Würden die Schuldenberge in den Warenkorb eingepreist und nicht nur Butter, Eier Mehl, stellten wir fest, daß alles viel zu billig ist.
    Ein Brot sollte wenigstens eine Million Euro kosten als Reminiszens an die wirklichen Herstellungskosten.

    Tatsächlich leben die meisten Menschen Europas vom Staat. Da sind zuerst einmal zu nennen die ungezählten Bürokraten in Brüssel mit ihren gehobenen Ansprüchen, Abgeordnete, Kommissare, Funktionäre, Beamte, ihre Bediensteten, die abermillionen Arbeitslosen und Hilfebezieher, die Banken die lange bankrott wären ohne das Hartz 4 der EZB und der Rettungsschirme, der öffentliche Dienst, Polizei, Finanzämter, Arbeitsämter und die tausenden abhängigen Dienstleister, der zweite Arbeitsmarkt, ohne den die Volkswirtschaften gar nicht auskämen und der sich in die Realwirtschaft tief eingefressen hat, die Bauindustrie, die großzügig mit Aufträgen bedacht wird, finanziert über Schattenhaushalte, Unis, Schulen usw., die Sekundärnutznießer wie Zulieferer, Vermieter von Wohnraum, Veranstalter für Arbeitslose (WiWo schrieb, daß sei ein Milliardenmarkt), Supermärkte, Handyläden, welche ohne die Kohle der Arbeitslosen in die Insolvenz gingen. Kann man sich leicht ausrechnen. Ebenfalls in der WiWo gelesen, daß in Deutschland runde 9 Mill. Menschen Sozialhilfe bekämen. Wieviel ist das? 600 Euro? Streicht die, dann würden 450 Mill. Euro pro Monat weniger in den Konsum fließen.

    Europa - Arbeitslose organisieren Arbeitslose. Das ist die Wahrheit!

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