Erstmals seit zwei Jahren
Chinas Notenbank senkt den Leitzins

Chinas Konjunktur hat zuletzt deutlich an Fahrt verloren. Dies könnte dazu führen, dass erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung verfehlt wird. Nun reagiert die Zentralbank der Volksrepublik.
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PekingAngesichts der lahmenden Konjunktur senkt Chinas Notenbank erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins. Sie verbilligte den Schlüsselsatz am Freitag überraschend auf 5,6 von zuvor sechs Prozent. Zugleich erhalten die Banken selbst mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen. Weil die Inflation nicht mehr so stark steigt, hatte die Zentralbank der Volksrepublik (PBOC) Spielraum für die Maßnahmen. Sie signalisierte aber, keinen aggressiven Kurs einzuschlagen: Das Wirtschaftswachstum sei noch „leidlich“, so dass die PBOC „mit Bedacht“ vorgehen könne.

Die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung verfehlt wird. Angepeilt ist eigentlich ein Anstieg um 7,5 Prozent. Zugleich war die Kreditvergabe im Oktober scharf zurückgegangen. Mit der Leitzinssenkung setzt die Notenbank den Hebel bei der Geldversorgung an. Die Banken können sich bei der PBOC nun günstiger eindecken. Damit dürften auch Kredite für Firmen und Verbraucher billiger werden.

An den Märkten kam die Entscheidung der Pekinger Währungshüter gut an: Investoren hoffen auf einen Schub für die Weltwirtschaft, falls Chinas Konjunktur wieder anzieht. Am Frankfurter Aktienmarkt kletterte der Leitindex Dax auch deswegen um 2,4 Prozent. Der Preis für Öl , den Schmierstoff der Weltkonjunktur, zog an.

„Die Finanzmärkte feiern die heutige Maßnahme. Tatsächlich sollte es gewisse Wachstumsimpulse geben“, sagte Ökonom Frederik Kunze von der NordLB. Mit der Leitzinssenkung schwenkt die PBOC laut Ökonom Alexandre Baradez vom Pariser Finanzhaus IG auf einen ähnlichen Kurs ein wie die US-Notenbank Fed, die EZB in Frankfurt und die Zentralbank von Japan: „Sie treiben die Märkte.“ Die Fed hat den Börsen nach der Finanzkrise 2008 mit immer neuen Geldspritzen über Jahre zu einer Kurs-Rally verholfen, bevor sie die Hilfen Ende vorigen Monats einstellte. Die Notenbank von Japan hat die Geldschleusen hingegen jüngst weiter geöffnet. Und die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet vorsorglich neue Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft vor.

Manche Experten bezweifeln jedoch, dass die chinesische Notenbank mit der Zinssenkung die Konjunktur wirklich anschieben kann. Angesichts der mauen Wirtschaft scheuten die Banken, mit Krediten neue Risiken einzugehen. Die größten Geldinstitute häuften zuletzt immer mehr faule Kredite an. Die Regierung hat den Banken schon eine Lockerung der Regeln für das Ausreichen von Darlehen in Aussicht gestellt. Insbesondere soll die Vorschrift flexibler gehandhabt werden, wonach das Kreditvolumen einer Bank 75 Prozent der Kundeneinlagen nicht übersteigen darf.

Chinas Führung hat zugleich die Weichen dafür gestellt, die Wirtschaft mit milliardenschweren Investitionen anzukurbeln. Die Reformkommission billigte jüngst Projekte mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet rund 90 Milliarden Euro – darunter 16 Bahnhöfe und fünf Flughäfen. Präsident Xi Jinping will allerdings nicht mehr auf Biegen und Brechen an den staatlichen Wachstumsvorgaben festhalten. Er sagte jüngst, auch mit rund sieben Prozent sei China ganz weit vorne dabei.

Das rasante Wachstum im vorigen Jahrzehnt hat das Land in die Spitzengruppe der größten Volkswirtschaften katapultiert. Doch birgt dieser Kurs auch Gefahren, wie Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch warnt: "China baut eine Kreditblase auf und zugleich kühlt der Häusermarkt ab. Dies mit einer Zinssenkung zu bekämpfen, ist riskant."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In der Tat wird sich die verordnete Ruhe und das verzerrte Wachstum in China kaum mehr aufrecht erhalten lassen.

    China befindet sich in einer schlimmeren Immobilien- und Kreditblase ohne jegliche Kontrolle als es in USA 2007/8 je zu befürchten war.

    Platzt die Blase, folgen andere, die sich aufbauten infolge der korrupten Strukturen in Verwaltung, Wirtschaft und Politik.

    Die jahrelange hemmungslose Bereicherung von Funktionärsfamilien quer durch alle Ebenen gefährdet die Stabilität des Landes insgesamt.
    Diadochenkämpfe weiten sich über den engen Kreis der Spitzenfunktionäre aus in das gesamte morsche System.

    Der Trigger für den bevorstehenden globalen Crash verorten nun immer mehr Beobachter in China.

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